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Schleswiger Nachrichten

19. September 2017 | 21:05 Uhr

Friedrichsberg : Arthur, der Findel-Rabe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Gastwirts-Ehepaar Petersen päppelt einen Vogel auf – der nach dem Schleswiger Bürgermeister benannt ist.

von
erstellt am 06.Jun.2015 | 07:16 Uhr

Arthur gibt wohlige Laute von sich. Es hört sich fast so an wie das Schnurren einer Katze. Ist ja auch kein Wunder, wenn ihn seine Mama am Hals krault. Dort hat es Arthur nämlich am liebsten. „Mein kleiner Rabe“, sagt Sylwia Petersen voller Stolz und blickt verliebt auf den schwarzen Vogel auf ihrem Arm. Vor wenigen Tagen ist die 38-jährige Gastronomin holterdiepolter zur Rabenmutter geworden. Da hatte ihr Mann Siegfried „Siggi“ Petersen (53) den kleinen Raben hilflos auf dem Bürgersteig liegen sehen – und ihn in seine Obhut genommen. „Das Tier war sehr unterkühlt. Es muss schon einige Stunden dort gelegen haben“, berichtet der Inhaber von „Gosch’s Gasthof“ im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg. „Jetzt päppeln wir Arthur auf.“ Die Petersens vermuten, dass das gefiederte Findelkind von seiner wahren Mutter aus dem Nest gestoßen worden ist.

Dass es sich bei dem Vogel nicht vielleicht doch eher um eine Krähe handeln könnte, das habe eine Tierärztin ausgeschlossen, die Arthur untersucht hat. „Kein Zweifel, es ist ein Kolkrabe.“ Der kleine Corvus corax, so der wissenschaftliche Name, ist schätzungsweise vier bis sechs Wochen alt.

Und warum heißt Arthur nun ausgerechnet Arthur? „Der Rabe ist nach dem Schleswiger Bürgermeister benannt“, sagt Siggi Petersen und lacht. Denn Arthur Christiansen, auch ein Friedrichsberger, sei just an jenem Tag Gast im Restaurant gewesen und habe deshalb als Namenspatron herhalten müssen.

Anders als der große Arthur schert sich der kleine Arthur aber nicht um Themen wie Theater, Schmid-Villa oder einen neuen Slogan für die Stadt. Dem Vogel geht’s erstmal nur darum, satt zu werden. Alle zwei bis drei Stunden meldet er seine elementaren Bedürfnisse mit einem lauten Krächzen an. Dann schiebt ihm seine Ziehmutter Katzenfutter in den Schnabel und sorgt dafür, dass er auch ordentlich trinkt. Eine echte Herausforderung für das Ehepaar, das aus beruflichen Gründen eigentlich gar keine Zeit für ein Haustier hat. „Zum Glück schläft Arthur nachts durch“, sagt Sylwia Petersen. Dann liegt der Vogel zu Hause in Borgwedel in der Küche brav in seinem Bettchen – eine alte Obstkiste. Den Tag verbringt Arthur draußen in einer Voliere auf dem Balkon. „Damit er sich an die Natur gewöhnen kann.“

In die Natur soll er in einigen Wochen auch wieder entlassen werden. Wird der zutrauliche Arthur den Petersens dann noch die Treue halten, wenn er über den Dächern von Schleswig kreist? „Er soll selbst entscheiden, wie weit er noch an unserem Leben teilnehmen möchte“, sagt Siggi Petersen. Experten zufolge stünden die Chancen fifty-fifty, dass er regelmäßig zu seinen Pflegeeltern zurückkehrt. Auf jeden Fall soll der Rabe, der es auf eine Körperlänge von über 65 Zentimetern und eine Flügelspannweite von bis zu 1,30 Metern bringen kann, auffällig beringt werden, damit ihn die Petersens später wiedererkennen können.

Erst einmal erfreut sich das Gastwirts-Ehepaar aber an den täglichen Fortschritten, die der schlaue Arthur macht. „Er hört schon auf seinen Namen. Und im Garten hüpft er hinter uns her, weicht uns nicht von der Seite. Er ist wie ein kleiner Hund“, sagt Sylwia Petersen.

Arthur Christiansen will seinen Namensvetter unbedingt bald mal besuchen, erzählt Siggi Petersen. „Der Bürgermeister hat sich kaputt gelacht, als er vom kleinen Arthur hörte.“ Ob die Bezeichnung Namensvetter allerdings Bestand hat, ist derweil noch unklar. Denn ob ihr Arthur wirklich ein Männchen oder nicht vielleicht doch ein Weibchen ist, das wissen die Petersens gar nicht. Eine genaue Geschlechtsbestimmung kann die Tierärztin erst in einigen Wochen vornehmen. Den Rabeneltern ist es vorläufig egal. Sie sind einfach nur verzückt. „Arthur ist bildhübsch“, findet Siggi Petersen.

 

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