Schleswiger Werkstätten : Athleten suchen Paten

Hoffen auf eine Medaille bei den Special Olympics: Wolfgang Harm, Michaela Harder, Katja Herber und Jan-Henrik Schmidt (v.l.).
Hoffen auf eine Medaille bei den Special Olympics: Wolfgang Harm, Michaela Harder, Katja Herber und Jan-Henrik Schmidt (v.l.).

46 Schleswiger Sportler gehen im Mai bei den Special Olympics in Kiel an den Start.

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22. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Inklusion bedeutet, dass jeder dazugehört“, erklärt Jan-Henrik Schmidt, „und wir möchten dieses Motto gerne mit Leben füllen.“ Wie das gehen kann, darüber hat sich der Einrichtungsleiter der Schleswiger Werkstätten mit seinem Team schon längere Zeit Gedanken gemacht. „Und dabei sind wir schnell auf das Thema Sport gekommen“, ergänzt er. Mit der Gründung des Inklusiven Sportclubs Schleswig wurde vor zwei Jahren bereits ein großer Schritt in diese Richtung gemacht. Kurz vor Beginn der Special Olympics, den Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung, die vom 14. bis zum 18. Mai in Kiel stattfinden, soll der Gedanke von Sport und Inklusion weitere Kreise ziehen. „Wir möchten unseren Athleten gezielt Paten zur Seite stellen, die sie unterstützen – während der Wettkämpfe vor Ort und auch gerne im Anschluss“, erklärt Schmidt.

Dabei gehe es nicht primär um finanzielle Hilfe, sondern darum, den Sport mit Handicap mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft zu transportieren. Dafür benötige man engagierte Multiplikatoren, die sich ihre Athleten-Paten einsetzen möchten. „Tatsächlich funktioniert Inklusion nämlich nur dann, wenn sie von beiden gewollt ist“, sagt Katja Herber, Sportkoordinatorin bei den Schleswiger Werkstätten. „Wir wünschen uns, dass möglichst viele Paten mit unseren Sportlerinnen und Sportlern Teams bilden. Denn solche Verbindungen sind Impulsgeber für die Gesellschaft und haben Leuchtturmcharakter.“

Mit Michaela Harder und Wolfgang Harm hat sich bereits so ein Team gefunden. Vor über 40 Jahren absolvierte der Vorsitzende des Gewerbevereins „Drachentöter“ als einer der Ersten bei den Schleswiger Werkstätten seinen Zivildienst. „Als ich von der Athleten-Patenschaft gehört habe, war ich sofort begeistert“, sagt Harm. „Inklusion ist ein wichtiges Thema, und über den Sport lassen sich leicht Brücken zwischen Menschen mit und ohne Handicap schlagen.“ Seine Teampartnerin freut sich ebenfalls über das Interesse ihres Paten. „Vor allem freue ich mich darauf, dass mich Wolfgang in Kiel besucht. Dann drückt er fest die Daumen und feuert mich an, damit ich mein Bestes gebe und vielleicht sogar eine Medaille gewinne“, sagt Michaela Harder.

Besonders für Menschen, die bisher keine Berührungspunkte mit Handicaps hatten, kann so eine Verbindung völlig neue Perspektiven eröffnen. „Ein Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand hat außerdem den Effekt, dass der Sportler nicht über eine Behinderung wahrgenommen wird, sondern über sein Talent“, weiß Katja Herber. „Das bedeutet eine ganz andere Wertschätzung durch die Anerkennung der sportlichen Leistung.“ Die Behinderung rückt in den Hintergrund und verändert damit auch den Sportler. Sport kann nämlich weit mehr als körperlich ertüchtigen. Er stärkt das Selbstbewusstsein, schult das Gefühl für den eigenen Körper, weckt ungeahnte Kräfte und kann Spannungen lösen. „Aus diesem Grund wird Sport bei uns auch groß geschrieben. Und wir freuen uns, dass so viele unserer Beschäftigten unser umfangreiches Programm nutzen“, betont Einrichtungsleiter Schmidt.

Die Sportbegeisterung innerhalb der Schleswiger Werkstätten ist enorm. 46 Athleten haben sich in den Sportarten Fußball, Basketball, Tischtennis, Badminton, Leichtathletik, Schwimmen und Radfahren für die Special Olympics qualifiziert – damit stellt Schleswig bundesweit die größte Delegation.

Damit die Special Olympics auch im Raum Schleswig mehr ins Blickfeld rücken, sind einige Laster und Transportfahrzeuge der Schleswiger Werkstätten mit den fünf „Gesichtern der Spiele“ (Handball-Nationalspieler Rune Dahmke und Steffen Weinhold vom THW Kiel sowie die Special-Olympics-Athleten Christoph Bertow, Michaela Harder und Pierre Petersen) plakatiert. „Ich bin eines der Gesichter und freue mich, wenn ich mich auf dem großen Lkw sehen kann. Ich wünsche mir, dass Inklusion durch die Spiele und den Sport besser wird. Menschen auszugrenzen, nur weil sie ein Handicap haben, ist nicht richtig. Wir sind doch alle gleich“, sagt Michaela Harder. „Kommt nach Kiel, drückt uns die Daumen und habt viel Spaß!“


>Wer sich für eine Athleten-Patenschaft interessiert oder die Sportler auf eine andere Weise unterstützen möchte, meldet sich bei Katja Herber: 0171 / 33 73 927. Alle Informationen über die Special Olympics unter https://kiel-2018.specialolympics.de

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