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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 04:14 Uhr

Treia : Auf der Suche nach einer Bischofs-Burg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Historiker Stefan Magnussen arbeitet an seiner Dissertation auf einem Feld in Treia: Im Hochmittelalter soll dort einen Bischofssitz gewesen sein.

„Es ist ganz schön anstrengend“, gibt Stefan Magnussen zu, als er gemeinsam mit seinem studentischen Helfer Henning Andresen die Messapparatur über das stellenweise unwegsame Gelände schiebt. Meter für Meter laufen sie das rund einen Hektar große Gelände hinter dem Feuerwehrgerätehaus in Treia ab. Die Apparatur bleibt mit ihren Rädern am hohen Gras hängen, versackt im Morast, um dann gleich wieder mit aller Kraft einen Hügel hochgewuchtet zu werden.

Schon auf den ersten Blick sieht das nach ziemlich harter Arbeit aus. „Aber wir erhoffen uns durch die Messungen des Magnetometers neue Erkenntnisse über dieses Areal, und deshalb ist es die Mühe auf jeden Fall wert“, ergänzt er. Vereinfacht formuliert misst das Gerät das Magnetfeld der Erde. Treten bei diesen Messungen Abweichungen an der Erdoberfläche auf, deutet das auf sogenannte ferromagnetische Materialien im Boden hin. „Das können eisenhaltige Funde sein, Erzlagerstätten, Altlasten oder eben archäologische Strukturen, so wie wir sie hier suchen“, erklärt der Historiker.

Stefan Magnussen hat in Kiel und Ontario Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Seit November 2014 ist er Mitglied der Graduate School „Human Development in Landscapes“ an der Christian-Albrechts-Universität. Zurzeit arbeitet er an seiner Dissertation zum Thema „Burgen im ehemaligen Herzogtum Schleswig“. Was das mit dem Gelände hinter dem Feuerwehrgerätehaus zu tun hat, ist schnell erklärt. „Hier, an dieser Stelle, soll sich im Hochmittelalter eine Burg der Schleswiger Bischöfe befunden haben“, erklärt Stefan Magnussen. „Die etwa 4000 Quadratmeter große Anlage war möglicherweise mit einem Wall und einem Graben befestigt. Sie soll um 1263 zur Zeit des Bischofs Nikolaus II. zerstört worden sein. Das überliefern uns zumindest historische Dokumente.“ 1934 wurden bei Erdarbeiten noch Reste von Ziegelsteinen historischen Formats und Balkenreste gefunden. Diese Funde stehen zwar nicht im direkten Zusammenhang mit dem Bischofshof, aber seine Baumaterialien sind nach der Zerstörung aller Wahrscheinlichkeit nach für den Bau von Häusern wiederverwendet worden und lassen möglicherweise Rückschlüsse auf die Burg zu. Der Wissenschaftler erhofft sich durch seine Untersuchung ein klareres Bild des Geländes. „Vielleicht können wir am Ende einige Strukturen erkennen, die auf weitere Gebäude hindeuten, zum Beispiel Pfostenlöcher und Schwellensteine“, erklärt er. „Wenn das Magnetometer nichts anzeigt, dann könnte es aber auch bedeuten, das dort auch nichts mehr ist.“

Wie hoch die Chancen auf neue Erkenntnisse stehen, hängt unter anderem davon ab, wie intensiv das Areal bewirtschaftet wurde. Seit 1976 steht das Bodendenkmal unter dem Schutz der Denkmalpflege. Zuvor wurde das Gelände jedoch landwirtschaftlich genutzt. Vieles könnte daher untergepflügt worden sein. Je nach Befund wird sich entscheiden, ob eventuell eine genauere Betrachtung durch das Archäologische Landesamt erforderlich wird.

Insgesamt hat Stefan Magnussen für seine Dissertation rund 470 mögliche Anlagen im Blick. „Ungefähr 50 davon sind auch sicher als Burgen anzusehen“, erklärt er. In welcher Form auch die nun Anlage der Schleswiger Bischöfe in seine Dissertation einfließen wird, wird die Auswertung der Untersuchungsergebnisse zeigen.






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