zur Navigation springen

Orkanschäden : Aufräumen im Kropper Diakoniewald

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit einer Baum-Erntemaschine werden in Kropp die Schäden beseitigt, die die Orkane Xaver und Christian angerichtet haben. Der „Harvester“ verarbeitet einen Baumstamm pro Minute.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 17:30 Uhr

Wie ein Dinosaurier steht er im Kropper Diakoniewald und frisst massenweise Baumstämme: „Harvester“, zu Deutsch „Erntemaschine“ – heißt dieses voll mechanisierte Ungetüm. Die 21 Tonnen schwere Holzerntemaschine verarbeitet ungefähr einen Baumstamm pro Minute. Auf 30 Hektar Waldfläche von insgesamt 50 Hektar Diakonie-Gelände ist der „Harvester“ seit drei Wochen im Einsatz, um die Schäden, die die Sturmtiefs „Christian“ und „Xaver“ angerichtet haben, zu beseitigen.

„In ganz Schleswig-Holstein gibt es ungefähr 15 Firmen, die solche Fahrzeuge vermieten. Aber die sind im Moment alle ausgebucht, deshalb haben wir dieses Gerät aus Niedersachsen geholt“, erklärt Rolf-Martin Niemöller. Er ist bei der Forstbetriebsgemeinschaft mittlerer Ochsenweg beschäftigt – Jürgen Schröder, Technischer Leiter des Diakoniewerks, hat den Fachmann als Berater zur Hilfe geholt.

„Sturm Christian kam zu früh, viele Laubbäume hatten noch Blätter, deshalb sind sie umgefallen. Ohne Blätter hätten die Stämme viel mehr ausbalancieren können“, sagt Niemöller. Insgesamt 1500 Kubikmeter Sturmholzschäden habe „Christian“ im Wald der Diakonie hinterlassen. Inzwischen ist der Wald mit dem alten Baumbestand wieder für Bewohner des Diakoniewerks, Besucher, Wanderer und Jogger freigegeben.

Sven Haar und Norbert Neumann, beide aus Rotenburg an der Wümme, haben den komplizierten „Harvester“ und sein Begleitfahrzeug, einen so genannten Rückezug, im Griff. „Ungefähr zwei Jahre braucht man, um die Maschine voll zu beherrschen, denn jeder Baum ist anders und für jede Baumart gibt es im Cockpit einen eigenen Knopf“, erklärt Haar. Dies sei sensible Technik, die viel Präzision erfordere.

Die 160 PS starke Maschine kann die Bäume in einem Arbeitsgang packen, absägen, entasten und auf die gewünschte Länge schneiden. „Eine nagelneue Maschine kostet um 340 000 Euro“, erzählt Neumann. Allein das Aggregat am Ende der Maschine, das wie eine große Greifzange aussieht, kostet 75 000 Euro. Das Rückegerät (Forwarder, ein grüner Timberjack 1110), sammelt das Holz anschließend auf und sortiert es nach Längen. Die 165 Pferdestärken starke Maschine wiegt beladen bis zu 25 Tonnen.

Der Diakoniewald, der ungefähr 20 bis 30 verschiedene Baumarten beherbergt, ist stark getroffen worden. Auch im Bereich des Baumlehrpfades sind einige Bäume umgestürzt. Nun muss der Pfad neu ausgeschildert werden. „Momentan sind wir immer noch dabei, die Schäden zu beseitigen und das Holz zu vermarkten. Dann können wir frühstens nächstes Jahr an Aufforstung in unserem Wald denken“, erklärt Schröder. „Bereits ähnliche Schäden sind bei einem Herbststurm im Oktober 1967 aufgetreten, da sind auch etliche Laubhölzer umgefallen. Bei einem Sturm im Januar 1993 waren überwiegend Nadelhölzer betroffen“, erzählt Niemöller. Seit diesem Zeitpunkt werden die „Harvester“ regelmäßig eingesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen