Geophysiker im Dom : Auf der Suche nach der Fürstengruft

Mit dem empfindlichsten  transportablen Messgerät der Welt: Die Geophysiker John Jeschewskie (links), Hans-Jürgen Götze und Soha Reda.
Mit dem empfindlichsten transportablen Messgerät der Welt: Die Geophysiker John Jeschewskie (links), Hans-Jürgen Götze und Soha Reda.

Der Kieler Student John Jeschewskie erforscht die Hohlräume unter dem Altarraum im Schleswiger St.-Petri-Dom.

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06. Januar 2015, 12:00 Uhr

Mehr als 60 Jahre ist es her, dass zuletzt ein Mensch die Fürstengruft unter dem Altarraum im Dom betreten hat. Im vergangenen Sommer hatte eine Gruppe von Archäologie- und Geophysik-Studenten im Rahmen eines Seminars die Gruft mit technischen Geräten durch den Fußboden hindurch vermessen. Einer dieser Studenten ist nun zurückgekehrt: John Jeschewskie schreibt seine Bachelor-Arbeit über die Vermessung der Gruft.

Gemeinsam mit Geophysik-Professor Hans-Jürgen Götze und der ägyptischen Gastforscherin Soha Reda bewegte er sich gestern mit einem kleinen Metallkasten durch den Altarraum. Auch heute werden die drei noch einmal in den Dom kommen. Der Kasten ist ein so genanntes Gravimetriegerät. Es misst die Stärke der Erdanziehungskraft. Wo ein Hohlraum im Boden ist, dort ist die Schwerkraft minimal schwächer ausgeprägt als in der direkten Umgebung. Eine feine Feder im Innern des Metallkastens registriert so etwas. Das 80  000 Euro teure Gerät des Kieler Instituts für Geophysik ist eines von nur zweien in ganz Deutschland. „Es ist das empfindlichste transportable Messgerät der Welt“, sagt Götze.

Bereits im Sommer hatten die Studenten mit diesem Gerät mehr Erfolg als mit Radarmessungen, die sie parallel vornahmen. Schuld war die Fußbodenheizung. „Wir konnten anhand unserer Daten genau erkennen, wo die Streben der Heizung verlaufen, aber sonst war nichts zu sehen“, sagt Götze.

Die Gravimetrie dagegen brachte einige überraschende Erkenntnisse. John Jeschewskie möchte die Ergebnisse jetzt noch weiter verfeinern. „An einer Stelle haben wir eine Anomalie entdeckt“, sagt er und zeigt auf den Boden vorne links im Altarraum. Dort zeigte die Nadel eine geringere Erdanziehungskraft an, obwohl die Gruft aus dem 17. Jahrhundert eigentlich erst kurz dahinter beginnt. Genaueres wird der angehende Geophysiker erst sagen können, wenn er seine Daten ausgewertet hat. Dazu wendet er ein aufwändiges Computerverfahren an, das unter anderem den Effekt einberechnet, den die mächtigen Steinsäulen im Dom auf die Erdanziehungskraft ausüben.

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