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Helios schliesst Bad : Babyschwimmen fällt ins Wasser

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bewegungsbecken in der Kinderpsychiatrie nur noch bis Sommer geöffnet.

von
erstellt am 24.Apr.2014 | 07:31 Uhr

Wer mit seinem Neugeborenen einen Babyschwimmkurs besuchen möchte, guckt in Schleswig ab diesem Sommer in die Röhre. Denn das letzte verbliebene Schwimmbecken, das dafür in der Stadt noch genutzt werden konnte, stellt mit Beginn der großen Ferien den Betrieb ein: das Bewegungsbad im Hauptgebäude der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hesterberg.

Wie berichtet, plant das Helios-Klinikum, die aus den 70er-Jahren stammende Zentralklinik in absehbarer Zeit abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Ebenso wie das Gebäude ist auch das Bad alt und renovierungsbedürftig. „Es wären erhebliche Investitionen nötig, um den Betrieb weiter gewährleisten zu können. Das lohnt sich nicht mehr“, sagt Klinik-Sprecherin Inke Asmussen.

Diese Entscheidung trifft nicht überall auf Gegenliebe. Schließlich wird das stets auf etwa 35 Grad Wassertemperatur erwärmte Becken nicht nur von Patienten, sondern auch von mehreren Vereinen und Hebammen genutzt, um Kurse für Eltern mit Babys und Kleinkindern, aber auch für Schwangere und Senioren anzubieten. „Dass das Bad nicht mehr das jüngste ist, wissen wir auch. Aber es ist noch absolut in Ordnung. Warum lässt man es nicht einfach so lange offen, bis das Gebäude endgültig geschlossen wird?“, fragt sich etwa Ingeborg Schmidt, die für den TSV Schleswig seit Jahren Babyschwimmkurse in dem Becken leitet. Die Nachricht von der Schließung habe sie kürzlich von ihrem Vereinsvorstand erhalten. Der hatte einen entsprechenden Brief von Helios bekommen. „Wir wissen gar nicht, wohin wir jetzt sollen. Wahrscheinlich fallen die Kurse nun weg. Das enttäuscht nicht nur uns, sondern auch unsere vielen Teilnehmer.“

Eine davon ist Gwendolin Jung. Seit eineinhalb Jahren geht sie regelmäßig mit ihrem Sohn Lasse (2) zum Schwimmkurs. „Ich bin der Meinung, dass kleine Kinder sehr von solchen Angeboten profitieren. Das Spielen und Plantschen im Wasser fördert den gesamten Bewegungsablauf. Schade, dass es bald vorbei ist“, sagt sie stellvertretend für zahlreiche weitere Eltern und Großeltern. „Denn wir alle wissen nicht, wo wir jetzt hingehen sollen.“

Die direkt neben der Fachklinik gelegene Schwimmhalle bietet insbesondere für Eltern mit Kleinkindern kaum eine Alternative. Dort ist das Babybecken zu klein, die Wassertemperatur des Nichtschwimmerbeckens zu kalt (unter 30 Grad). „Das kann man den Zwergen nicht über einen längeren Zeitraum antun“, meint Kerstin Krüger, die bislang ebenfalls mit ihrer Tochter an den Schwimmkursen in der Fachklinik teilnahm. Das hätte sie auch gerne mit ihrem zweiten Kind gemacht; gerade ist sie erneut Mutter geworden. „Aber das wird jetzt wohl nichts. Nach Rendsburg oder Flensburg werde ich mit einem Baby nicht extra zum Schwimmen fahren.“

Erst im Mai 2012 hatte Helios ein ebenfalls von vielen Vereinen genutztes Schwimmbecken in einem Gebäude am Stadtfeld, das inzwischen leer steht, geschlossen. Auch damals hatte es große Proteste – unter anderem vom Kreiskulturring – gegeben. Vor wenigen Monaten wurde dann ein weiteres Bad in Busdorf, das zwar Teil eines Wohnhauses war, ebenfalls aber für Schwimmkurse zur Verfügung stand, dicht gemacht. Auch hier waren ein Sanierungsstau und hohe Betriebskosten ausschlaggebend. Bleibt das kleine Bewegungsbad im Landesförderzentrum Hören in der Lutherstraße. Das allerdings, so betont Schulleiter Ingo Degner, platzt längst aus allen Nähten. „Wir sind seit Jahren komplett ausgebucht. Das Bad ist von morgens 8 bis abends 20 Uhr voll.“

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