Schleswig : Auf vier Rädern durch die Schlei

Peter Heinrich Goos steuert sein Gefährt von Fahrdorf hinüber auf die Freiheit. Dabei macht er eine Begegnung mit der „Atlas“.
1 von 2
Peter Heinrich Goos steuert sein Gefährt von Fahrdorf hinüber auf die Freiheit. Dabei macht er eine Begegnung mit der „Atlas“.

Ein ungewöhnliches Treffen zwischen einem stolzen Besitzer und der Tochter des Amphicar-Erfinders.

shz.de von
14. August 2018, 07:00 Uhr

Auf diese Augenblicke hat sich Ina Kiehn schon seit einigen Tagen gefreut. Sie steht auf dem großen Parkplatz der Freiheit direkt an der Wasserkante. Währenddessen schippert Peter Heinrich Goos mit seinem roten Amphibienauto quer über die Schlei. Von Fahrdorf aus ist er aufgebrochen. Auch seine Frau Eva ist auf dem Beifahrersitz mit dabei. Schon von weitem ist das Auto dank seiner knallig-roten Farbe gut sichtbar. In gemächlichem Tempo arbeitet es sich stetig durch das graue Gewässer. Bis Goos sein Auto schließlich über eine kleine Rampe ans Ufer der Freiheit steuert, bleibt für Kiehn genug Zeit für intensive Erinnerungen. Denn der Anblick ist für sie ein Ausflug in ihre eigene Vergangenheit.

Es war nämlich ihr Vater Hans Trippel, der das „Amphicar“ über viele Jahre hinweg konzipiert hat. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann der Tüftler und Ingenieur mit ersten Überlegungen. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten war Trippel sowohl Mitglied von SA und SS. In der Nachkriegszeit vollendete er an seinem Schreibtisch dann die Pläne für sein Auto.

Überzeugt von der Idee, dass ein Amphibienfahrzeug auf dem Markt bestehen könnte, suchte er nach Geldgebern. „Er war wie besessen von seinem Projekt. Und manchmal verzweifelt, weil er es nicht allein umsetzen konnte“, sagt Kiehn. In der Nachkriegszeit schließlich produzierte dann die Firma DWM – Deutsche Waggon- und Maschinenfabriken (früher Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken) in Lübeck – die Einzelteile des „Amphicar“, die dann in der Waggonfabrik in Berlin zusammengesetzt wurden. Lange dauerte es aber nicht, bis die Produktion 1968 eingestellt wurde.

Kiehn wohnt in Überlingen nahe dem Bodensee und ist zurzeit als Touristin in Schleswig. Gemeinsam mit ihrer Freundin Sabine Hoffmann-Juschka macht sie auf ihrer Rückreise aus Schweden Station an der Schlei. So war es ein großer Zufall, als die beiden vor einigen Tagen Goos in seinem roten Gefährt entdeckten. „Vielleicht war es aber auch Fügung. Mir geht unglaublich viel durch den Kopf, wenn ich das Auto sehe “, sagt Kiehn. Durch diese Begegnung könne sie ihren Vater wieder in einem etwas anderen Licht als bisher sehen. Vor seinem Tod war ihr Kontakt zu ihm für einige Zeit abgerissen.

Goos ist begeistert von seinem Amphicar und pflegt es liebevoll. Mittlerweile gebe es nur noch 77 intakte Exemplare. „Egal, wo wir hinkommen. In dem Auto sind wir das meist fotografierte Objekt“, sagt er. Ein Verkauf kommt für ihn nicht in Frage. „Solche Autos vererbt man“, sind Goos und Kiehn sich einig.

Kiehn wird schon bald wieder in Richtung Süddeutschland aufbrechen. Lange wird es nicht dauern, bis Goos mal wieder eine Runde über die Schlei dreht. Beide werden gerne an ihre zufällige Begegnung zurückdenken.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen