Gottorf : Aus für die Schlossfestspiele

Vor der Kulisse von Schloss Gottorf: Uwe Kramer als Schuihmacher Wilhelm Voigt in der Uniform des „Hauptmann von Köpenick“.
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Vor der Kulisse von Schloss Gottorf: Uwe Kramer als Schuihmacher Wilhelm Voigt in der Uniform des „Hauptmann von Köpenick“.

Das Landestheater kündigt Vertrag mit Schloss Gottorf: Der „Hauptmann von Köpenick“ wird ab dem nächsten Donnerstag zum letzten Mal gezeigt.

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11. Juni 2014, 07:45 Uhr

Die Nachricht kam gestern ganz lapidar in der alljährlichen E-Mail mit den genauen Terminen für die Schlossfestspiele im Gottorfer Innenhof: „Der Hauptmann von Köpenick (zum letzten Mal!)“ stand in der Überschrift. Anruf bei Landestheater-Sprecherin Angela Möller: Bedeutet das, dass ab dem nächsten Jahr ein anderes Stück gespielt wird? Die Antwort: „Nein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.“ Die Zusammenarbeit mit Schloss Gottorf sei wegen der ungewissen Zukunft des Theaters aufgelöst worden. Nähere Auskünfte könne Generalintendant Peter Grisebach geben.

Der war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Frank Zarp, Sprecher der Landesmuseen auf Schloss Gottorf, bestätigte aber: „Herr Grisebach hat uns um die Auflösung des Kooperationsvertrags gebeten.“ Das bedaure man sehr, habe dafür aber größtes Verständnis. Die Situation für das Landestheater sei in Schleswig sehr schwierig. Grisebach hatte in den vergangenen Jahren immer wieder erklärt, dass er für sein Haus Insolvenz anmelden müsse, wenn es in Schleswig nicht bis 2017 eine neue Spielstätte gebe oder sich in einer anderen Stadt ein Ersatz für Schleswig als Produktions- und Hauptspielort finde. Länger könne er die Einnahmeausfälle nicht überbrücken, die entstanden sind, seit das Stadttheater im Lollfuß 2011 wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde.

Die Schlossfestspiele werden in diesem Jahr 50 Jahre alt. Erstmals brachte Heinz Rippert, der damalige Intendant des Nordmark-Landestheaters, 1964 den „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal auf die Gottorfer Schlossbühne. Zwischenzeitlich erlebte das Freiluft-Sommertheater immer wieder mehrjährige Pausen. In den neunziger Jahren zeigte das Landestheater erneut den „Jedermann“. Das Drama um Tod und Vergänglichkeit war über Jahre regelmäßig ausverkauft. Später waren Stücke wie „Cyrano de Bergerac“, „Der Diener zweier Herren“ oder „Romeo und Julia“ zu sehen. Carl Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ hatte im vergangenen Jahr Premiere.

Noch zwölf Mal werden die Schauspieler des Landestheaters jetzt unter freiem Himmel auf der Schlossinsel spielen, erstmals wieder am nächsten Donnerstag, 19. Juni. Die Vorstellung am Sonntag, 6. Juli, wird die letzte sein.

In der Inszenierung von Ingo Putz übernimmt diesmal Uwe Kramer die Hauptrolle des arbeitslosen Schuhmachers Wilhelm Voigt, der sich eine Hauptmannsuniform besorgt und die Obrigkeitsgläubigkeit seiner Zeitgenossen vorführt. Vor der Kulisse des Schlosses, das ja einst tatsächlich als preußische Kaserne diente, wird noch einmal ein Spektakel mit Märschen, Militärkapellen und viel Satire zu sehen sein.

Die Museums-Mitarbeiter werden es mit Wehmut verfolgen. „Die Schlossfestspiele waren für uns immer eine sehr große Bereicherung“, sagt Frank Zarp. „Es war jedes Mal faszinierend zu verfolgen, mit welcher Akribie die Theater-Mitarbeiter den Innenhof für ihre Aufführungen vorbereiteten.“

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