Friedrichsberg : Aus für das Baby-Fachgeschäft

Ralf Paukstadt vor seinem Laden in der Friedrichstraße.
Ralf Paukstadt vor seinem Laden in der Friedrichstraße.

Zu wenig Laufkundschaft, zu große Konkurrenz im Internet: „Flic-Flac“ in der Friedrichstraße schließt spätestens im August.

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04. Juli 2018, 07:29 Uhr

Manchmal tut die Wahrheit richtig weh. Diese Erfahrung musste auch Ralf Paukstadt machen, als er neulich bei seinem Steuerberater war und mit ihm die Bilanzen seines Ladens durchging. Ergebnis: „Ich muss ehrlich zu mir selbst sein. Es lohnt sich einfach nicht“, sagt er und zieht deshalb die Konsequenzen. Zum Monatsende, spätestens aber Ende August wird er sein Baby-Fachgeschäft „Flic-Flac“ in der Friedrichstraße schließen.

Dafür, dass er diesen Schritt gehen muss, gibt es gleich mehrere Gründe. Ein wichtiges Argument dabei ist aber der Standort. Vor gut zweieinhalb Jahren ist er mit seinem Laden von der Ecke Schubystraße / Friedrich-Ebert-Straße in den Friedrichsberg umgezogen und hat dort die Räume des ehemaligen Modegeschäftes „Postel & Diercks“ übernommen. „Das Haus, in dem wir vorher viele Jahre waren, wurde leider zwangsversteigert. Dann sind wir hierher gekommen und dachten erst, dass es ein Glücksfall ist“, sagt Paukstadt. Diese Hoffnung aber hat sich nicht bewahrheitet. „Wir haben hier deutlich weniger Laufkundschaft. Früher waren wir an einer Kreuzung von zwei Hauptstraßen. Jetzt sind wir in einer Einbahnstraße. Das haben wir im Umsatz gemerkt. Der war 30 Prozent niedriger als in der Schubystraße“, sagt er. Gerade Autofahrer, die von Süden her kämen, würden die Friedrichstraße meiden und sie entweder über den Parkplatz des Einkaufszentrums oder die Bahnhofstraße umfahren. „Das ist schlecht geregelt worden. Man hätte eine andere Lösung finden müssen, um die Friedrichstraße nicht so abzuschneiden“, meint der 48-Jährige. Stattdessen aber mit seinem Geschäft in die Innenstadt umzuziehen, sei auch keine Option. Da seien die Mieten einfach viel zu hoch.

Als weiteren Grund für das Aus für seinen Laden nennt er die Konkurrenz im Internet. Sowohl Amazon als auch Ebay, über das immer mehr gebrauchte Baby- und Kleinkinderartikel verkauft werden, machten ihm zu schaffen. „Dass die jungen Familien dort einkaufen, kann ich ihnen ja nicht mal übel nehmen. Die müssen ja auch meistens sehen, wie sie über die Runden kommen.“ Was ihn aber ärgere, sei, dass er beim Einkauf etwa von Kindersitzen teilweise höhere Preise an die Hersteller zahlen musste, als diese frei im Internet kosten. „Da fällt einem als Händler dann auch nichts mehr ein.“ Zurzeit läuft nun also der Räumungsverkauf in Paukstadts Laden. Dabei helfen ihm, wie bereits zuvor, sowohl die eigenen als auch die Stiefeltern. „Ohne sie hätte ich es gar nicht so lange geschafft. Sie können jetzt endlich ihren Ruhestand genießen.“

Wenn das Geschäft dann spätestens Ende August geschlossen sein wird, kümmert er sich um die Rückgabe der Kommissionsware. Denn in seinem Laden hat er stets auch für Privatpersonen Second-Hand-Produkte verkauft. Bis zuletzt nutzen rund 600 Kunden dieses Angebot. All das, was am Ende übrig sein wird, wird Paukstadt noch bis Ende des Jahres in einem kleinen Geschäft in der Schubystraße 92 horten. „Was da nicht abgeholt wird, werde ich wohl spenden.“ Und er selbst? „Ich bin eigentlich Erzieher. Als ich meinen Laden eröffnete, wollte ich eigentlich nur eine kurze Pause davon machen. Daraus sind 14 Jahre geworden. Aber jetzt gehe ich gerne zurück in meinen Beruf.“

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