Camping in Hünning : Ausflugsziel „Bauer Jensen“

Malerische Treene-Landschaft:  Diana Petersen und Björn Ertelmaier mit Tochter Liz Amanda (links) sowie Angelika und Peter-Heinrich Jensen mit Enkel Lennard.
Malerische Treene-Landschaft: Diana Petersen und Björn Ertelmaier mit Tochter Liz Amanda (links) sowie Angelika und Peter-Heinrich Jensen mit Enkel Lennard.

Ein Campingplatz mit Imbiss in Hünning? Peter-Heinrich Jensen versuchte es und baute ein kleines Familienunternehmen auf.

shz.de von
05. Januar 2018, 15:33 Uhr

„Das funktioniert nie, nicht hier in Hünning“, sagten viele Bekannte von Peter-Heinrich Jensen alias „Bauer Jensen“, als dieser 2001 eine Imbissbude auf seinem damals noch sehr beschaulichem Zeltplatz eröffnen wollte. „Ich habe denen gesagt, dass ich es trotzdem probiere.“ Heute weiß er, dass sich seine Beharrlichkeit gelohnt hat, denn aus dem Vorhaben ist ein kleines Familienunternehmen geworden: der „Zeltplatz Bauer Jensen“, ein Campingplatz direkt am Naturschutzgebiet, der malerischen Flusslandschaft an der Treene, mit Bolzplatz, Volleyballfeld, Heuherberge, Anleger für Kanufahrer, eigenem Kanuverleih und Imbiss. Der Familienbetrieb wird seit 2015 in zweiter Generation von Tochter Diana Jensen betrieben. Unterstützung bekommt sie von ihrem Lebensgefährten Björn Ertelmaier, aber auch Peter-Heinrich und Ehefrau Angelika Jensen packen noch ordentlich mit an.

Doch noch einmal von vorn: 1996 bot „Bauer Jensen“ seine Pferdekoppel für Camper an. Doch wer sollte hier, mitten im Nirgendwo, sein Zelt aufschlagen wollen? Es gab nur eine Gruppe von Menschen, die sozusagen über die Treene ins beschauliche Hünning gespült wurde: Kanufahrer. „Damals haben wir mit einem Kanuverleih kooperiert, es gab einen kleinen Platz und einen Toilettenwagen, und die Leute waren schon zufrieden.“ Das Konzept funktionierte und Bauer Jensen expandierte – bis eines Tages das Bauamt auf der Matte stand. „Da mussten wir erstmal alles sperren und diverse Auflagen erfüllen, aber dann konnte es richtig losgehen“, erinnert sich Jensen. 2008 startete dann der offizielle Campingplatzbetrieb. 2010 wurde ein öffentlicher Anleger auf dem Grundstück gebaut, ein Meilenstein für Familie Jensen. „Wir haben acht Jahre dafür gekämpft, dass der Anleger hier gebaut werden konnte.“ Zuvor war der einzige Anleger an der Treenebrücke zwischen Sollerup und Hünning.

40 eigene Kanus hat der Familienbetrieb für seine Gäste.
Privat
40 eigene Kanus hat der Familienbetrieb für seine Gäste.
 

In der Hauptsaison bietet der Campingplatz Übernachtungsmöglichkeiten für Kanu-Gruppen mit Vollverpflegung an. Sie kommen mit dem Kanu aus Langstedt. „Das sind Schulklassen, Firmenausflüge, Feuerwehren, Vereine oder Teambildungsmaßnahmen“, erklärt Diana Jensen, die eine Ausbildung zur Hotelfachfrau auf Sylt absolvierte und viel Erfahrung in den gastronomischen Betrieb einbringt. „Das ist schon ein wenig Luxus-Camping, die Gäste buchen häufig das ganze Paket mit Frühstück und Grillen satt am Abend“, erklärt sie.

Doch nicht nur Kanufahrer und Camper von weit her zieht es nach Hünning an die Treene: Der vermeintliche Nachteil des Standortes hat sich als Vorteil erwiesen, denn Fahrradfahrer und Spaziergänger nutzen den „Zeltplatz Bauer Jensen“ als Ausflugsziel. Aus den größeren Orten der Umgebung kommen sie mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem Auto, um im Sommer im Biergarten zu sitzen, ein kühles Getränk zu trinken und etwas zu essen. Der Imbiss ist zu einem Treffpunkt geworden. „Wir haben hier zwei Stammtische, die kommen jeden Sonntag“, erzählt Diana Jensen. In der Woche gibt es jeden Abend ein Grillbüfett für jedermann, das viele aus dem Umkreis nutzen. Im Laufe der Jahre haben sich einige feste Veranstaltungen etabliert. Zum Beispiel werden hier in lockerer Atmosphäre sogenannte Treenetaufen gefeiert. „Die Pastoren stehen dann mit ihrem langen, schwarzen Talar in der Treene samt Trauzeugen und Täufling“, erzählt Björn Ertelmaier. Außerdem finden unter anderem Oldtimertrecker- und Triketreffen statt. Am Ende der Sommersaison wird ein großes Abschlussfest gefeiert. „Da werden alle Nachbarn eingeladen, die dürfen umsonst essen und trinken, als Dankeschön dafür, dass sie den ganzen Trubel mitmachen“, erzählt Bauer Jensen. Er sei froh, dass das Konzept auch in der Ortschaft so gut angenommen werde.

Für die Wintermonate haben die Jensens sich ein zweites Standbein aufgebaut. Sie betreiben einen Partyservice. Sonnabend und Sonntag ist das ganze Jahr über geöffnet, und nach Absprache können Gruppen ihre Feiern in der Bauernstube oder im Sommer draußen in einem Zelt feiern. „Wir haben mittlerweile viele große und kleine Gruppen, die hier feiern“, erklärt Diana Jensen.

Obwohl die Felder rund um die Treene zurzeit überschwemmt sind, ist der Campingplatz weitestgehend verschont geblieben und die Jensens mussten kaum Einbußen hinnehmen. Das ist nicht zuletzt dem gut laufendem Imbissbetrieb zu verdanken.

Mittlerweile seien die Jensens auch nicht mehr nur auf die Kanufahrer angewiesen. Die Gäste kommen von überall her. „Einmal stand ein Gast aus Korea auf dem Hof“, erzählt Bauer Jensen. Da habe er schnell seine Tochter anrufen müssen, da er mit Hoch- und Plattdeutsch nicht weiter kam.

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