Archäologen auf der Suche nach der Schleswiger Jürgensburg

Die historische Schleswiger Stadtansicht  aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Möweninsel eindeutig bebaut.
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Die historische Schleswiger Stadtansicht aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Möweninsel eindeutig bebaut.

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06. November 2013, 00:32 Uhr

Die Legenden, die sich rund um die Möweninsel ranken, faszinieren die Schleswiger bereits seit Generationen. Wie sah sie aus, die Jürgensburg, die dort einst über der Schlei gethront haben soll? Gab es tatsächlich Brücken, die die Insel mit dem Festland verbunden haben? Und wenn ja: Wo genau verliefen sie? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich seit Januar 2012 Wissenschaftler sowohl vom Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf als auch vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel gemeinsam beschäftigen.

„Zwischen Wikingern und Hanse – Kontinuität und Wandel des zentralen Umschlagplatzes Haithabu/Schleswig im 11. Jahrhundert“: So lautet der Titel eines auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojektes, das zu Großteilen von der Volkswagen-Stiftung finanziert wird. Dabei stellen die sechs Archäologen um Dr. Ralf Bleile und Dr. Volker Hilberg (beide Gottorf) sowie Professor Ulrich Müller (Uni Kiel) die Frage in den Vordergrund, wie der Übergang vom wikingerzeitlichen Handelsplatz Haithabu hin zum zentralen Mittelalterhafen Schleswig ausgesehen haben könnte.

Am vergangenen Wochenende wurde in diesem Zusammenhang nun erstmals die Möweninsel gründlicher unter die Lupe genommen. „Wir haben dort erst einmal mit einigen Studenten mit einem Bohrpraktikum angefangen“, sagt Felix Rösch vom Archäologen-Team. Bei rund 80 Bodenbohrungen habe man dabei bereits erste Ergebnisse erzielt. So sei man auf der Suche nach der genauen Position und den Ausmaßen der Jürgensburg auf Erdwälle und Ziegelbruchschichten gestoßen.

Rösch schreibt im Zuge des Forschungsprojektes zurzeit an seiner Doktorarbeit über die Baustruktur des Schleswiger Hafens. „Dabei spielt die Möweninsel eine wichtige Rolle. Nicht nur, weil sie in einer Schriftquelle aus dem 12. Jahrhundert als Zollstation des Hafens genannt wird“, erläutert er. Auch die beiden, wahrscheinlich hölzernen, Landverbindungen interessieren den Archäologen. „Dass es eine Brücke nach Norden gegeben hat, davon gehen wir inzwischen fest aus. Ob es aber auch eine Verbindung nach Süden gab, so wie sie auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert abgebildet ist, das versuchen wir noch herauszufinden“, sagt Rösch. Deshalb würden am kommenden Freitag sowie Sonnabend Taucher das Schleiwasser rund um die Möweninsel nach möglichen Resten der Anlagen absuchen.

So oder so haben die Archäologen des Forschungsprojektes, zu denen auch Kerstin Greve und Michaele Schimmer zählen, aber auch jetzt schon einige spektakuläre Erkenntnisse gewonnen. Insbesondere die Auswertung von Grabungen, die unter Leitung des legendären Schleswiger Archäologen Volker Vogel in den 1970er Jahren an der Plessen- und Hafenstraße sowie am Hafengang vorgenommen wurden, haben dabei im Mittelpunkt gestanden. Inzwischen könne man laut Felix Rösch davon ausgehen, dass Schleswig und Haithabu „etwa eine Generation lang nebeneinander existiert haben“. Ebenso sei es sicher, dass Schleswig einige Jahrzehnte älter ist als bislang (man ging vom Jahr 1071 aus) angenommen . Rösch: „Die Auswertung von Holzfunden aus dem Hafengang lassen dieses Schluss eindeutig zu.“

Nachdem das Projekt Ende 2014 ausgelaufen ist, werden die Ergebnisse voraussichtlich in einer Ausstellung auf Schloss Gottorf präsentiert. „Und ich hoffe“, so betont Felix Rösch, „dass wir in den kommenden Jahren mal drei, vier Wochen am Stück auf der Möweninsel graben können, und zwar richtig“.

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