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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 08:27 Uhr

Architekt der Reichswehr

vom

1866 wurde im Friedrichsberg der spätere Generaloberst Hans von Seeckt geboren

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Er pries den Krieg als "höchste Steigerung menschlicher Leistung". Er sei "die natürliche, letzte Entwicklungsstufe in der Geschichte der Menschheit", schrieb Generaloberst a. D. Hans von Seeckt 1936 kurz vor seinem Tode in einer Ausgabe der vom Reichskriegsministerium in Berlin herausgegebenen "Militärwissenschaftlichen Rundschau".

Er war ein hochdekorierter, monarchistisch gesinnter Militärstratege und als Politiker ein Anhänger der - um das Mindeste zu sagen - zentralen und starken Staatslenkung. An den einstigen Chef der Heeresleitung, Organisator der Reichswehr und Reichstagsabgeordneten erinnert seit vielen Jahrzehnten eine an seinem Geburtshaus im Herrenstall angebrachte Bronzetafel.

Eine erste Erinnerungstafel war in den Wirren der ersten Nachkriegswochen 1945 verlorengegangen. 1966 wurde anlässlich der 100. Wiederkehr von Seeckts Geburtstag eine neue Tafel an der Hausfassade angebracht, die folgende Inschrift trägt: "Generaloberst Hans von Seeckt wurde in diesem Jahre am 27. April 1866 geboren."

Schon seine unmittelbaren Vorfahren waren hohe Militärs gewesen: Der Großvater väterlicherseits war Offizier, ebenso sein Vater, der während des zweiten deutsch-dänischen Krieges 1864 als Hauptmann mit dem Schlesischen Grenadierregiment Nr. 11 nach Schleswig gekommen war. Da der Garnisonsgeistliche nicht zur Verfügung stand, wurde Johannes Friedrich Leopold, der Hans genannt wurde, in der Friedrichsberger Kirche getauft.

Der Lebensweg von Hans von Seeckt war vorgezeichnet: Unmittelbar nach seinem Abitur am Gymnasium in Straßburg trat er 1885 in das Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 ein. Dort begann er als Fahnenjunker eine militärische Laufbahn, die ihn im Jahre 1899 erstmalig in den Generalstab der Armee führte. Im Ersten Weltkrieg diente er zeitweilig - inzwischen zum Generalmajor befördert - als Generalstabschef der Heeresgruppe Erzherzog Karl. Nach dem verlorenen Krieg leitete er die militärische Sachverständigenkommission bei den Friedensverhandlungen von Versailles. 1920 wurde er zum Chef der Heeresleitung ernannt. In dieser Funktion baute er die neue Reichswehr auf. Als "Architekt der Reichswehr" ist er in die deutsche Geschichte eingegangen.

Sechs Jahre später verabschiedete er sich aus dem Wehrdienst, weil es zwischen ihm und Reichswehrminister Otto Geßler zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war. 1930 zog Seeckt für den Wahlkreis Magdeburg als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei in den Reichstag ein. In den Jahren von 1933 bis 1935 hielt er sich zweimal als Militärberater von Marschall Tschiang Kai-Shek in China auf. Die chinesische Regierung verlieh ihm später einen ihrer höchsten Orden.

Hans von Seeckt machte sich auch als Militärschriftsteller einen Namen. Aus seiner Feder stammen Werke wie "Gedanken eines Soldaten", "Die Zukunft des Reiches" und seine 1932 veröffentlichte Abhandlung "Die Reichswehr". Nach seinem Tode erschien unter Verwendung seines schriftlichen Nachlasses die zweibändige Autobiografie "Aus meinem Leben".

1923 besuchte Seeckt Schleswig und berichtete darüber in einem Brief an seine Frau. "Der gestrige Tag war nach der Morgenarbeit dem Besuch meiner Geburtsstadt gewidmet. Eine komische, endlos sich hinstreckende Stadt habe ich mir da ausgesucht. Ein Familienessen beim Bürgermeister und seiner tüchtigen Frau, dann Besuch des Pfarrers und seiner und meiner Taufkirche nach Vorlage des Kirchenbuches. Dann zum Schloß Gottorp in der Stadt, was jetzt Kaserne ist und eine ganz wunderbare Hofkapelle von 1607 enthält, die unter Führung des alten Pfarrers, der fast mich hätte taufen können, besichtigt wurde."

Die Nachricht vom Tode Hans von Seeckts am 27. Dezember 1936 in Berlin meldeten die Schleswiger Nachrichten als Schlagzeile auf Seite 1. Die Reichsregierung ordnete ein Staatsbegräbnis an, über das die Zeitung ebenso an prominenter Stelle und nazi-nah berichtete: "Deutschlands Abschied von seinem großen Soldaten - Der Führer am Grabe Seeckts."

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