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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 12:26 Uhr

TSV Schleswig : Aufstand der Seniorensportler

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf einer Mitgliederversammlung mit Rekordbeteiligung wählt der TSV Schleswig Momme Nissen zum neuen Vorsitzenden.

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Die 150 Stühle in der Aula der Landwirtschaftskammer in der Bellmannstraße waren schon 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung besetzt. Wer danach erschien, musste die außerordentliche Mitgliederversammlung des TSV Schleswig im Stehen verfolgen oder sich einen Platz auf der Fensterbank suchen. Nur vorne am Vorstandstisch war noch viel Platz. Geschäftsführerin Cornelia Claussen saß dort ganz allein. Wie berichtet, hatte der komplette ehrenamtliche Vorstand seinen Rücktritt erklärt. Der bisherige Vorsitzende Aksel Busse und sein Stellvertreter Carsten Wehr gehörten zu denjenigen, die das Geschehen ganz hinten im Stehen verfolgten.

In der ersten Reihe saß ein Mann, der vor Jahrzehnten zur Lokalprominenz gehörte, der für die FDP in der Ratsversammlung saß, als seine Partei in Bonn noch Helmut Schmidts SPD regierte: Momme Nissen, inzwischen 72 Jahre alt und nach wie vor drahtig und kämpferisch mit blondem Haar und gestutztem Vollbart. Er hatte den Aufstand der Seniorensportler angeführt, der zu dieser Mitgliederversammlung führte. Jetzt wollte er der neue Vorsitzende werden.

Bis zur Wahl aber dauerte es eine runde halbe Stunde. TSV-Urgestein Hartmut Petersen übernahm die Versammlungsleitung – und war vor allem um Harmonie bemüht. Am liebsten wäre es ihm gewesen, es hätte überhaupt keine Diskussion darüber gegeben, wie der Verein in die aktuelle Krise geraten konnte. „Es hat früher schon einige Schlammschlachten gegeben, das hat dem Ansehen des TSV nicht gut getan“, sagte er. So wurde auch an diesem Abend nicht restlos geklärt, was genau eigentlich vorgefallen war zwischen dem zurückgetretenen ehrenamtlichen Vorstand und der hauptamtlichen sportlichen Leiterin Carola Harder. Am Rande der Versammlung war zu erfahren, dass es um Bezahlung und Fortbildung der Übungsleiter ging – unter anderem.

Jedenfalls endete der Streit damit, dass Carola Harder kündigte und dass viele Teilnehmer ihrer Seniorensport-Gruppen diese Kündigung nicht hinnehmen wollten und deshalb Unterschriften sammelten für die Abwahl des bisherigen Vorstands. Auf der Versammlung präsentierten Momme Nissen und seine Mitstreiter eine komplette neue Vorstandsriege – die ausschließlich aus Teilnehmern von Harders Kursen bestand. Von manchen Vertretern der übrigen Sparten des 2000 Mitglieder starken Vereins war zwar ein leises Grummeln zu vernehmen, aber niemand hatte alternative Vorschläge. Einzig Mark Tonn, der Triathlon-Spartenleiter, meldete sich zu Wort und wollte von einer der Senioren-Kandidatinnen wissen, ob sie zuvor schon einmal an einer Mitgliederversammlung teilgenommen habe. Gefragt, ob er selbst als Kassenwart zur Verfügung stehen würde, lehnte Tonn ab und verwies auf seine berufliche Belastung.

So gelang der Seniorenriege der Durchmarsch in den Vorstand. Momme Nissens Stellvertreterinnen sind Brigitte Glückstein und Dagmar Landrock, Kassenwartin ist Karin Hupe, Schriftführerin Petra Barge. In offener Abstimmung wurden sie alle bei jeweils rund einem halben Dutzend Gegenstimmen und bis zu 30 Enthaltungen gewählt. Schon in der kommenden Woche wollen sie sich mit Carola Harder zusammensetzen, um mit ihr über die Rücknahme ihrer Kündigung zu verhandeln.

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