Tierschützer sorgen sich um Vogelbrut : Aufregung um Baumfäll-Arbeiten

Wo zuvor ein kleiner Waldweg war, wurde nun eine breite Schneise geschlagen und Schotter aufgefüllt. Von hier aus startet der Harvester zu den Fällarbeiten. Zudem holen Lkw hier das geschlagene Holz ab.
Wo zuvor ein kleiner Waldweg war, wurde nun eine breite Schneise geschlagen und Schotter aufgefüllt. Von hier aus startet der Harvester zu den Fällarbeiten. Zudem holen Lkw hier das geschlagene Holz ab.

In den Wald am Königswiller Weg werden zurzeit große Schneisen geschlagen.

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29. Mai 2018, 07:00 Uhr

Gerlint Rode ist stinksauer. „Seit über 20 Jahren“, sagt sie, „füttere ich Vögel und kümmere mich um sie. Und die machen jetzt sowas!“ Die, damit meint sie Förster Claas Löhr-Dreier und die Mitarbeiter eines Unternehmens aus Nordfriesland, das dieser beauftragt hat. Um große Mengen Holz aus dem Wald nördlich des Königswiller Weges zu entnehmen. Eigentlich ein normaler Vorgang, wie auch Gerlint Rode weiß. Aber der Zeitpunkt der Arbeiten stößt ihr sauer auf. „Jetzt, mitten in der Brutsaison? Das kann doch nicht sein. Und dann gehen die da mit schwerem Gerät rein. Das ist eine Katastrophe“, schimpft sie.

Förster Löhr-Dreier weiß um die Kritik an den Baumfällarbeiten. Er betreut den Wald, der Teil der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten ist, aber – im Gegensatz zum Tiergarten – kein geschütztes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) ist. Deshalb betont er, „dass wir hier nun einmal die Bestände pflegen müssen“. Da der vergangene Winter extrem nass gewesen ist, sei es nicht möglich gewesen, die Arbeiten zu erledigen. „Das hätte der Boden nicht mitgemacht. Hier geht es um Abwägungsprozesse.“ Nun sei dieser trocken genug, um mit besagtem schwerem Gerät – einem Harvester (auf deutsch Holzvollernter) – zu arbeiten. Seit etwa einer Woche schlägt dieser im Abstand von 40 Metern sogenannte Rückegassen in den Wald. Über diese soll geschlagenes Holz zu einem Sammelplatz am Königswiller Weg transportiert werden. Dort wurde der Waldboden mit Schotter aufgefüllt, damit auch große Lkw problemlos halten und beladen werden können.

„Wir durften hier jahrzehntelang nicht reinreiten, und jetzt wird hier eine riesige Schneise neben der anderen reingeschlagen. Das lässt Böses ahnen“, kommentiert Gerlint Rode, die das nahe gelegene Reitsportcentrum an der Husumer Straße betreibt, die bereits erfolgten Maßnahmen. „Dass das nicht schön aussieht, weiß ich auch“, sagt der Förster zu den Vorwürfen. „Aber wir bewegen uns hier im Rahmen des Landeswaldgesetzes. Es handelt sich hier um Pflegemaßnahmen“, betont er. Insbesondere Eschen, die von einem Pilz befallen sind, sollen gefällt werden, aber auch noch andere Bäume. „Das ist ein relativ junger Baumbestand. Ich bin mir sicher, dass man im nächsten Jahr kaum noch sehen wird, dass wir da jetzt drin sind“, sagt Löhr-Dreier. Große Probleme für die Vogelwelt sieht er dabei nicht. Viele Arten seien bereits mit der ersten Brut durch. „Außerdem habe ich dort, wo wir bereits Bäume gefällt haben, bislang keine Nester auf dem Boden gesehen. Und ich bin täglich vor Ort.“

Gerd Kämmer ist in diesem Punkt weit weniger entspannt. Im Gegenteil: „Ich finde das ganz und gar nicht gut, was da gerade passiert“, sagt der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte des Kreises, der als Nachbar unmittelbar betroffen ist von den Fällarbeiten. Denn gleichzeitig ist Kämmer Vorsitzender des Vereins Bunde Wischen, dessen Hof nur einen Steinwurf von den neu geschlagenen Schneisen entfernt liegt. „Auch wenn das gesetzlich erlaubt ist, finde ich es sehr unsensibel, wie die Landesforsten hier vorgehen. Man hätte doch auch noch fünf Wochen warten können. Dann sind die Küken flügge“, sagt er. Jetzt aber würden viele Jungvögel noch im Nest sitzen – und damit in der Falle, sobald der Harvester kommt. Er habe ein wachsames Auge auf die Arbeiten, betont Kämmer. „Sobald wir dort, wo Bäume gefällt wurden, ein heruntergefallenes Nest und tote Vögel finden, ist hier Schluss. Artenschutz geht vor“, sagt er und beruft sich dabei auf eine Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Förster Löhr-Dreier indes betont, dass man ja nicht den ganzen Wald, sondern nur Teile davon entferne. „Das Biotop bleibt bestehen“, sagt er. Und wenn das Wetter weiter so gut mitspielt, dann sei man in gut eineinhalb Wochen mit den Arbeiten durch.

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