Schleswig : Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Engpass: Im Lollfuß fühlen sich Radfahrer manchmal bedrängt, weil Autofahrer sie kaum überholen können.
Engpass: Im Lollfuß fühlen sich Radfahrer manchmal bedrängt, weil Autofahrer sie kaum überholen können.

Bauausschuss beschließt einstimmig umfangreiches Paket an Maßnahmen

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04. September 2018, 17:43 Uhr

Schleswig soll eine fahrradfreundliche Stadt werden. Ohne Gegenstimme hat der Bau- und Umweltausschuss gestern einen entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion angenommen.

Die Redaktion hat sich umgeschaut: An diesem späten Vormittag Anfang September sind die Radwege in der Innenstadt überwiegend verwaist. An der Königstraße Richtung Dom kommt minutenlang kein einziger Radfahrer, an der Bismarckstraße ist der Schutzstreifen bergab ebenfalls kaum befahren. Eine Schleswiger Alltagsradlerin nennt aus dem Stegreif gleich ein halbes Dutzend neuralgischer Punkte, an dem ein Konzept zur fahrradfreundlichen Stadt ansetzen könnte: der Radweg an der Flensburger Straße zwischen Hühnerhäuser und Neuwerkstraße („absolute Zumutung“), mehrere Punkte, an denen der Radweg im Nichts endet, wie vor dem Oberlandesgericht oder an der Schubystraße, eine Rechtskurve der Bismarckstraße bergauf, an der es brenzlig sei, die Kreuzung Königstraße/Plessenstraße, die unübersichtlich für Radfahrer sei.

Die SPD hat den Kollegen im Ausschuss eine ausladende Liste an Zielen und Maßnahmen zur Diskussion und vor allem zum Beschluss vorgelegt. Es gibt kaum Widerspruch, stattdessen sind sich die Redner aller Fraktionen weitgehend einig darüber, dass Schleswig in Sachen Fahrradfreundlichkeit einen erheblichen Nachholbedarf hat. „Einige Radwege sehen noch aus wie vor 35 Jahren, als ich noch Schüler war“, sagt Sönke Hansen (Bündnis für Bürger).

„Da kommt ganz viel Arbeit auf uns zu“, prognostiziert Jürgen Lorenzen, der den Antrag für die SPD einbringt. Der Ausbau des Radwegenetzes werde auch „zu Lasten des Autoverkehrs“ gehen, macht er deutlich. Man benötige zusätzliche Ressourcen, auch personelle. Bis Ende März 2019 soll die Projektstruktur stehen, auch ein Radverkehrskonzept wird auf die Agenda gesetzt.

Der Ausbau der Radinfrastruktur sei „eines der wichtigsten Themen“ überhaupt, findet auch Helge Lehmkuhl (CDU); „da liegt einiges im Argen bei uns.“ Angesichts der überbordenden Fülle von Maßnahmen und Zielen in der SPD-Vorlage schlägt er eine klare Priorisierung vor. Ganz oben müsse die Sicherung der Radwege auf den Schulwegen stehen. Die Öffnung der Ladenstraße außerhalb der Geschäftszeiten sei eine gute Maßnahme.

Jonas Kähler (Grüne) fordert, den „Lückenschluss“ zwischen den vorhandenen Radwegen voranzubringen. Carsten Henningsen (parteilos) regt an, das Maßnahmenpaket in Zusammenhang mit der Innenstadt-Sanierung zu behandeln.

Bürgermeister Arthur Christiansen, der Antrag und Stoßrichtung grundsätzlich begrüßt, macht den Ausschuss darauf aufmerksam, dass zwar einige Maßnahmen schnell und kostengünstig umsetzbar seien, andere aber schnell viel Geld kosten würden. Man dürfe die Ziele nicht gegen die anderen Verkehrsteilnehmer, sondern müsse sie mit ihnen umsetzen.

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