Neubau in Schleswig : Anwohner befürchten Enge wie in Großstadt

Die Lage: Insgesamt ist das Areal 3000 Quadratmeter groß. Links ist ein Grünstreifen vorgesehen. Die Zufahrt zu den Parkplätzen erfolgt über die Moltkestraße.
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Die Lage: Insgesamt ist das Areal 3000 Quadratmeter groß. Links ist ein Grünstreifen vorgesehen. Die Zufahrt zu den Parkplätzen erfolgt über die Moltkestraße.

Schleswiger Eigenheimbesitzer sorgen sich um einen Neubau in der Mitte ihrer Siedlung. Sie sehen eine "verdichtete Großstadtbebauung" auf sich zukommen.

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29. März 2013, 02:55 Uhr

Schleswig | Ein Erdgeschoss, ein Obergeschoss, 14 Wohnungen, allesamt barrierefrei - so stellt sich der Bauunternehmer Kai Lorenzen aus Süderbrarup das Gebäude vor, das er zwischen Gartenstraße und Moltkestraße errichten will. Nicht barrierefrei verläuft hingegen die Planung des Projekts. Anwohner kritisieren den Entwurf der Architekten als überdimensioniert. Einen ersten Teilerfolg haben sie errungen: Der Bauausschuss hat das vom Bauamt empfohlene beschleunigte Bauleitverfahren vorläufig gestoppt. Bei seiner nächsten Zusammenkunft will sich das Gremium das Vorhaben des Unternehmers vor Ort erläutern lassen.

Das Grundstück, das Baustelle werden soll, ist 3000 Quadratmeter groß. Weder von der Gartenstraße noch von der Moltkestraße aus lässt sich das Areal überblicken. Erst von den Gärten der Anlieger aus kann man sich einen Eindruck von der Wiese verschaffen, die mit Obstbäumen gespickt ist. "Ursprünglich wollten wir zweieinhalbgeschossig bauen. Das wäre dem Bauamt zu hoch gewesen, jetzt haben wir uns auf zwei Geschosse geeinigt", sagt Bauunternehmer Lorenzen. Knapp neun Meter betrage die Firsthöhe. Damit werde ein akzeptables Höhenverhältnis zur übrigen Bebauung geschaffen. Im Rathaus sieht man das genauso.

Wohnqualität leidet unter Einzelinteresse des Investors

Für die Anwohner ist allerdings nicht die Höhe des Gebäudes das Problem. Sie stören sich an den Ausmaßen. "Das Verhältnis von bebauter zu unbebauter Fläche ist vergleichbar mit einer verdichteten Großstadtbebauung", sagt Bärbel Mitransky. Mehr als 50 Prozent der Grundstücksfläche würden versiegelt, üblich sei in dem Areal zwischen Moltkestraße und Gartenstraße deutlich weniger als die Hälfte. Sie zitiert das Baugesetzbuch. Demnach sei ein Bauprojekt zulässig, wenn es sich "nach Art und Maß der baulichen Nutzung und der Bauweise in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt." Das sei hier nicht der Fall.

Ihr Ehemann, Dr. Uwe Mitransky, fühlt sich von der Stadt "ein bisschen übergangen". Man sei nicht darüber informiert worden, dass für das Gebiet eine Bauleitplanung vorgesehen sei. Die Anwohner Fritz und Liese-Lott Harder werfen in einem Schreiben an die Stadt die Frage auf, "ob dem Einzelinteresse eines Investors Vorrang gegeben werden soll vor der bisher von der Stadt geförderten Erhaltung erhöhter Wohnqualität für insgesamt zwölf Grundstücke der betroffenen Anrainer?"

Investor will mit Anwohnern sprechen

Dabei wollen die Anwohner einen Neubau auf der Wiese im Herzen ihres Wohngebiets nicht generell verhindern. Bärbel Mitransky: "Man kann einem Eigentümer nicht verwehren, sein Grundstück zu nutzen." Ihr Kompromissvorschlag lautet: Der Investor sollte auf dem Grundstück maximal drei Einfamilienhäuser errichten.

Diese Lösung käme für Bauunternehmer Lorenzen allerdings nicht in Frage. Er verweist auf den schwierigen Baugrund, der hohe Kosten verursache. Ein Teil des Bodens müsse wahrscheinlich ausgetauscht werden. "Der Bau von drei Einfamilienhäusern wäre da nicht wirtschaftlich." Wenn der Bauausschuss sich vor Ort einen Überblick verschafft, will Lorenzen auch mit den Anwohnern ins Gespräch kommen. Er ist zuversichtlich, auf Verständnis zu stoßen, "wenn man die Pläne vernünftig darstellt".

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