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Ausstellung auf Schloss Gottorf : Auf der Jagd nach frischem Fleisch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine neue Sonderausstellung auf Schloss Gottorf zeigt anschaulich, wie die Menschen in der Steinzeit Tiere erlegten.

Nicht erst seitdem die Landes-CDU die Schweinefleisch-Pflicht in deutschen Kantinen fordert, ist das Thema Fleisch in aller Munde. Essen wir zu viel Fleisch? Wie viele Medikamente verstecken sich in unserem Fleisch? Und ist ein Leben ohne Fleisch nicht viel gesünder? Diese Fragen werden mit Blick auf den weltweit wachsenden Fleischkonsum auch in der breiten Öffentlichkeit immer wieder gestellt. So oder so: Fest steht unbestritten, dass Fleisch ein Motor und Beschleuniger der menschlichen Evolution ist. Seit Hunderttausenden von Jahren steht es auf unserer Speisekarte ganz oben. Grund genug, diesem Thema eine Sonderausstellung zu widmen, dachten sich die beiden freischaffenden Archäologen Ulrich Stodiek und Harm Paulsen. Das Ergebnis kann man ab Sonntag in der Galerie des 19. Jahrhundert auf Schloss Gottorf sehen.

„Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich hier um eine Leistungsschau unserer Vorfahren handelt. Diese Ausstellung zeigt, welche verschiedenen Techniken sich die Menschen im Laufe der Zeit ausgedacht haben, um an Fleisch zu kommen“, erklärt Ulrich Stodiek. Der ausgewiesene Steinzeitexperte hatte die Idee für die Ausstellung und entwarf das Konzept und die Texte. Ihm zur Seite stand Harm Paulsen. Der langjährige Mitarbeiter der Landesmuseen in Schleswig gilt längst als einer der besten Experimentalarchäologen Deutschlands. Deshalb war er prädestiniert dafür, die Jagdwaffen aus der Steinzeit möglichst originalgetreu nachzubauen – und auszuprobieren. „Das Problem ist, dass von Speeren, Pfeilen oder Bögen oft nur Bruchstücke und Reste gefunden werden. Aus diesen Bröseln hervorragende und funktionierende Repliken zu bauen, dafür ist Harm Paulsen ein echter Garant“, sagt Stodiek, der seinen Kollegen bereits seit über 30 Jahren kennt.

Bei der Wanderausstellung, die die beiden für das Neanderthal-Museum in Mettmann konzipiert haben, stehen nun genau diese Nachbauten im Mittelpunkt. Gezeigt wird die Entwicklung der Jagdwaffen von der frühen Altsteinzeit vor etwa 300  000 Jahren bis in die späte Jungsteinzeit vor rund 4000 Jahren – von der einfachen Holzlanze bis hin zur Speerschleuder. Dazu werden Videos präsentiert (zum Teil in hoch aufgelöster Zeitlupe), die verdeutlichen, wie effektiv die einzelnen Waffen trotz ihrer Einfachheit waren. Auch die Themen Fischfang und Fallenstellerei spielen in der Ausstellung wichtige Rollen. „Wir wissen heute, dass Fleisch und noch mehr Fisch während der gesamten Menschheitsgeschichte auf dem Speiseplan standen. Der Mensch ist ein Allesfresser. Das Problem ist, dass er sich heutzutage leider viel weniger bewegt als in der Steinzeit“, sagt Strodiek auch mit Blick auf einen Fleischkonsum von rund 60 Kilogramm jährlich pro Bundesbürger.

Dass die Wanderausstellung, nachdem sie in Mettmann, im niedersächsischen Schöningen und in München zu sehen war, nun in Schleswig präsentiert wird, ist einer Zusammenarbeit des Archäologischen Landesmuseums, des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie und des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte zu verdanken. Das hat zur Folge, dass erstmals überhaupt in der Galerie des 19. Jahrhunderts eine archäologische Ausstellung gezeigt wird.

> Die Ausstellung „Fleisch!“ wird morgen für geladene Gäste eröffnet. Ab Sonntag ist sie dann bis zum 24. Mai während der Öffnungszeiten des Schlosses zu sehen. Bis dahin stehen begleitend verschiedene Sonderführungen, Workshops und Vorträge auf dem Programm.

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erstellt am 04.Mär.2016 | 09:25 Uhr

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