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Berufsbildungszentrum : Bafög-Regel bringt künftige Erzieher in Not

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Rahmen ihrer Ausbildung müssen Erzieher-Fachschüler 40 Wochen Praktikum machen. In dieser Zeit bekommen sie keine finanzielle Förderung – und auch keinen Arbeitslohn-

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erstellt am 07.Apr.2014 | 17:00 Uhr

Im Sommer wird Benjamin Pigors tun, was er sich schon lange wünscht: Der 24-Jährige arbeitet dann im evangelischen St.-Paulus-Kindergarten. Jedenfalls für ein halbes Jahr. Es ist der praktische Teil seiner Ausbildung zum Erzieher. Das Haus, die Kolleginnen und die Kinder kennt er schon aus früheren, kürzeren Praktika. Die Arbeit liegt ihm, die Sache hat nur einen Haken: Benjamin Pigors weiß nicht, wovon er im nächsten Halbjahr leben soll. Der Kindergarten zahlt ihm kein Gehalt. Und das Bafög-Amt, von dem er jetzt noch monatlich 600 Euro erhält, hat auch schon angekündigt, ihm während des Praktikums die Unterstützung zu streichen.

Benjamin Pigors ist kein Einzelfall. Hans Hermann Henken, Schulleiter des Berufsbildungszentrums, schätzt, dass bis zu 20 Prozent der Erzieher-Schüler vor demselben Problem stehen. Die für die Zahlung zuständige Investitionsbank Schleswig-Holstein argumentiert, das Praktikum erfülle nicht die rechtlichen Voraussetzungen für die Zahlung des so genannten Meister-Bafög. Es finde kein fachpraktischer Unterricht statt und werde nicht von einer Lehrkraft begleitet.

Dabei sind 40 Wochen Praktikum innerhalb der Erzieher-Ausbildung vorgeschrieben. Wer nicht wie Benjamin Pigors Meister-Bafög bezieht, sondern Schüler-Bafög, hat das Problem nicht. „Theoretisch könnte ich noch zum Schüler-Bafög wechseln“, sagt er. Aber dann müsste er das Geld, das er in den vergangenen anderthalb Jahren bekommen hat, komplett zurückzahlen. Als er seinen Antrag stellte, wusste er von dieser Folge nichts. Seinen ebenfalls betroffenen Klassenkameraden geht es genau so. Die Möglichkeit, Meister-Bafög zu beziehen, ist für Erzieher neu. Benjamin Pigors konnte es beantragen, weil er bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hat. Er ist Einzelhandelskaufmann. Im Moment jobbt er nebenbei im Sky-Markt am Stadtfeld. „Wenn ich demnächst ganztätig im Kindergarten arbeite, werde ich das nicht mehr schaffen“, fürchtet er.

Pigors hat sich nun unter anderem an die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls gewandt. Sie wiederum sprach den Eckernförder Bundestagsabgeordneten Sönke Rix an, denn das Bafög ist eine Angelegenheit des Bundes. Pauls nennt die bestehende gesetzliche Regelung unbefriedigend. Außerdem sagt sie: „Man kann darüber diskutieren, ob es in Ordnung ist, dass angehende Erzieherinnen und Erzieher in der Praktikumsphase keinen Lohn von den Einrichtungen erhalten, in denen sie arbeiten.“ Wenn sie kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung stünden, leisteten viele von ihnen nahezu vollwertige Arbeit. Auch die derzeit elf Praktikanten in den städtischen Kindergärten und im Jugendzentrum arbeiten unbezahlt, bestätigt die Rathaus-Pressestelle auf SN-Nachfrage.

BBZ-Leiter Henken versucht das Problem jetzt zu lösen, indem er die Erzieher-Ausbildung an die formalen Bafög-Voraussetzungen anpasst. Der neue Jahrgang, der nach den Sommerferien beginnt, wird während der Praktikumsphasen einmal in der Woche einen Berufsschultag haben. Ob sich eine solche Regelung auch für die rund 300 Erzieher-Fachschüler umsetzen lässt, die ihre Ausbildung schon begonnen haben, ist noch offen, sagt Henken.

 

 

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