Biogasanlage in Schuby : Aus Gärresten wird Wasser

Wiktoria Vith (v.l), Maja Bugdoll und Ulf Eckstein freuen sich über den reibungslosen Betrieb der Wasseraufbereitung.
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Wiktoria Vith (v.l), Maja Bugdoll und Ulf Eckstein freuen sich über den reibungslosen Betrieb der Wasseraufbereitung.

Die Hochschule Flensburg und der Anlagenbauer Niersberger haben eine biologische Kläranlage entwickelt.

shz.de von
19. Februar 2018, 12:00 Uhr

Ulf Eckstein und Wiktoria Vith sind sichtbar zufrieden: Die größte Biogasanlage im Norden in Schuby läuft inzwischen unter Voll-Last. Ende 2016 hatte die Anlage den Betrieb aufgenommen, zunächst gedrosselt, da sich die neu installierte Gärrestaufbereitung zu diesem Zeitpunkt noch in der Testphase befand (wir berichteten).

Doch diese ist bereits seit einigen Monaten beendet. 100 000 Tonnen Rüben können jetzt im Jahr zu Biogas verarbeitet werden, das in das Erdgasnetz eingespeist wird. „Die biologische Kläranlage läuft besser als wir jemals erwartet haben“, sagt Wiktoria Vith. Die Professorin der Hochschule Flensburg hat die wissenschaftliche Betreuung des Projektes übernommen. Zusammen mit der Hochschule hat das Erlanger Unternehmen Niersberger die biologische Kläranlage entwickelt und gebaut. Sie schafft es, die Reste des Gärprozesses so abzubauen, dass am Ende einleitfähiges Wasser und feste Rückstände von Düngermittelqualität zurückbleiben. Eine Innovation: „Unseres Wissens nach ist diese Anlage bundesweit einmalig“, erklärt Ulf Eckstein, Technischer Leiter und Prokurist bei Niersberger.

Unzählige Bakterien reinigen das Wasser, das per Zentrifuge aus den Gärresten gewonnen wird. Der feste und der flüssige Teil werden so voneinander getrennt, dass am Ende eine kleine Menge Feststoff zurückbleibt. Der Großteil ist jedoch flüssig. „Übrig bleibt klares Wasser, das wir einleiten“, erklärt Wiktoria Vith. Sechs Tage dauert so ein Durchlauf durch die betriebseigene Kläranlage, die täglich 200 Tonnen Gärrest abbaut. Die Qualität des Wassers wird täglich von Mitarbeitern überprüft, einmal im Monat erfolgt eine Messung von offizieller Seite. „Wir unterschreiten die Grenzwerte bei Weitem“, versichert Eckstein. Wäre dies einmal nicht der Fall, würde die Anlage sofort abgeschaltet.

„Das ist eine großartige Innovation“, sagt Ulf Eckstein und erklärt, wo der Unterschied zu einer klassischen Biogasanlage besteht: „Normalerweise wird der Gärrest gelagert und schließlich auf die Felder ausgebracht.“ Bei dieser Methode gebe es einige Schwierigkeiten. „Zum einen braucht man Lagerplatz und zum anderen die Kapazitäten, damit der Stoff ausgebracht werden kann“, sagt Eckstein. Gerade in der Winterzeit komme eine Lagerzeit von neun Monaten auf die Biogasanlagen-Inhaber zu. „Bei der Menge, die wir hier täglich produzieren, wäre das nicht möglich gewesen.“ Zusätzlich hätte der Abtransport des Stoffes zu einem Mehr an Lkw-Verkehr geführt: „Sechs bis sieben Fahrten am Tag wären zum Abtransport nötig gewesen.“ Um die Umwelt zu schonen und es sich nicht mit den Schubyer Nachbarn zu verscherzen, hat die Firma Niersberger auf die Entwicklung der biologischen Kläranlage gesetzt.

„Uns war von Anfang an klar, dass es nur so klappen kann“, sagt Ulf Eckstein. Dass bei der Entwicklung der Anlage die Hochschule mit Wiktoria Vith ins Boot geholt wurde, sei nur konsequent gewesen. „Wir kannten uns schon vorher, und sie hat das Wissen auf dem Gebiet.“

Nicht nur die Betreiber der Schubyer Anlage profitieren von der Kooperation, sondern auch die Flensburger Hochschule. Die Anlage wird regelmäßig von Studenten besucht. In Praktika helfen sie bei der Überwachung der Anlage. Maja Bugdoll hat sogar ihre Masterarbeit zu diesem Thema geschrieben. Ab 1. März übernimmt sie die stellvertretende Leitung der Anlage. „Es ist schön, dass Studenten hier ihre theoretischen Kenntnisse anwenden können“, findet die 33-Jährige. Die Arbeit sei sehr vielfältig und spannend.

Die Entwicklung der biologischen Kläranlage sei inzwischen zwar abgeschlossen, das Thema des umweltfreundlichen Abbaus der Gärreste jedoch nicht. „Wir möchten diesen Gedanken in die Welt tragen“, kündigt Wiktoria Vith an. In Zukunft soll das Modell so weiterentwickelt werden, dass es auch für andere Biogasanlagen in Frage kommt.

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