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Kreis Schleswig-Flensburg : Aussetzer beim Alarm: Feuerwehr will eigenes Netz

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Funklöcher im Kreis Schleswig-Flensburg sorgen immer wieder für Ärger bei der Feuerwehr. Nun soll eine neue Infrastruktur her – mit Technik wie in Flensburg und Nordfriesland.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 10:35 Uhr

Ginge es nach dem Kreisfeuerwehrverband, würde der Kreis Schleswig-Flensburg die bestehende Zusammenarbeit mit dem bisherigen Dienstleister für die digitale Alarmierung im kommenden Jahr kündigen und ein eigenes Funknetz aufbauen. Hintergrund sind gravierende Missstände. So sorgen Funklöcher im Bereich Glücksburg immer wieder für Ärger bei der Feuerwehr. Im Mai gab es einen zunächst unbemerkten Totalausfall des Alarmierungsnetzes, und bei den Stürmen Xaver und Christian sei das Netz restlos überlastet gewesen, schilderte Kreiswehrführer Mark Rücker vor dem Gesundheits- und Brandschutzausschuss.

Eine aus diesem Grund ins Leben gerufene Arbeitsgruppe schlägt vor, den Schulterschluss mit Flensburg und dem Kreis Nordfriesland zu suchen, die bereits seit Jahren ein eigenes Netz betreiben – weitgehend ohne Probleme. Bei der Politik stießen die Praktiker auf Gehör: Der Ausschuss beschloss einstimmig, diesen Weg zu gehen.

Den Einstieg in die digitale Alarmierung wagte der Kreis im Jahr 2006 ohne eigenes Netz, denn die bestehende analoge Alarmierung sollte zunächst weiterlaufen. Also stieg man auf das Angebot der Berliner Firma „e*message“ ein, die das Netz bereitstellte, refinanziert über die Gemeinden als Träger des Feuerwehrwesens, die die Empfangsgeräte (Pager) mieten. Ein Alarm im Digitalnetz schlägt zunächst in einer Zentrale der Firma in Berlin auf und wird dann an die Regionalleitstelle in Harrislee weitergeleitet. Von dort aus werden dann die Feuerwehren im Kreisgebiet alarmiert. Ein Prozedere, dass aus Sicht der Arbeitsgruppe, in der neben dem Kreiswehrführer auch Verwaltungs- und Netzexperten vertreten sind, nicht mehr zeitgemäß ist.

Eine Erhebung bei den Feuerwehren im Kreisgebiet im vergangenen Jahr hat 80 Störungsmeldungen ergeben. Schwerpunkte lagen im nördlichen Kreisgebiet, vor allem in Glücksburg. Aber auch aus den Ämtern Kropp-Stapelholm, Schafflund und Südangeln wurde Unmut geäußert. Unterbliebene Alarmierungen mehrerer Pager, verspätete Alarmierungen und Netzlücken waren die gravierendsten Störfälle. Auch die hohen Betriebskosten (37,49 Euro pro Pager im Jahr) wurden kritisiert.

„Wir Feuerwehren brauchen Alarmierungssicherheit“, sagte Kreiswehrführer Rücker, es kann nicht sein, dass wir bei einem Netzausfall im Einsatz eine Telefonkette in Gang setzen müssen. Das dauert dann 20 Minuten, bis wir alle erreicht haben.“ Um bei Problemen sofort reagieren zu können, lege man zudem Wert darauf, dass der Kreis Herr über das Netz sei. Dann haben man den Störungsdienst quasi im Haus.

Weil die Zehnjahresverträge mit „e*mesage“ 2016 auslaufen, rät der Kreis den Gemeinden, die Verträge über die Pager rechtzeitig zu kündigen. Zugleich wird die Verwaltung beauftragt, bis Jahresende ein digitales Alarmierungsnetz vorzubereiten, das mit der Technik Nordfrieslands und Flensburgs harmoniert. Vor diesem Hintergrund liegt es aus Sicht der Verwaltung nahe, die Technik zu verwenden, auf die auch die Nachbarn seit 17 Jahren setzen und die deutliche Vorteile gegenüber dem Mietnetz habe.

So sei es beispielsweise problemlos möglich, je nach Einsatzgebiet Alarmierungsgruppen zu bilden, derzeit müssten die geforderten Wehren von der Leitstelle getrennt in Gang gesetzt werden. Ralf Feddersen, Brandschutzexperte beim Kreis: „Wir sind ein Einsatzraum, da macht nur eine identische Technik Sinn.“ Zumal nach einer Berechnung der Verwaltung der Betrieb eines eigenen Netzes für den Kreis letztlich kostengünstiger wäre.
 

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