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Ahnenforschung : Auf den Spuren ihrer deutschen Vorfahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

John und Gwen Detlefsen aus Manning im US-Bundesstaat Iowa betreiben Ahnenforschung in Schleswig-Holstein.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 18:22 Uhr

Klein Bennebek | Es war ein Universitätskurs zur Ahnenforschung, der John Detlefsen aus Manning im US-Bundesstaat Iowa dazu gebracht hat, nach seinen deutschen Wurzeln zu suchen. Den Kurs hatte jedoch nicht er selbst besucht, sondern seine Tochter. „Sie kam dann mit den Namen ihrer Urgroßeltern nach Hause“, erzählt der 67-Jährige: Hans und Gretchen Detlefsen, geborene Thede. Beide stammten aus Schleswig-Holstein, waren Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA ausgewandert und hatten dort 1910 geheiratet.

Sein erster Kontakt mit der Ahnenforschung ist 17 Jahre her. Seitdem sei er Feuer und Flamme für das Thema, so der Amerikaner. Seit Anfang September reist er mit seiner Frau Gwen auf den Spuren ihrer Vorfahren durch Europa. Was in London begann, fand zunächst in Ostfriesland seine Fortsetzung – von dort stammt ein Teil der Familie seiner Frau. Bei Ursula und Hans-Joachim Meggers in Potsdam, das zu Klein Bennebek gehört, findet ihre Reise nun ein vorläufiges Ende.

Beide Ehepaare kennen sich seit über zehn Jahren. „Wir waren schon mehrfach in Manning und haben dabei Gwens Eltern kennen gelernt“, erzählt Hans-Joachim Meggers, der selbst seit Jahren Familienforschung betreibt. Manning, eine 1500-Seelen-Gemeinde im mittleren Westen des Bundesstaates Iowa, sei „sehr deutsch“, meint Gwen Detlefsen. Dort würden Kinder- und Oktoberfest sowie Weihnachten nach deutschem Vorbild gefeiert. Darüber hinaus steht im Ort ein fast 350 Jahre altes Bauernhaus, das ursprünglich im schleswig-holsteinischen Offenseth gestanden hat, ehe es in den 1990er Jahren per Schiff in die USA gebracht und wieder aufgebaut wurde.

Trotz der sichtbaren Verbindung zwischen Iowa und Schleswig-Holstein sei die Ahnensuche schwierig gewesen, sagt John Detlefsen. Am Anfang habe er nur eine Kiste voller alter Fotos gehabt, die sein Vater Max aus dem Keller geholt habe. „Ich hatte hunderte Gesichter, aber keine Namen“, sagt der gelernte Bauingenieur, der die 1906 von seinem Großvater gegründete Elektro-Firma geleitet hat. Eine Aufgabe, die inzwischen sein Sohn Matt übernommen hat. Auf eigene Faust habe er sich Informationen aus Deutschland beschafft. Hans-Joachim Meggers habe ihm bei der Übersetzung geholfen.

Trotz der Recherche-Möglichkeiten, die das Internet bietet, sei früh der Wunsch entstanden, nach Deutschland zu reisen, erzählt Detlefsen, der mütterlicherseits aus Norwegen stammt. Doch erst nach seinem Renteneintritt vor drei Jahren sei der richtige Zeitpunkt gekommen, meint er – solange sich Gwen frei nehme. Sie hat 34 Jahre lang als Lehrerin gearbeitet und engagiert sich nach wie vor sehr für die Kinder in ihrer Gemeinde.

Auf eigene Faust haben sich die beiden in Ostfriesland auf die Spuren von ihren Vorfahren gemacht, die bereits 1850 in die USA ausgewandert waren. In Klein Bennebek nun steigen sie noch tiefer in die Ahnenforschung ein, begeben sich auf die Spuren von Großvater Hans Detlefsen, der 1905 in New York angekommen war. Der Kontakt zur Familie Meggers habe ihnen viele Türen geöffnet und die Suche erleichtert, meint der 67-Jährige, der sich froh und beeindruckt über die Hilfe zeigt.

Eine Anlaufstelle ist das Kirchenarchiv in Kropp, denn bevor sein Großvater in die USA ausgewandert ist, hat er in Steinsieken bei Owschlag gelebt. „Das gehörte damals zu Kropp“, erklärt Hans-Joachim Meggers. Doch geboren wurde Hans Detlefsen weiter nördlich: in Geelbyholz bei Brodersby an der Schlei. „Das Geburtshaus steht noch“, sagt John Detlefsen – auch wenn es heute anders aussieht als auf seiner alten Fotografie. Es sei ein Traum von ihnen, eines Tages mit ihren drei Kindern wiederzukommen.

Bis es so weit ist, würden sie neben ihrer Familiengeschichte auch ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmen, sagt Gwen Detlefsen. „Die Leute waren wunderbar, offen und haben immer geholfen“, meint sie. So erhalten die Menschen auf den alten Fotos nach und nach einen Namen. Daher sei Ahnenforschung für ihn „wie Schatzsuche“, meint John Detlefsen.

 

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