Apostel Ansgar legte den Grundstein

Die St.-Andreas-Kirche befindet sich gegenüber des Schleswiger St.-Petri-Doms, auf dem Südufer der Schlei. Foto: video-kopter.de
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Die St.-Andreas-Kirche befindet sich gegenüber des Schleswiger St.-Petri-Doms, auf dem Südufer der Schlei. Foto: video-kopter.de

4. Folge unserer Kirchenserie: Beim Haddebyer Gotteshaus verbergen sich außergewöhnliche Kunstschätze hinter dicken Mauern

shz.de von
19. Juli 2013, 03:59 Uhr

Busdorf | Mit Ansgar fing alles an. Der Apostel des Nordens errichtete in Haithabu im Rahmen seiner Missionierung ein Gotteshaus. Rund 300 Jahre später entstand vermutlich an derselben Stelle die heutige St.- Andreas-Kirche. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Die Kirche liegt am Südufer der Schlei, gegenüber von Schleswig.

Die Gemeinde steht in großer historischer Tradition. Im Jahr 849 ließ Ansgar, der damals Bischof von Hamburg war, das hölzerne Bauwerk errichten, und schuf zugleich die erste bezahlte Planstelle für einen Pastoren. Zu jener Zeit hatte er den Auftrag, Dänemark und später ganz Nordeuropa zu christianisieren. In Haddeby ist er damals zu seiner friedlichen Mission aufgebrochen.

Heute erinnert ein Denkmal an den Apostel. Es besteht aus 144 aufgestellten Wikinger-Speeren, auf denen ein überdimensionales Kreuz liegt. Auf einer Metalltafel wurden in deutscher, dänischer und lateinischer Sprache die folgenden Worte von Ansgars Nachfolger und Biograf Rimbert verewigt: "Und es entstand große Freude an diesem Ort."

Die St. Andreas-Kirche ist 1180 entstanden. Sie steht allein an einem Kreuzungspunkt auf dem Handelsweg, denn damals gab es an der Stelle kein Dorf. Fritz Gehrmann, Vorsitzender des Kirchenvorstands, erklärt, dass sie aus Feldsteinen bestehe, weil diese ein preiswertes Baumaterial gewesen seien. Wie bei vielen anderen Kirchen, die im 12. Jahrhundert errichtet wurden, hat auch St. Andreas 1,40 Meter dicke Wände. Den Grund für dieses historische Phänomen kennt Gehrmann genau: "Damals haben die Menschen abgeschätzt, wie breit die Wände sein müssen, um das Dach noch tragen zu können."

Im Inneren des antiken Gotteshauses verbergen sich viele außergewöhnliche Kunstschätze. Einer davon ist der dreiflügelige Altar von 1450. Dieser wird jedes Jahr an Karfreitag abgeräumt und verschlossen. Erst am Ostersonntag wird er symbolisch für die Auferstehung Christi wieder geöffnet. "Mit schönen bunten Figuren ist er verziert", sagt Gehrmann. Die Orgel aus der dänischen Marcussen-Werkstatt ist 1905 entstanden und hat die ehemalige Orgel ersetzt. Besonders ist auch das Triumphkreuz an der Nordwand aus der frühgotischen Zeit. Die Taufe aus Kalkstein stammt aus dem dänischen Gotland - wie bei vielen anderen Kirchen. Die schwedische Insel war seinerzeit für ihren außergewöhnlichen und haltbaren Kalk bekannt.

Vor vier Jahren wurde die St.-Andreas-Kirche saniert. Der Feldsteinputz an den Wänden wurde laut Gehrmann durch stabileren Muschelkalk ersetzt und das Dach mit Schiefer eingedeckt. Bereits in den 1950er Jahren wurde die Seitenempore abgebaut und durch Kirchengestühl ersetzt. Die Entscheidung sei nicht einfach gewesen: Einerseits sollte der Urzustand der Empore erhalten bleiben, andererseits fehlte der Platz in der Kirche. Einen Vorteil hat der Umbau auf jeden Fall: Der Innenraum ist nun wesentlich heller.

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