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Schleswiger Nachrichten

23. August 2017 | 21:40 Uhr

Schleswig : Aus drei mach eins

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Dom wurde gestern die Fusion der evangelischen Kirchengemeinden Schleswigs mit einem Gründungsgottesdienst gefeiert.

Zu besonderen Ereignissen wird gerne das Wetter als Sinnbild bemüht. Auch gestern waren die äußeren Bedingungen dafür geradezu prädestiniert. Denn als sich die rund 450 Besucher gegen 10 Uhr in den St.-Petri-Dom aufmachten, um dort am feierlichen Fusionsgottesdienst der drei evangelischen Kirchengemeinden Schleswigs teilzunehmen, zeigte sich das mächtige Gotteshaus noch in dicken Nebel gehüllt. Zweieinhalb Stunden später, als sämtliche Zeremonien beendet und alle Grußworte gesprochen waren, hatte sich der Himmel jedoch aufgeklart und die Sonne schien.

Ähnlich strahlten dann endlich auch viele Gesichter der Besucher, von denen nicht wenige mit gemischten Gefühlen in den Dom gekommen waren. Schließlich hatte es im Vorfeld teils heftige Diskussionen über die Fusionspläne gegeben. Insbesondere aus Reihen der Domgemeinde kam Kritik auf, viele aktive Mitglieder befürchteten einen Identitäts- und Traditionsverlust. Die Feier gestern, die an den Erntedankgottesdienst gekoppelt war, stand nun aber ganz im Zeichen der Versöhnung – und sollte, so war immer wieder zu hören, der Startpunkt sein für eine gemeinsame und fruchtbare Zukunft.

Passend dazu gestalteten alle Pastoren der drei bisherigen Gemeinden (St.-Michaelis, Friedrichsberg und Domgemeinde) die Feier im Team. Die Predigt sprach Bischof Gothart Magaard. Er ging dabei zunächst – mit Blick auf das Erntedankfest – auf die aktuelle Flüchtlingskrise ein. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es als Gesellschaft miteinander schaffen können, diese Herausforderungen zu bewältigen“, sagte er. Gleiches gelte für die Begleiterscheinungen rund um die Fusion der drei Kirchengemeinden. Er wisse, dass viele Menschen in Schleswig viel Zeit und Energie darin investiert hätten. „Sie haben auch Auseinandersetzungen nicht gescheut und gestritten um den rechten Weg. Schließlich aber haben die Kirchengemeinderäte nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.“ Deshalb, so Magaard, gelte es nun, weiter zusammenzuwachsen, die Kräfte zu bündeln und gleichzeitig die Vielfalt des kirchlichen Lebens in den Stadtteilen zu stärken.

Auch Pröpstin Johanna Lenz-Aude, die die Gründungsurkunde verlas, blickte hoffnungsvoll in die Zukunft: „Heute beginnt hier etwas Neues, was sich entwickeln muss und wird.“ Bürgermeister Arthur Christiansen, der im Namen der Stadt ein Grußwort sprach, ermutigte die Gemeindemitglieder die Fusion gleichzeitig als Herausforderung und Chance zu sehen. „Es ist ein gutes Zeichen, dass Sie zwar auch miteinander gestritten, am Ende aber einen gemeinsamen Weg gefunden haben.“ Dass dieser nun zu einem feierlichen Abschluss gekommen sei, freute dann auch Dompastor Joachim Thieme-Hachmann ganz besonders. Er hatte sich in den vergangenen Monaten – auch gegen laute Widerstände – gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Dübbers für die Fusion stark gemacht. „Ich verstehe, dass dies für einige Mitglieder ein schwieriger Schritt ist. Aber ich habe das Gefühl, dass auch sie uns weiter zugewandt sind und wir die Zukunft gemeinsam gestalten können“, meinte Thieme-Hachmann.

Tatsächlich blieben einige der Kritiker dem Gottesdienst gestern ganz bewusst fern. Dazu gehörten auch Reinhild und Reimer Pohl. Das Ehepaar gehört der „AG Zukunft Domgemeinde Schleswig“ an, in der sich zahlreiche Fusionsgegner zusammengetan hatten. „Es gibt weiterhin viele Gemeindemitglieder, die mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind“, betonte Reimer Pohl auf SN-Nachfrage. Der Kirchenvorstand habe sich gegen den Willen der Mehrheit der Mitglieder für die Fusion entschieden. „Zudem bin ich auch persönlich tieftraurig darüber, dass mit der Domgemeinde meine kirchliche Heimat verschwunden ist.“

Pastor Michael Dübbers hofft hingegen, dass sich auch „diejenigen, die andere Ideen hatten“, weiterhin aktiv in die Arbeit der neuen evangelischen Kirchengemeinde Schleswig einbringen. „Deshalb laden wir sie ein, Anfang nächsten Jahres an einer Zukunftswerkstatt teilzunehmen. Damit wir gemeinsam ein solides Fundament aufbauen.“

 

 

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erstellt am 05.Okt.2015 | 07:07 Uhr

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