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Extrem-Radler aus Angeln : Auf zwei Rädern durch Europa

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Ulsnisser Richard Krohn hat auf drei Radtouren große Teile des Kontinents durchquert – und zeigt seine Erfahrungen nun bei Diavorträgen.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Zu seinem 60. Geburtstag hat sich Richard Krohn ein besonderes Geschenk gemacht: eine Fahrradreise auf den Spuren von Wikingern und Hanse-Kaufleuten. Dabei legte der selbstständiger Tischler mit dem Spezialgebiet Antiquitäten in neun Wochen satte 8700 Kilometer zurück – bei einem Tagesbudget von 20 Euro. Es war nicht Krohns erste große Radtour. Bereits 2009 wollte er der damaligen Krise in seinem Geschäftszweig durch eine Studien- und Arbeitsreise durch Frankreich begegnen. Er wollte dabei – ähnlich wie ein Wandergeselle auf der Walz – seinen Lebensunterhalt bei Berufskollegen verdienen und gleichzeitig andere Arbeitstechniken erlernen. Doch daraus wurde dann eher eine Besichtigungstour. Denn in Frankreich lief das Geschäft genauso schlecht wie in Deutschland. Und langfristige Arbeitsstellen fanden sich keine. So umrundete der Radler ganz Frankreich in drei Monaten. 7000 Kilometer standen anschließend auf dem Tacho. 2011 radelte Krohn schließlich von Kaliningrad nach Sankt Petersburg. Dabei kamen 3600 Kilometer in vier Wochen zusammen. Länger galt sein Visum nicht.

Über diese Russland-Reise hat Krohn damals einen Diavortrag angelegt, den er inzwischen mehrmals – bei guter Publikumsnachfrage – öffentlich präsentiert hat. Das hat ihm großen Spaß gemacht. Deshalb möchte er nun auch über seine jüngste Reise wieder Diavorträge halten. Die Termine für die ersten Vorträge stehen bereits fest: am 21. Februar in Ulsnis und am 28. Februar in Steinfeld.

„Da ich kein Schiff habe, wollte ich die Handelswege der Wikinger einmal mit dem Fahrrad nachempfinden“, erklärt Krohn den Grundgedanken seiner letzten Reise. So folgte er dem Ostseeradwanderweg bis kurz vor Kaliningrad und reiste dann die Düna hoch, bis er im weißrussischen Orscha die Landbrücke zum Dnjepr überquerte. Diesem Fluss folgte er bis zur Krim und fuhr dann entlang der Schwarzmeerküste über Odessa bis zur Donaumündung. Stromaufwärts kam er schließlich bis Bratislava und landete über die polnische Grenzstadt Küstrin wieder in Deutschland.

Besonders viele Besichtigungen habe er während seiner Reise nicht gemacht, erzählt Krohn. „Nach einigen Besuchen sehen alle orthodoxen Kirchen innen irgendwie gleich aus“, meint der Extremradler. Neben der historischen Komponente interessiere ihn, was sich aktuell in Russland und den Folgestaaten der UdSSR tue. Man sehe die Reste der alten Sowjetzeit und direkt daneben den brutalen Umbruch.

Aber warum macht er seine Reisen mit dem Fahrrad? „Zu Fuß dauert es zu lange und mit dem Auto ist es zu schnell“, antwortet er. Übernachtet hat Krohn überwiegend im Zelt. Und da er kein GPS dabei hatte, musste er häufig nach dem Weg fragen. Dadurch kam er mit vielen Menschen ins Gespräch. Diese Begegnungen haben ihn auf seiner Reise am meisten beeindruckt. Grundsätzlich hat er die Menschen als freundlich erlebt, einige versorgten ihn mit Wasser, andere luden ihn gar zum Essen ein oder boten ihm eine Schlafstelle an. Unsicher hat er sich nur selten gefühlt. Und wenn ja, dann hauptsächlich durch den Straßenverkehr, der ihn in Weißrussland und der Ukraine von der Straße trieb und in Akazienwälder zwang, deren Stacheln auch seine „unplattbaren“ Reifen durchlöcherten. Ansonsten hielt sein Puch-Fahrrad aus den 1970er Jahren, mit dem er jetzt wieder täglich zur Arbeit fährt, klaglos die gesamte Zeit durch. Das betagte Stück hatte auch noch einen weiteren Vorteil: Es war für Diebe nicht attraktiv und stand stets noch unversehrt an der gleichen Stelle, wenn sein Besitzer zurückkam.

Vorläufig hat Krohn keine weiteren großen Radtouren in Planung. Jetzt will er erst mal einmal Dias ordnen – und seinen neuen Vortrag vorbereiten.

 

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