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Linus Hensen (11) : Aus Jübek zur Kart-WM nach Portugal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der elfjährige Linus Hensen ist Deutscher Meister mit dem Rennkart und tritt nun im Weltfinale an. Der Sport hat ihn verändert.

von
erstellt am 21.Okt.2017 | 11:57 Uhr

Für einen, der gerade einen Deutschen Meistertitel im Motorsport gewonnen hat, ist Linus Hensen erstaunlich zurückhaltend. Keine Jubelposen, keine großen Sprüche – und im Wohnzimmer stehen auch keine glitzernden Pokale. In seiner Freizeit ist er auch mit einem PS-starken Boliden unterwegs. Das liegt daran, dass Linus erst elf Jahre alt ist und mit seinen Eltern und seiner zwei Jahre älteren Schwestern auf einem etwas abgelegenen Bauernhof in Jübek lebt.

Den Titel gewann Linus am vergangenen Wochenende mit seinem Rennkart in Kerpen in den letzten drei Rennen der Saison. Er fuhr in der Heimat von Formel-1-Legende Michael Schumacher zweimal als erster über die Ziellinie, belegte einen zweiten Platz und sicherte sich damit nach fünf Renn-Wochenenden den Titel in der Altersklasse Mini. Damit verbunden damit ist die Qualifikation für das Weltfinale, das vom 4. bis 11. November in Portugal stattfindet. Dort kann sich der Junge aus Jübek mit den 31 besten Fahrern aus der ganzen Welt messen.

Begonnen hatte alles vor mehr als zwei Jahren. „Wir hatten Linus irgendwie vergessen“, gibt Vater Dirk Hensen zu. Mutter Yvonne Hensen und die ältere Schwester Kim Lica widmeten sich intensiv der Pferdezucht und dem Reitsport, der Vater hatte schwere Zeiten auf dem Hof durchzustehen – und Linus beschäftigte sich fast ausschließlich seiner Playstation und seinem Handy. Das blieb nicht ohne Folgen. Linus wurde übergewichtig und bekam Probleme in der Schule.

„Uns war klar, dass wir uns kümmern mussten“, sagt Dirk Hensen. Nach einem Besuch der Kartbahn in Schleswig stand dann auch fest, womit sich Linus beschäftigen wollte – er wollte Rennen fahren. Der Vater kaufte ein gebrauchtes Fahrzeug, mit dem Linus einen Sommer lang seine Runden in Schleswig drehte.

Doch das war ihm nicht genug. Er wollte nicht mehr nur Runden drehen, sondern sich messen. Die Familie beschloss, ihm den Wunsch zu erfüllen. Es wurde ein echtes Rennkart mit 14 PS angeschafft und Linus schloss sich der „Kartschmie.de“ in Sörup an. Dort bietet der ehemalige Fahrer Frank Hansen einen umfassenden Service an – über das Tuning der Motoren bis hin zur Betreuung während der Rennwochenende. Und noch mehr, wie Dirk Hensen berichtet. „Es geht dort nicht nur um Leistung, die Jungs zeigen dort auch ihre Zeugnisse vor, müssen an ihren Karts schrauben und auch putzen.“ Linus ist seitdem spürbar aufgeblüht. Er hat abgenommen, die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verbessert. „Sonst wäre ich für die Rennwochenenden sicher auch nicht freigestellt worden“, sagt er. Er hat nun Ziele.

Die sportlichen hat er auch Dank der Tipps von Kevin Kemmling erreicht. Der 22-jährige Schleswiger fährt selbst erfolgreich Kart und gibt seine Erfahrungen nun an Linus weiter.

Als überehrgeizigen Vater, der seine eigenen unerfüllten Wünsche auf seinen Sohn projeziert, sieht sich Dirk Hensen nicht. „Ich habe Situationen erlebt, in denen Jungs weinend aus dem Kart gestiegen sind, weil sie nicht gewonnen hatten und die Reaktion des Vaters fürchteten“, sagt er. „Bei ist eher ein Vater-Sohn-Ding“, sagt er, „etwas, was die Familie wieder zusammengebracht hat.“

Während der Rennen ist er immer selbst dabei. Und wenn er auf dem Hof zu viel zu tun hatte, ist er auch schon einen Tag später hinterhergeflogen. Das funktioniert, weil Opa und Kfz-Spezialist Helmut Jessen immer mit von der Partie ist.

Solche Ausflüge zu den Austragungsorten in Bayern oder Belgien kosten natürlich Geld. Wie viel, möchte er Dirk Hensen nicht sagen. Aber andeuten: Ein Rennwochenende kostet so viel wie ein Familien-Jahresurlaub. Und zwischen den Rennen geht es an jedem Wochenende nach Dänemark zum Training.

Das Weltfinale in Portugal will die Familie gemeinsam genießen. Selbst Linus hat sich für diese Rennen kein Ziel gesetzt. Die Konkurrenz aus Argentinien, Südafrika, den USA, Australien und vielen anderen Ländern kennt er nicht. Sein Motto: „Vielleicht kann ich ja vorne mitfahren.“

Dirk Hensen ist stolz auf seinen Sohn. „Aber nicht weil er gewinnt oder Titel holt, sondern weil er sich so toll entwickelt hat.“ Seine weiteren Ziele: Dass die Familie weiter zusammenhält und eine schöne Zeit hat.“ Linus formuliert sein Ziel wesentlich knapper: „Ich will in die Formel 1.“

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