Schleswiger Netzetrockenplatz : Baden in der Schlei verboten

Vorübergehend geschlossen: Die traditionsreiche Badestelle zwischen  St.-Johannis-Kloster und der Freiheit.
Vorübergehend geschlossen: Die traditionsreiche Badestelle zwischen St.-Johannis-Kloster und der Freiheit.

Das Gesundheitsamt zieht Konsequenzen aus schlechter Wasserqualität seit 2011. Im Schlamm am Boden der Schlei liegen die Bakterien aus den Exkrementen der vergangenen Jahrzehnte.

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23. Juni 2014, 17:09 Uhr

Ein Verbotsschild ist noch nicht aufgestellt, nur im Internet auf den Seiten des Kieler Gesundheitsministeriums findet sich ein Hinweis: Am Netzetrockenplatz auf dem Holm darf man nicht mehr in der Schlei baden. Grund ist die „mangelhafte mikrobiologische Badewasserqualität“. Schuld seien die Bakterien, die sich über die vergangenen Jahrzehnte im Schlamm am Grund der Schlei angesammelt haben, sagt Jutta Korte, die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Als Ursachen nennt sie die Überdüngung der Felder rund um die Schlei, aber auch die Einleitungen aus den Kläranlagen der Dörfer in Angeln und auf der Geest. „Die Anlagen sind zum Teil erst vor wenigen Jahren modernisiert worden, aber die Coli-Bakterien halten sich sehr lange“, so Korte. „Man kann nicht viel dagegen tun. Wir können ja nicht die ganze Schlei ausbaggern“, sagt sie. Wenigstens das Regenrückhaltebecken an den Königswiesen ist jetzt entschlammt worden. Am Luisenbad, das in der Vergangenheit auch schon wegen schlechter Messwerte Schlagzeilen gemacht hatte, habe sich die Wasserqualität verbessert, sagt Korte.

Auch am Netzetrockenplatz ist die Schlei sauberer als in den vergangenen Jahren. Dass das Verbot dennoch erst jetzt verhängt wurde, sei auf eine spezielle EU-Regelung zurückzuführen, erklärt Korte. Entscheidend seien die Durchschnittswerte der Wasserqualität in den vergangenen vier Jahren. 2011 waren die Werte am Netzetrockenplatz besonders miserabel. Bislang sorgten die guten Messergebnisse aus dem Jahr 2010 dafür, dass das Baden am Netzetrockenplatz erlaubt blieb. Das ist nun vorbei.

Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich an das Badeverbot halten will. „Niemand wird einschreiten, wenn jemand hier trotzdem ins Wasser geht“, sagt Korte.

Wäre die Schlei kein Ostseefjord, sondern ein See, wäre das Baden ohnehin weiter erlaut. Für Binnengewässer gelten andere Grenzwerte. Korte bringt nun die Option ins Spiel, die Schlei von einem Küsten- zum Binnengewässer umzudeklarieren. Dann würde sie zumindest nicht mehr regelmäßig wegen ihrer schlechten Badewasserqualität in den überregionalen Medien auftauchen.

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