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Kreis Schleswig-Flensburg : Arme Gemeinde – hohe Hundesteuer

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei der Hundesteuer gibt es zwischen den Gemeinden im Kreis Schleswig-Flensburg gravierende Unterschiede – von 12 Euro in Jagel bis 120 Euro in Sieverstedt.

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erstellt am 27.Okt.2015 | 07:20 Uhr

„Bei einem Blick auf die Tabelle könnte man wirklich meinen, Sieverstedt sei eine Hunde-unfreundliche Gemeinde“, gibt Bürgermeister Finn Petersen zu. Dann erklärt er aber sofort, dass die Gemeindevertretung gar keine andere Möglichkeit hatte. „Die Kommunalaufsicht hat uns wegen unsere finanziellen Schwierigkeiten die Daumenschrauben angesetzt.“ Das bedeutet, dass Sieverstedt aufgefordert wurde, seine eigenen Möglichkeiten, selbst Geld in die Gemeindekasse zu bringen, auszuschöpfen. Anderenfalls, so die Ansage, gibt es keine Fehlbedarfszuweisung. Und deshalb kassiert die Gemeinde Sieverstedt für jeden angemeldeten Hund 120 Euro Steuern. In dieser Beziehung ist Sieverstedt eines der teuersten Pflaster im Kreisgebiet. Finn Petersen nimmt es mit Galgenhumor: „Die Zeit der guten Taten ist endgültig vorbei, für die Bürger und auch für mich gibt es zurzeit nicht viel zu lachen.“

Petersen, selbst kein Hundehalter, ist in der unangenehmen Situation allerdings nicht allein. Die Nachbarn in Oeversee sowie Janneby, die Stadt Kappeln, Süderhackstedt, Holt und viele anderen verlangen mehr als 100 Euro pro Hund. Unangefochtener Spitzenreiter ist die Stadt Glücksburg, die ihre Bürger mit 132 Euro für den ersten und 165 Euro für den zweiten Hund im Haushalt zur Kasse bittet.

Bei der Hundesteuer handelt es sich um eine Abgabe, der keine bestimmte Leistung gegenübersteht, sondern zu Deckung aller kommunalen Aufgaben erhoben wird. Die häufig gehörte Forderung, mit dem Geld müssten eigentlich die Straßen und Gehwege von Hundekot gereinigt werden, hat keine Grundlage.

Während die Bürgermeister in Sieverstedt, Oeversee, Janneby und Glücksburg den Einwohnern immer wieder erklären müssen, warum sie so viel für ihre geliebten Vierbeiner zahlen müssen, ist Jörg Meier in einer ganz anderen Situa  tion. Der Bürgermeister von Jagel kann sich an die letzte Erhöhung der Steuer überhaupt nicht erinnern: „Ich habe seit 20 Jahren einen Hund – und der Satz hat sich seitdem nicht verändert.“ Gerade einmal zwölf Euro zahlen die Jageler für den ersten Hund, der zweite schlägt mit 18 Euro zu Buche – billiger geht es im Kreis Schleswig-Flensburg nicht. Der Grund dafür ist die finanzielle Situation der Gemeinde. „Wir sind nicht reich, haben aber immerhin keine Schulden, sagt Meier. „Warum sollten wir Steuern erhöhen?“

Auch in der 140-Einwohner-Gemeinde Nottfeld im Amt Süderbrarup liegt der Steuersatz bei zwölf Euro. Für Bürgermeister Rainer Grünert gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung: „Wir haben kein Versammlungshaus, keine Straßenbeleuchtung und keine befestigten Gehwege. Und so lange die Menschen damit zufrieden sind, müssen wir auch keine Steuern erhöhen.“ Die Gemeindevertretung werde die Hundesteuer-Satzung in ihrer Dezember-Sitzung zwar noch einmal auf den Tisch bekommen, Grünert glaubt aber nicht daran, dass über eine Erhöhung diskutiert wird.

Ob die Lage so bleibt, kann der Bürgermeister allerdings nicht vorhersagen. „Das Dorf verändert sich – und wenn die Bürger künftig Licht wollen, müssen wir das auch bezahlen.“ Dann könnten auch Steuererhöhungen ein Thema werden.

In Klappholz (Amt Südangeln) hatte die Gemeinde die Steuern Anfang 2014 auf Druck der Kommunalaufsicht von 80 auf 110 Euro heraufgesetzt. Jetzt ist das Steueraufkommen gut – und die Gemeinde dreht die Steuer wieder auf 80 Euro zurück – gegen den Willen das Amtes, das zur Vorsicht mahnte.

Noch einen Schritt weiter geht die Gemeinde Thumby in Schwansen. In der vergangenen Woche machte die Gemeindevertretung Nägel mit Köpfen und beschloss einstimmig, mit Beginn des nächsten Jahres komplett auf die Hundesteuer zu verzichten. Grund war das Geld. Die 82 Hunde spülten bei einem Steuersatz von 15 Euro pro Kopf gerade einmal 1230 pro Jahr in die Kasse. Für Bürgermeisterin Ulrike von Bargen zu wenig: „Das steht in keinem Verhältnis zum Verwaltungsaufwand.“

Thumby verzichtet künftig auf Hundesteuer – und die Straßenbeleuchtung bleibt den Bürgern trotzdem erhalten.

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