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Schleswiger Nachrichten

17. Dezember 2017 | 11:13 Uhr

Idstedt : Aufstand gegen den Wehrführer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Scharfe Kritik am Führungsstil von Volker Vahlendick: Feuerwehrkameraden wählen vorzeitig neuen Chef.

von
erstellt am 07.Nov.2015 | 07:32 Uhr

Unmut über Gemeindewehrführer Volker Vahlendick machte sich in der Idstedter Feuerwehr schon seit Jahren breit. Jetzt drohte der Konflikt die Wehr sogar zu zerreißen. Gleich zehn Aktive – und damit rund jeder dritte – hatten Bürgermeister Edgar Petersen schriftlich mitgeteilt, aus der Truppe auszutreten, sollte Vahlendick länger im Amt bleiben. Begründung: der autoritäre und rabiate Führungsstil des Hauptmanns, der Widerspruch oder andere Meinungen nicht zulasse. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde inzwischen der bisherige Stellvertreter Helge Petersen mit großer Mehrheit zum neuen Wehrführer gewählt.

„Ich musste etwas unternehmen, sonst hätte uns eine Zwangsfeuerwehr gedroht. Und das wollten wir unbedingt vermeiden“, sagt Bürgermeister Edgar Petersen. Da er sich selbst für befangen erklärte – sein Sohn Helge ist der neue Wehrführer – habe er den Amtsdirektor sowie den Amtswehrführer eingeschaltet. Und die setzten sich mit allen Betroffenen an einen Tisch und handelten einen Kompromiss aus. Und der sieht so aus: Ein neuer Wehrführer wird zwar gewählt, aber Vahlendick bleibt noch bis zum Ablauf seiner Wahlperiode am 10. März 2016 formal im Amt. Der Noch-Feuerwehrchef ist aber gehalten, seinen Nachfolger einzuarbeiten und in alle wichtigen Entscheidungen – auch personeller Art – mit einzubinden. Dem Vernehmen nach stimmte Vahlendick nur zähneknirschend zu.

Das Procedere sei schon „etwas ungewöhnlich“, räumt Amtswehrführer Klaus Uck ein. Zugleich zeigt er sich überzeugt, dass ein „vernünftiger Kompromiss“ herbeigeführt worden sei, um die Idstedter Wehr wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu führen. Auf der einen Seite habe man einen massiven Mitgliederschwund nicht riskieren dürfen. Andererseits habe man Vahlendick die Brücke für einen würdigen Abschied gebaut. „Man darf nicht vergessen, dass er 40 Jahre aktiv für die Feuerwehr tätig ist“, betont Uck.

Auf die Frage, ob er sich bei seinem Führungsstil etwas vorzuwerfen habe, meinte Vahlendick auf SN-Nachfrage: „Nö, absolut nichts. Unterschiedliche Meinungen gibt es überall.“ Der 65-Jährige, der seit zwölf Jahren an der Spitze der Wehr steht, hat seine eigene Theorie, wieso so viel Unmut unter den Kameraden herrscht: „Man hat mit Gewalt etwas gesucht. Es sind zwei, drei dabei, die die anderen dabei mitziehen.“ Für ihn sei es nicht in Frage gekommen, vorzeitig abzutreten, betont Vahlendick. „Meine Zeit endet am 10. März 2016. Bis dahin bin ich gewählt und als Ehrenbeamter ernannt.“ Dass es nun bei der Leitung der Wehr zu Problemen kommen könnte, glaube er nicht. „Bis dahin findet ja sowieso nicht mehr viel statt. Im Dezember und Januar haben wir zum Beispiel keinen Dienstbetrieb.“ Über seinen Nachfolger äußert sich Vahlendick derweil kritisch: „Es gibt welche, die gerne Wehrführer sein wollen, es aber gar nicht können.“

Eigentlich hätte Vahlendick mit dem Ende seiner zweiten Amtszeit zumindest noch für kurze Zeit wiedergewählt werden können. Nach dem reformierten Brandschutzgesetz des Landes können Gemeindewehrführer bis zum Ablauf des 67. Lebensjahres im Amt bleiben. Denn: „Wir können es uns eigentlich nicht leisten, auf erfahrene Führungskräfte zu verzichten“, betont Amtswehrführer Uck.

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