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Lions-Spendenaktion : Auch eine Ski-Brille reist nach Paraguay

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

25 000 Brillen werden per Schiff zu bedürftigen Menschen in Paraguay gebracht – eine Hilfsaktion des Lions-Clubs Schleswig.

Brillenträger kennen das Prozedere: Hat sich ihre Sehstärke verändert, gehen sie mit ihrem Rezept vom Augenarzt zum Optiker, um sich eine neue Sehhilfe zu holen. Über den weiteren Verbleib ihrer alten Brille machen sich wohl die wenigsten Gedanken. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie am anderen Ende der Erde eine Renaissance erlebt: auf der Nase eines Paraguayers. Dafür sorgt die jährliche Hilfsaktion „Sight First“ des Schleswiger Lions Clubs, mit der seit mehr als vier Jahrzehnten kostenlose Sehhilfen an bedürftige Menschen in dem südamerikanischen Land verteilt werden.

„Jedes unserer Mitglieder betreut bis zu sieben Optiker und holt die ausgedienten Brillen dort ab“, erklärt der Vorsitzende Friedrich Stoll. Zudem würden sie dort Informationsbroschüren verteilen, so dass jeder Interessierte erfahren kann, was mit seiner ausgedienten Brille passiert. „Ohne die Unterstützung durch die Optiker ginge das gar nicht“, ergänzt Lions-Mitglied Irmtraut Erichsen. Dabei reicht das Einzugsgebiet von Rendsburg bis Flensburg und Husum bis Kappeln. Im besten Falle sind die Brillen bereits vermessen und mit der genauen Sehstärke beschriftet. Das sei aber keine Voraussetzung, schließlich „haben wir schon vor 30 Jahren ein Gerät zur Messung von Sehstärken nach Paraguay geschickt“, sagt Stoll.

Dorthin, genauer in die Hauptstadt Asunción, soll auch die nächste Lieferung gehen. Derzeit befinden sich die gut 25 000 Brillen noch in einem Lagerhaus am Holmer Noorweg. Die Räume werden dem Lions-Club von der Stadt zur Verfügung gestellt, „dafür sind wir sehr dankbar“, so Friedrich Stoll. In den dutzendfach gestapelten Kartons finden sich aber nicht nur Brillen jeglicher Stärke, Größe, Form und Farbe, sondern auch Lupen und kurioserweise sogar Ski-Brillen. Zwar freue man sich über alle Spenden, bei letzterem kam aber doch die Frage auf, ob diese sehr spezielle Brille nun mit auf die Reise gehen solle oder nicht. Mangelnder Schnee oder Berge hin oder her, „ich packe alles ein“, sagt Irmtraut Erichsen schlicht.

Dabei zeigt sich, dass sie schon langjährige Erfahrung als „Packerin“ hat. So weiß sie: „Brillen mit Etui kommen nach außen, lose Brillen kommen nach innen.“ Auf diese Weise seien sie besser geschützt und würden während des langen Transportes keinen Schaden nehmen. In stundenlanger Akkordarbeit werden die Brillen von 20 fleißigen Händen untersucht und sortiert. Beschädigte Brillen werden aussortiert, der heile Rest verschwindet anschließend samt Etuis und Brillentüchern in einem der vielen Kartons. Da muss jeder Handgriff sitzen, um kein Chaos auszulösen.

Gleiches gilt für den Transport. Um den Stauraum effizient zu nutzen, haben die von einem Lions-Mitglied gestifteten Pappkartons alle eine einheitliche Größe. „Da sind mal Pommes drin gewesen“, sagt Friedrich Stoll. Er lasse gerne mal seine „Beziehungen spielen“, wenn es darum geht, bedürftigen Menschen zu helfen: „Es geht ja darum, Netzwerke aufzubauen und dann auch zu nutzen.“

Auf diese Weise habe man auch den Transport in den Hamburger Hafen geregelt: „Den übernimmt die Spedition Wohlert aus Bollingstedt, die auch Mitglied bei uns ist.“ Die Verschiffung nach Südamerika, die rund zehn Tage dauert, sei dann die eigentliche Herausforderung gewesen, meint der Vorsitzende. Da habe man über die Jahre immer mal wieder den Spediteur gewechselt, „angekommen sind die Brillen aber immer“, zeigt er sich zuversichtlich, dass es auch in diesem Jahr klappen wird.

Vor Ort übernehmen die Mitglieder des Partnerclubs die Verteilung. Extra dafür wurde eine „Brillenbank“ eingerichtet, in der dieSehhilfen individuell angepasst und unentgeltlich ausgeteilt werden.

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