Hilfe für Afrika : Aus Wanderup an den Indischen Ozean

Peter Jessen.
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Peter Jessen.

Maschinenschlosser Peter Jessen betreut seit Jahrzehnten Hilfsprojekte in Tansania – auch heute mit 84 Jahren engagiert er sich noch in Afrika.

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13. Juni 2015, 07:41 Uhr

Irgendwie hat sich alles so ergeben. Peter Jessen will nicht viel Aufhebens um seine Lebensleistung machen. Nicht darum, dass er in Tansania ehrenamtlich Schulen, Schlafsäle, Geburts- und Krankenstationen gebaut und Tausende von Schulmöbeln repariert hat. Nicht darum, dass er im Laufe seines Lebens quasi im Alleingang über eine halbe Million Euro an Spendengeldern gesammelt hat und nicht um das Bundesverdienstkreuz.

Peter Jessen ist 85 Jahre alt, stammt aus Wanderup und ist wieder einmal zu Besuch in der alten Heimat. Er kommt immer frühestens Mitte Mai zurück, im Winter ist es ihm hier zu kalt. „Den ersten Monat verbringe ich immer damit, von Arzt zu Arzt zu laufen. Diesmal werde ich mich allerdings auch nach einem Platz im betreuten Wohnen umsehen“, sagt der alte Herr nüchtern, „ man wird ja nicht jünger. „Und in Tansania gibt es keine Altersheime.“

Als der junge Peter Jessen seine Lehre als Maschinenschlosser bei Christiansen in Großenwiehe abschloss, hatte er noch keine Ahnung, wohin ihn sein Weg einmal führen würde. Zunächst einmal geriet er in eine Sackgasse, denn im Norden war Arbeit knapp. In Leverkusen lief es besser – und als das Bayer-Werk mehr Geld bot, war die Entscheidung nicht schwer. Peter Jessen blieb bis 1964 und ging mit dem Meisterbrief in der Tasche im Auftrag des Innenministeriums nach Ägypten. Dort beteiligte er sich am Aufbau einer Ingenieursschule in Kairo. Die nächste Station war 1973 Daressalam. In der größten Stadt Tansanias wurde eine Ingenieurs-Fakultät an der Uni errichtet. Als der Vertrag 1984 auslief, war Peter Jessen über 50 – zu alt, um nach 20 Jahren im Ausland einen vernünftigen Job zu finden.

Es folgte eine mutige Entscheidung: Der Wanderuper kehrte mit einem Container voller Baumaschinen nach Tansania zurück und machte sich außerhalb von Daressalam selbstständig: „Ich habe ein Modul-System zum Bau von Häusern erfunden“, erklärte er. Das Geschäft hat ihn nicht reich gemacht, aber immerhin ausgereicht, um sich und die Familie über Wasser zu halten, wie er selbst sagt. Auch ein eigenes Haus direkt am Indischen Ozean sprang dabei heraus. Dort lernte Peter Jessen auch den deutschen Arzt Peter Ickler kennen, der vor allem afrikanischen Kindern medizinische Hilfe leistete und Jessen für soziales Engagement sensibilisierte. Und es gab viel zu tun. Tansania ist ein armes Land und die schulischen, medizinischen und sanitären Verhältnisse sind teilweise erschütternd. Als Peter Jessen 1963 in den Ruhestand ging, behielt er seine Werkstatt, einen Großteil seiner Mitarbeiter und widmete sich ehren amtlich dem, was er am besten kann: bauen.

In den vergangenen 20 Jahren entstanden 40 Klassenräume für Grundschulkinder, Büros, Klos, Lager- und Schlafräume sowie Klettergerüste. Und als der Wanderuper einmal eine Schule besuchte, in der die Tische und Stühle der Schüler zerstört waren, baute er neue aus Beton. Das hält ewig. Zudem hat er in seiner Werkstatt tausende von Schultischen repariert, Rollstühle gebaut, Transportliegen für Kranke und vieles mehr, was in Tansania gebraucht wird.

Seine regelmäßigen Aufenthalte in Deutschland nutzt Jessen nicht nur, um die Familie zu besuchen – er wirbt auch um Spenden. Da er keine große Organisation hinter sich hat, hält er Vorträge, knüpft Kontakte und berichtet über seine Arbeit. Viele Privatpersonen und ein Unesco-Club spenden regelmäßig. Über eine halbe Million Euro kamen so insgesamt zusammen. „Eines der größten Probleme in Tansania ist die Korruption“, berichtet Peter Jessen, „je mehr Organisationen, Ämter und Menschen mit den Spenden zu tun haben, desto kleiner wird die Summe“. Darum hat er in Deutschland bei der Tansania-Hilfe Braunschweig ein sicheres Konto eingerichtet. Und einmal im Jahr wird auf den Cent genau vorgerechnet, wofür das Geld verwendet wurde.

Spenden benötigt Peter Jessen immer noch, obwohl er die großen Projekte inzwischen eingestellt hat – Schulen und Krankenstationen baut er nicht mehr. „Ich bin 85 Jahre alt, mein Kurzzeitgedächtnis lässt nach und mein langjähriger Fahrer ist schwer erkrankt, so dass ich nicht mehr so mobil bin“, erklärt Peter Jessen. „Deshalb werde ich nicht mehr bauen, sondern mich mit meinen Mitarbeitern auf die Werkstatt-Arbeit beschränken. Auch da gibt es noch genug zu tun.“

Sein Haus am Indischen Ozean hat Peter Jessen inzwischen verkauft. Er besitzt aber lebenslanges Wohnrecht und will so lange wie möglich in Tansania bleiben und dort helfen. Wenn er einmal selbst Hilfe benötigt, will er in die Heimart zurückkehren.

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