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Schleswiger Dom : Auf der Suche nach der Fürstengruft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wissenschaftler und Studenten der Kieler Universität erforschen mit moderner Technik ein fast vergessenes Gewölbe unter dem Dom.

von
erstellt am 13.Aug.2014 | 21:15 Uhr

Fast sieht es aus, als würde sie staubsaugen. Doch was Sarah Splettstößer vorsichtigt über den Boden des Chores im St.-Petri-Dom bewegt, ist kein Haushaltsgerät, es ist eine Radar-Anlage. Die Kieler Geophysik-Studentin kennt das Bauwerk eigentlich ziemlich gut. Schließlich kommt sie aus Schleswig, im Dom wurde sie konfirmiert. Jetzt ist sie zurückgekommen, um nach einem Gewölbe zu suchen, über das nicht einmal Ingrid Wenk Genaueres weiß, und sie ist immerhin die Hüterin aller Akten über die Baugeschichte des St.-Petri-Doms.

Es geht um eine Gruft, in der bis ins 17. Jahrhundert hinein die Gottorfer Herzöge bestattet wurden. Dieses geheimnisvolle Gewölbe ist deutlich älter als die noch heute zugängliche Fürstengruft an der Nordseite des Chores. Es ist 60 Jahre her, dass zuletzt ein Mensch die Grabkammer mit eigenen Augen sah. Damals wurde sie bei Ausgrabungen geöffnet. „Aber wir wissen nicht, was dann geschah“, sagt Wenk. Vielleicht ist sie noch immer intakt, vielleicht wurde sie mit Sand oder Geröll gefüllt, vielleicht wurden einfach Heizungsrohre durch sie hindurchgelegt. Wenk: „Das war in den 50er Jahren durchaus üblich.“

Aufklärung erhoffen sich die Kirchenleute nun von einer Gruppe Kieler Studenten unter der Leitung des Geophysik-Professors Jörg Ebbing und von Dennis Wilken, einem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität – die nach einem der im Dom bestatteten Herzöge benannt ist.

Die Wissenschaftler sind mit zwei unterschiedlichen technischen Geräten angereist: zum einen das Radar-Gerät, das ein wenig an einen Staubsauger erinnert und dessen Funktionsweise auch dem Laien schnell einleuchtet. Es arbeitet wie ein Schiffs-Echolot, nur dass es nicht verrät, wo in der Tiefe fester Grund liegt, sondern im Gegenteil, wo sich Hohlräume befinden. Viel erstaunlicher ist, was das zweite Gerät leistet. Es ist ein Gravimetrie-Gerät. Wenn es läuft, darf sich niemand in der Umgebung bewegen. Eine Federwaage misst feinste Unterschiede in der Erdanziehungskraft. Wo ein Hohlraum ist, dort wirkt diese Kraft minimal schwächer als über festem Grund. Auf diese Weise lässt sich feststellen, wie hoch das Gewölbe ist, dessen Standort das Radar verrät.

„Wenn wir beide Methoden kombinieren, bekommen wir ein recht zuverlässiges Bild“, sagt Dennis Wilken. Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Wochen ins Land gehen. Bisher haben seine Studenten nichts als Zahlenkolonnen gesammelt. Ausgewertet wird im Herbst, nach den Semesterferien. Die Untersuchungen im Dom sind Teil eines Blockpraktikums für Studenten aus drei verschiedenen Fachbereichen: Geophysik, Geowissenschaften und Archäologie. In den vergangenen Jahren fand das Praktikum an Orten in ganz Europa statt, zuletzt auf Island und in Slowenien. Diesmal bleiben die Kieler fast vor der Haustür. Außer im Dom werden sie ihre empfindlichen Geräte auch noch auf Schloss Gottorf aufbauen, wo ebenfalls einige Geheimnisse aus der Baugeschichte zu lüften sind.

Den Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Kirchenverwaltung stellte Wolfgang Bauch her, ein inzwischen pensionierter langjähriger Mitarbeiter am Archäologischen Landesamt. Auch wenn noch keine Ergebnisse vorliegen, ist Ingrid Wenk von der Arbeit schon jetzt begeistert und hat noch andere Vorschläge, welche anderen Ecken im Dom sich für eine Radar-Untersuchung eignen. Zum Beispiel wüsste sie gern, wie es unter dem Schwahl aussieht. Mit atemberaubenden Neuigkeiten, räumt sie ein, rechne sie dabei allerdings nicht. „Im Dom ist schon so viel geforscht worden, dass wir im Prinzip wissen, was es hier gibt.“ Was die Gruft betrifft, interessiert sich Wenk auch dafür, ob es noch immer einen unterirdischen Gang gibt, der das obere, intakte Gewölbe mit dem unteren verbindet. In einer Grundriss-Zeichnung aus den 50er Jahren ist er nur unvollständig eingetragen.

Dennis Wilken indes ist sich da nicht so sicher: „Wir haben schon oft unvorhergesehene Dinge entdeckt.“

 

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