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Nora Berg aus Boren : Auf sozialer Mission in Paraguay

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Von der Erziehung bis zum Putzen: Nora Berg (21) aus Boren arbeitete ein Jahr lang freiwillig in einem Heim für Straßenkinder.

„Die Gegensätze könnten größer nicht sein.“ Nora Berg, 21 Jahre jung aus Boren, ist immer noch fasziniert von ihrem Aufenthalt in Paraguay. Ein Jahr hat sie in dem südamerikanischen Land in einem Kinderheim für Straßenkinder verbracht. „Ich war für alles zuständig, von der Kindererziehung bis zum sauber machen.“ In diesem Jahr hat sie die Menschen, insbesondere die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Kultur dieses Landes kennen gelernt.

Nora bekennt sich sehr nachdrücklich zu ihrem christlichen Glauben. Mit einer Selbstverständlichkeit spricht die junge Frau von Gott. Der Glaube habe ihr die Kraft gegeben, sich in sozialer Mission nach Südamerika zu begeben. „Ich wollte nicht, wie viele andere Jugendliche, eine Spaßreise durch Neuseeland oder Australien machen, sondern sah es als meine Mission an, Gott etwas zurück zu geben“, sagt Nora. Über die Jungschar in der Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche kam sie zur zur Jugendarbeit. Zunächst als Teilnehmerin, doch sehr schnell habe sie Leitungsaufgaben übernommen. Nach dem Abitur wollte sie ein Hilfsprojekt im Ausland unterstützen.

Über den Christlichen Dienst der Mennoniten, eine evangelische Freikirche, wurde ihr das Kinderprojekt in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay, angeboten. Gemeinsam mit fünf weiteren Deutschen nahm sie dort den Dienst im Kinderheim auf. Eine Einrichtung für Straßenkinder, Waisen und Kinder aus sehr armen Familien. 30 bis 40 Kinder im Alter zwischen fünf Monaten und 18 Jahren sind in dem Kinderheim untergebracht, zu dem auch eine Schule und eine Kindertagesstätte gehören, die von den Mennoniten getragen wird.

Noras Erinnerung an die ersten Wochen: „Der Kulturschock war erheblich.“ Die Armut, der Müll, die Umweltverschmutzung – für die junge Frau aus Angeln eine völlig neue Erfahrung. Der zweite Schock: Die Kinder freuten sich gar nicht auf die Betreuer aus Deutschland. So waren die ersten Wochen von einem Kampf zwischen Kindern und deutschen Helfern gekennzeichnet. Wer sprachlich nicht zurecht kam, kein Spanisch sprach, hatte kaum Chancen. Täglich loteten die Kinder ihre Grenzen aus und wer meinte, seine antiautoritäre Erziehung aus Deutschland hier umsetzen zu können, hatte keine Chance. Eine auch für Nora völlig neue Erfahrung. „Mit mehr Strenge wuchs bei den Kindern unser Ansehen.“ Am beliebtesten bei den Kindern war eine Erzieherin, die wegen ihre Strenge bekannt, bei den deutschen Helfern gefürchtet war. Geschlagen wurde nicht, aber nachdrücklich mit Arrest, Arbeiten und anderen Maßnahmen bestraft. „Es gab auch keine andere Möglichkeit“, weiß Nora heute, denn die Kinder kamen aus einem Milieu ohne jegliche Erziehung.

Ein Jahr im Dauereinsatz war schon eine Herausforderung. Das Schlimmste sei gewesen, dass es keine Privatsphäre gab. Man war immer mit den Kindern, den Erziehern und Helfern aus Deutschland zusammen. Als besonders positive Erinnerung hat Nora die Reisen durchs Land, das Kennenlernen der Menschen mit nach Hause genommen. Trotz der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die von Indianern über unterschiedliche Mennoniten-Gruppen bis zu einer Oberschicht reichen, leben alle friedlich nebeneinander. Aber Paraguay sei auch heute kein Touristenland, sagt sie. Aufgefallen ist ihr die überall sichtbare Korruption. „Das Land kommt dadurch einfach nicht voran.“

Während Nora grundsätzlich schnell Kontakt findet, waren ihre Gastgeber eher zurückhaltend. Beim Kontaktknüpfen helfe aber das Nationalgetränk „Terere“, ein Tee mit kaltem Wasser, am liebsten auf Eis. Der Becher wird in der Runde herum gereicht.

Ein Jahr Paraguay hat Nora einen neuen Blickwinkel auf ihre Heimat eröffnet. Das hier alles organisiert ist, Gesetze eingehalten werden und alles funktioniert, empfindet sie als sehr positiv. Und ein Jahr Paraguay hat auch ihre Zukunftsziele bestimmt. In Kiel studiert sie Ethnologie, lernt Arabisch, um nach dem Studium mit Migranten arbeiten zu können.

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