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Flüchtlingslager Eggebek : Auf der Suche nach Bomben und Granaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Expertenteam beseitigt auf dem Gelände des künftigen Flüchtlingslagers in Eggebek Munitionsreste und Blindgänger.

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2015 | 18:14 Uhr

Rein äußerlich unterscheiden sich die Bagger und Lkw, die zurzeit auf dem Gelände der künftigen Flüchtlingsunterkünfte in Eggebek im Einsatz sind, nicht von den Maschinen auf gewöhnlichen Baustellen. Doch die Kabinen dieser Fahrzeuge sind besonders verstärkt und mit Panzerglas versehen, denn sie gehören einer Firma, die das Gelände von Bombenblindgängern und Munitionsresten befreien soll, bevor auf dem ehemaligen Flugplatz das Containerdorf für Flüchtlinge entstehen kann.

Doch bevor die schweren gepanzerten Bagger in Eggebek zum Einsatz kommen, ist Handarbeit angesagt. „Bombenblindgänger sind meistens aus Eisen oder haben Eisenbestandteile“, erklärt Marco Köppen, Feuerwerker bei der Hamburger Firma zur Kampfmittelbergung Eggers und als Räumstättenleiter zuständig für die Sicherheit auf dem Gelände. Einem Schatzsucher gleich, der mit einem Metalldetektor nach Verborgenem sucht, geht Köppen das Gelände mit einer Hightech-Sonde ab. Die Sonde spürt Veränderungen im Erdmagnetfeld auf und zeigt an, wo sich Eisen im Boden befindet. Zentimeter für Zentimeter wird das Gelände auf diese Weise untersucht.

Dabei knattert die Sonde beinahe ununterbrochen, mal kräftiger, ein Zeichen für eine stärke Störung des Magnetfeldes, und mal schwächer. Die meisten Störungen seien auf ungefährliche Eisenteile, Reste von früheren Bauwerken, Blitzableiter, Nägel zurückzuführen, so Köppen. Vereinzelt sind in Eggebek schon auch Munitionsreste gefunden worden. Diese wurden sichergestellt und unverzüglich an den Kampfmittelräumdienst, der für die Entsorgung zuständig ist, übergeben.

Bis zu sechs Meter tief können die Bomben, die die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auch über dem Eggebeker Flugplatz abgeworfen haben, in den Boden eingedrungen sein – und bis heute als Blindgänger liegen. So tief kann auch die Sonde ins Erdreich „schauen“. Allerdings nur, wenn es frei von Metallresten ist, denn „wir spüren Veränderungen bis zur Größe eines Krümels auf“, so Köppen. Um der Sonde „freie Sicht“ nach unten zu verschaffen, wird die Erde des drei Hektar großen Geländes scheibchenweise bis zu einer Tiefe von 50 Zentimetern abgetragen und in einer Siebanlage auf Munitionsreste und andere potenzielle Gefahrenquellen überprüft. Metallische Teile werden in der Anlage mit einem Magneten entfernt. Die gesiebte Erde wird anschließend wieder an den Ursprungsort zurück gebracht. „Wenn wir Veränderungen im Boden ausschließen können, ist die Gefahr gebannt“, sagt Ernst-Joachim Rapp, Oberbauleiter der Firma.

Auch die Siebanlage ist besonders gegen Explosionen geschützt. Der Container, in dem die Prüfer sitzen, die die Funde in Augenschein nehmen, ist ebenfalls mit Panzerglas ausgestattet. Das Areal ist zudem umgeben von zwei Etagen aufeinander stehender Container, die, falls es zu einer Explosion kommen sollte, als Splitterschutz dienen. Für die acht Männer von der Kampfmittelbergung ist der Auftrag in Eggebek zwar ein Job von vielen, als Routine betrachten sie ihn allerdings keineswegs. „Wenn es in Routine übergeht, wird es gefährlich“, sagt Köppen.

Bisher wurden auf dem Gelände keine größeren Explosivkörper gefunden. Dass sie auf dem Gelände aber noch fündig werden könnten, hält Köppen für nicht unwahrscheinlich. Klarheit soll bis etwa Mitte September herrschen. Bis dahin hoffen die Bergungskräfte, ihre Arbeit in Eggebek abgeschlossen zu haben. Dann wird der Mitarbeitertrupp an die 15  000 Kubikmeter Erde bewegt und von allen Explosivkörpern befreit haben. „Wenn wir hier durch sind, ist das Gelände frei“, sagt Köppen.

Mit dem Aufstellen der 500 Container für die provisorische Erstaufnahmestelle für 350 bis maximal 500 Flüchtlinge soll direkt im Anschluss begonnen werden. Lars Fischer von der Amtsverwaltung Eggebek rechnet damit, dass dies etwa einen Monat dauern wird, also zwischen Mitte Oktober und Anfang November die ersten Flüchtlinge auf dem ehemaligen Flugplatzgelände aufgenommen werden können.

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