Ergotherapie-Schule in Schleswig : Ausbildung mit Zukunft – und hohen Kosten

Ärztin Melanie Petereit unterrichtet die medizinischen Fächer an der Ergotherapieschule.
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Ärztin Melanie Petereit unterrichtet die medizinischen Fächer an der Ergotherapieschule.

Angehende Ergotherapeuten lernen in einer kleinen Schule in Schleswig. Am Sonnabend ist Tag der offenen Tür.

shz.de von
24. Februar 2018, 07:47 Uhr

„Der Bedarf ist sehr groß“, sagt Guido Grewe, Leiter des Ergo-Therapie Instituts Schleswig (Ethis). Keiner seiner Absolventen müsse sich um die berufliche Zukunft sorgen, denn sie würden gebraucht – und zwar in vielen Bereichen. Grewe leitet die Schule seit 2005. Im vergangenen Jahr startete bereits der 13.  Ausbildungsjahrgang. In der Schule werden rund 40 Schüler im ganztägigen Unterricht zu staatlich geprüften Ergotherapeuten ausgebildet. Die meisten stammen aus der Region, vereinzelt kommen sie auch aus anderen Bundesländern nach Schleswig.

Die kleine Schule am alten Theaterparkplatz zwischen Schleistraße und Lollfuß verfügt über zwei Klassenräume und einen Werkraum, zusätzlich wurde ein Raum in der VHS angemietet.

Der Ergotherapeut gehört – genau wie Physiotherapeut und Logopäde – zu den medizinischen Heilberufen. Um eine Vorstellung davon zu haben, was Ergotherapeuten alles machen, lohnt es sich, einen Blick auf die verschiedenen Bereiche zu werfen, die dieser Beruf abdeckt. So arbeiten sie in Psychiatrien, mit traumatisierten Kindern, Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, Schwerstbehinderten, oder aber auch mit Demenzkranken oder Unfallgeschädigten. „Im Mittelpunkt steht immer, die Menschen zu rehabilitieren, ihnen zu ermöglichen, ihre Selbstständigkeit und ihr Wohlbefinden zurückzuerlangen“, erklärt Grewe. Dabei werde immer handlungsorientiert vorgegangen mit dem Schwerpunkt der menschlichen Befähigung.

Die dreijährige Ausbildung ist anspruchsvoll und vielfältig. Anatomisches Grundwissen ist ein Grundstein. „Im ersten Jahr machen die Schüler nur Theorie, im zweiten geht es dann los mit den Praktika, die sich bis ins letzte Lehrjahr ziehen.“ Dort hätten viele Schüler sich bereits spezialisiert und zum Teil schon ihre künftigen Betriebe gefunden, beziehungsweise die Betriebe sie.

Grewe, der seit 1988 Ergotherapie unterrichtet, zog 1990 aus Westfalen nach Schleswig-Holstein und war zunächst in Böklund als Leiter in der ersten Ergotherapieschule Schleswig-Holsteins angestellt. Anschließend machte er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig, bis er 2005 die Ethis gründete, die er bis heute betreibt. Ein paar Patienten betreue er auch weiterhin, um nah genug an der Praxis zu bleiben. Die Schule habe er bewusst klein gehalten, betont er, hier herrsche eine familiäre Stimmung, die Schüler wüchsen zusammen, die Gruppen seien klein. Mittlerweile gibt es in Schleswig-Holstein sieben Ergotherapie-Schulen, 170 sind es in ganz Deutschland.

Doch einen Haken haben sie alle: Die Ausbildung kostet Geld. Bei der Ethis sind es 390 Euro im Monat. „Das ist mir immer unangenehm, wenn ich diejenigen, die sich berufen fühlen, diesen Beruf zu erlernen, erklären muss, dass sie für die Ausbildung zahlen müssen“, so Grewe. Zudem müssen die Schüler selbst für ihre Lebenshaltungskosten aufkommen. „Ein Unding“, wie Grewe findet. Während der Koalitionsverhandlungen sei da etwas Bewegung reingekommen. Mitte März wird Grewe gemeinsam mit allen Schulleitern für medizinische Heilberufe in Schleswig-Holstein dem Kieler Sozialministerium die Lage der Schule schildern. „Der Staat muss da Verantwortung übernehmen“, findet der Schulleiter.


> Die Ethis öffnet heute zwischen 11 und 14 Uhr für Interessierte ihre Türen in der Theaterstraße 4.

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