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Grüne Schleswig-Flensburg : „Asylbewerber für die Kultur gewinnen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen in Kappeln: Keine Patentrezepte für Lösung der Flüchtlingsfragen.

„Die Flüchtlingskrise ist ein Zustand, der uns noch lange beschäftigen wird.“ Mit dieser Aussage eröffnete Uwe Deppe aus Glücksburg, Sprecher des Schleswig-Flensburger Kreisvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen die jüngste Kreismitgliederversammlung in der Kappelner „Landarzt“-Kneipe Aurora. Wie die Integration der Geflohenen am besten gelingen könne, lautete die brennende Frage. Auch die anwesende „Doppelspitze“ mit den Landesvorsitzenden Arfst Wagner aus Tetenhusen und Ruth Kastner aus Bargteheide konnte keine Patentrezepte auf den Tisch legen, weil – wie im Verlauf der Diskussion deutlich wurde – nachhaltig wirkende Rezepturen erst noch erfunden werden müssen. Klar war die Erkenntnis, dass die Flüchtlingsproblematik die ganze Gesellschaft schlechthin vor große Herausforderungen stellt.

„Es muss ein erklärtes Ziel sein, vor allem die jungen Zugewanderten für die Teilhabe an unserer Kultur zu gewinnen“, erklärte Deppe. Dazu gehöre beispielsweise die Vermittlung des ökologischen Verständnisses und die Einbindung in die alternative Landwirtschaft. Richtig sei die schnelle und direkte Hilfe bei der Betreuung von vorübergehend auf dem Flensburger Bahnhof Gestrandeten, aber dies betrachte er nur als eine Facette. „Integration in den Bereichen Bildung und Kultur ist keine singuläre Aufgabe, sondern kostet viel Zeit“, ergänzte der Grünen-Sprecher.

Ein Mitdiskutant verlangte, anstelle von „blumigen Reden“ lieber nach praktischen Lösungen zu suchen. Nachdem Ruth Kastner dargelegt hatte, dass ab März nächsten Jahres pro Flüchtling den Ämtern beziehungsweise Kommunen eine einmalige Integrationspauschale von 2000 Euro zugewiesen wird, hegten einige der Anwesenden Zweifel darüber, ob diese Gelder in vollem Umfang für Deutschkurse, Kita-Unterbringung, Wohnraumbeschaffung und fachkundige Behandlung von Traumata ausgegeben werden. Die Grünen-Politiker wollen den Verwaltungen im Kreisgebiet deshalb in Zukunft haushaltstechnisch auf die Finger schauen, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

In Bezug auf den Kostenaufwand für Betreuung und Integration wurden auch Vorbehalte geäußert. Hierzulande gebe es auch viele Bedürftige und Mittellose, die nur spärlich finanziell unterstützt würden, so klang eine Wortmeldung. Junge Ausländer hätten bessere berufliche Chancen als hiesige Langzeitarbeitslose. Dazu Deppe: „Hiermit wird ein sozialer Zündstoff angesprochen.“ Nachbesserungen seien vielleicht nötig, doch das für die Flüchtlinge aufgelegte Finanzierungsprogramm beschere nicht nur dem Einzelhandel höhere Umsätze, stellte Wagner fest. Einig waren sich alle Diskutanten, dass bürokratische Hemmnisse die Kommunen in ihrem eigenständigen Handelsspielraum erheblich behindern.

Zu den positiven Erkenntnissen dieses Abends zählte, dass der unermüdliche Einsatz von ehrenamtlichen Helfern und Lotsen gewährleistet bleibt. Zustimmung fand der Vorschlag für eine baldige Begegnung der Grünen-Spitze mit Bewohnern einer größeren Flüchtlingsunterkunft im Kreisgebiet.

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