zur Navigation springen

Neue Staffel für die „Immelmänner“ : Ausbildung von Tornado-Piloten: „Ein Meilenstein für das Geschwader“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Tornado-Piloten der Bundeswehr werden ab jetzt in Jagel ausgebildet. Die neue Staffel wurde mit feierlichem Appell in Dienst gestellt.

Jagel | Nord- und Ostsee statt Wüste: Nachdem die Tornado-Piloten der Bundeswehr seit gut zwei Jahrzehnten in Holloman im US-Bundesstaat New Mexico ausgebildet wurden, werden sie fortan in Jagel geschult. Mit einem feierlichen Appell wurde am Montag auf dem dortigen Fliegerhorst die vierte Staffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ in Dienst gestellt. Sie wird für die Ausbildung der Besatzungen zuständig sein. Der erste Lehrgang mit vier Piloten und vier Waffensystemoffizieren beginnt am 24. April. Insgesamt wächst der Stützpunkt vor den Toren Schleswigs um 190 auf fast 1700 Dienstposten. Die Zahl der Tornado-Jets erhöht sich von 25 auf 39.

Kommodore Michael Krah sprach vor den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von einem „weiteren bedeutenden Meilenstein in der ohnehin schon ereignisreichen Geschichte des Geschwaders“. Sein aktuell in drei Auslandseinsätzen geforderter Verband werde damit endgültig zum vielseitigsten Geschwader der Luftwaffe, betonte der Oberst. In zwei Jahren wird zudem das bislang noch im bayerischen Fürstenfeldbruck stationierte „Ausbildungszentrum für abbildende Aufklärung“ mit weiteren 150 Stellen zu den „Immelmännern“ verlegt.

Brigadegeneral Andreas Schick schreitet die Front ab. Die neue vierte Staffel wird 30 Soldaten umfassen. Insgesamt steigt die Zahl der Dienstposten im Geschwader um 190. Außer in Jagel sind künftig nur noch in Büchel (Rheinland-Pfalz) Tornados stationiert.
Brigadegeneral Andreas Schick schreitet die Front ab. Die neue vierte Staffel wird 30 Soldaten umfassen. Insgesamt steigt die Zahl der Dienstposten im Geschwader um 190. Außer in Jagel sind künftig nur noch in Büchel (Rheinland-Pfalz) Tornados stationiert. Foto: Marcus Dewanger
 

„Unser aller Ziel muss es sein, die hohe Qualität der Ausbildung zu erhalten“, betonte Krah. Er machte allerdings keinen Hehl daraus, dass die Rahmenbedingungen zwischen Holloman und Jagel kaum vergleichbar seien. Im dünn besiedelten New Mexico gebe es großzügige Lufträume, und auch die Wetterbedingungen seien dort optimal. Für die hiesigen Trainingsflüge werde man nicht nur die Übungsgebiete über Nord- und Ostsee sowie dem übrigen Deutschland nutzen, sondern auch Lufträume in Dänemark und den Niederlanden. „Wir werden sozusagen in Schönwetterblasen ausweichen“, kündigte Oberstleutnant Andreas Jeschek, Kapitän der neuen vierten Staffel, an. „Jagel ist so etwas wie ein Bienenstock, aus dem wir ausschwärmen werden.“

Die Entscheidung, die Tornado-Ausbildung vom US-Luftwaffenstützpunkt Holloman nach Jagel zu verlegen, hatte die Bundeswehr vor einem Jahr bekanntgegeben. „Die laufenden Kosten können deutlich gesenkt werden“, begründete Brigadegeneral Andreas Schick, stellvertretender Kommandeur Fliegende Verbände in der Luftwaffe, am Montag diesen Schritt. Dadurch, dass die Zahl der Tornados in der Bundeswehr von einstmals 360 auf nunmehr 85 reduziert worden sei, könne auch der Aufwand für die Piloten-Ausbildung verringert werden. Allein die Miete für Holloman hat die Bundeswehr nach Angaben eines Luftwaffen-Sprechers 15 Millionen Euro pro Jahr gekostet. Im dritten Quartal dieses Jahres endet dort der letzte Lehrgang.

In Jagel sollen künftig etwa 20 Flugschüler pro Jahr unterrichtet werden, darunter befinden sich auch Lehrgänge für Flug- und Waffenlehrer. Blutige Anfänger werden nicht ins Cockpit gesetzt. Alle künftigen Tornado-Schüler haben in den USA bereits ihre fliegerische Grundausbildung in Propeller- und Strahl-Flugzeugen absolviert.

Kommodore Krah wies darauf hin, dass mit der Piloten-Ausbildung naturgemäß auch der Flugbetrieb zunehmen werde. „Das ist nicht für jeden Bürger eine erfreuliche Entwicklung.“ Krah versicherte jedoch, dass die Zahl der Flugbewegungen nur moderat steigen werde. Zuletzt waren die „Immelmänner“ etwa 2800 Stunden pro Jahr in der Luft. Künftig dürften es rund 3500 Stunden sein. „Die Zahl der Starts, Landungen und Überflüge wird unterhalb von dem liegen, was die Region bis zum Jahr 2010 gewohnt war.“ Danach wurde die Tornado-Flotte verkleinert, auch wurden fortan mehr Flugstunden in Auslandseinsätzen absolviert. Als Kommodore garantiere er, dass alle bestehenden Verfahren zum Lärmschutz eingehalten würden, so Krah weiter.

Der Fluglärm ist das Eine, die Wertschöpfung für die Region das Andere. Krah machte deutlich, dass 190 zusätzliche Soldaten und zivile Mitarbeiter samt Familien künftig hier ihr Zuhause hätten. Brigadegeneral Schick wies zugleich auf die „hervorragende Integration des Verbandes in die Gesellschaft“ hin.

Die Teilnehmer des ersten Piloten-Lehrgangs werden zunächst in Theorie und im Flugsimulator unterrichtet. Erstmals in einem Tornado abheben werden sie dann im Juli.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Apr.2017 | 07:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen