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Schleswig : Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz mehrfacher Beschwerden: Bewohner der Langen Straße und des Polierteichs klagen weiterhin über Falschparker und Raser.

von
erstellt am 20.Okt.2015 | 07:56 Uhr

Zwei Straßen, zwei Probleme und zweimal Anwohner, die – gelinde gesagt – genervt sind. Sowohl am Polierteich als auch in der Langen Straße hat sich eine Menge Frust angestaut. Bereits im vergangenen Frühjahr hatten jeweils zahlreiche Bewohner mehrfach bei der Stadt um Hilfe gebeten. In beiden Fällen berichteten auch die SN über ihre Sorgen. Passiert ist bislang jedoch kaum etwas. Noch immer wird im Polierteich viel zu schnell gefahren. Und noch immer ist Falschparken in der Langen Straße an der Tagesordnung.

„Anstatt besser, ist es sogar noch schlimmer geworden“, sagt Peter Hartz. Im Rathaus ist er inzwischen längst ein bekanntes Gesicht. Briefe, E-Mails, Anrufe, persönliche Besuche. Der 56-Jährige hat inzwischen – auch im Namen seiner Nachbarn – alles versucht, um sich Gehör bei der Stadt zu verschaffen. Er war es auch, der sich im März bei den SN meldete, um öffentlich seinem Ärger über die Situation in der Langen Straße Luft zu machen. Konkret geht es um den südlichen Teil der Straße. Allabendlich reiht sich dort – auf den roten Streifen, auf denen eigentlich ein Parkverbot gilt – ein Auto an das andere. Bis zu 30 täglich hat Hartz gezählt. Der Zugang zu den Häusern werde dadurch verstellt, Fußgänger müssten auf die Fahrbahnmitte ausweichen, das Auto eines gehbehinderten Nachbarn werde ständig zugeparkt. Dazu käme der Lärm, klagt Hartz. „Hier ballern ständig Autotüren. Und wenn man den Leuten mal was sagt, wird man nur angepöbelt. Aber all das interessiert bei der Stadt ja keinen“, sagt er.

Rathaussprecherin Antje Wendt erklärt nun auf Nachfrage, dass Vertreter des Bau- und Ordnungsamtes das Thema sehr wohl „eingehend beleuchtet“ hätten. Während es jedoch im April noch hieß, „dass eine entsprechende Straßenmöblierung nachhaltig zu einer Verbesserung führen kann“ (diese sollte dann „sukzessive erfolgen“), heißt es nun: „Bauliche Maßnahmen wie Poller sind derzeit nicht zielführend.“ Dies würde nur zu einer Verlagerung der Probleme in andere Bereiche der Altstadt führen. Deshalb verweist Wendt – mit Blick auf eine „Gesamtschau“ – auf das neue Verkehrskonzept der Stadt, das erstmals konkret in der Februarsitzung (2016) des Bauausschusses eingehend diskutiert werde. Bis dahin werde es natürlich eine regelmäßige Überwachung der Situation in der Langen Straße durch die Stadt geben. In der erforderlichen Intensität könne dies aber nicht geleistet werden.

Gleiches gilt offenbar auch für Geschwindigkeitskontrollen im Polierteich. Das zumindest beklagen die Anwohner. Obwohl man in der Straße nur Schrittgeschwindigkeit fahren darf, würde sich kaum ein Autofahrer daran halten. Das sei besonders gefährlich, weil die Straße gerade im oberen Bereich sehr eng ist und viele Hauseingänge direkt auf die Fahrbahn führen. Die Stadt jedoch sieht – trotz der anhaltenden Anwohnerbeschwerden – dort keinen Handlungsbedarf. Durch die Beschilderung, die auf der Straße aufgebrachten silbernen „Kölner Teller“ und die versetzten Parkplätze am Fahrbahnrand ergebe sich eine ausreichende Verkehrsberuhigung.

Das sieht Anwohner Hartmut Röhl allerdings ganz anders. „Die sollen sich mal einen Tag hierhin stellen. Dann beobachtet man, wie die Autos die Straße hochbrettern“, sagt er. Besonders ärgere ihn, dass sich – wenn man nachfragt – Stadt und Polizei gegenseitig die Verantwortung zuschieben würden und niemand die Sorgen der Anwohner ernst nehme. Diese fordern unter anderem schärfere Kontrollen und eine bessere Beschilderung. Aber: „Man verliert die Hoffnung, dass einem dabei geholfen wird“, sagt Röhl. Auch seine Nachbarin Anita Hesse klagt: „So langsam sind wir hier alle frustriert. Wahrscheinlich muss erst ein Unglück passieren, bis sich endlich was bewegt.“

Darauf allerdings wollen Röhl, Hesse und die anderen Anwohner nicht warten. Sie haben sich inzwischen schriftlich an das Kieler Verkehrsministerium gewandt. Gleichzeitig werden zurzeit Unterschriften gesammelt. Auch Peter Hartz aus der Langen Straße sagt im Namen seiner Nachbarn. „Wir werden uns jetzt an höhere Stellen wenden.“

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