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Baltic Open Air in Schleswig : Anti-Frei.Wild-Abend: Offene Worte hinter dunklen Vorhängen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rund 50 Frei.Wild-Gegner diskutieren im „Hohenzollern“ über Protest gegen Baltic Open Air. Die Atmosphäre war skurril.

Es sah nahezu gespenstisch aus. Schwarze Vorhänge verdunkelten den kleinen Saal im Hotel Hohenzollern. Im Halbdunkel war nur mit Mühe zu erkennen, wer die rund 50 Menschen waren, die der Einladung der Initiative „Keine Bühne für Nationalisten“ gefolgt waren.

Es ging um das Baltic Open Air (BOA) am 28. und 29. August auf der Freiheit und um die Band Frei.Wild, den umstrittenen Headliner des Festivals. Die Initiative um ihren Sprecher Max Schumacher hatte als Referenten Jörg Welzer eingeladen, einen Rechtsextremismus-Experten aus Gütersloh, der familiäre Bindungen nach Flensburg hat und schon häufiger an Schulen im Kreisgebiet aufgetreten ist.

Welzer brachte zunächst wenigstens etwas Licht ins Dunkel, als er einen der verschlossenen Vorhänge öffnete. Nun war zu erkennen, dass sich im Publikum neben überwiegend jungen Männern und einigen Frauen auch drei Mitglieder der Ratsversammlung befanden: die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen, Stephan Dose und Johannes Thaysen, sowie Ingo Harder von der Wählergemeinschaft BfB.

Die Veranstalter hatten im Vorwege angekündigt, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, falls Vertreter rechtsextremer Organisationen erscheinen sollten. Dazu kam es aber nicht. Die Veranstaltung verlief vollkommen ruhig, und das auch in dem Moment, als Ingo Harder unter Protest den Saal verließ, weil Welzer gesagt hatte, er persönlich würde niemals eine Nationalhymne singen, weder die deutsche noch irgendeine andere. Harder empfand das als „Hetzkampagne“.

Ein anderer Teilnehmer der Veranstaltung hingegen meinte, Welzer würde Frei.Wild verharmlosen. Der Referent hatte zu Beginn des Abends klargestellt: „Ich muss jeden enttäuschen, der erwartet, dass ich sage, beim Baltic Open Air stehen Nazis auf der Bühne.“ Aus seiner Sicht sei die Band nicht rechtsradikal. „Das sind einfach nur nationalistische Spießer.“ Welzer sprach von „rechtsoffener“ Musik. „Ich wette darauf, dass die Leute, die Frei.Wild hören, Leute kennen, die echten Rechtsrock hören.“

Kaum hatte er das gesagt, war der dunkle Raum erfüllt von den tiefen Stimmen des Schleswiger Shanty-Chors, der im Nachbarsaal ein Konzert für die Hotelgäste gab. Ein Veranstaltungsteilnehmer, André Meyhoff, schlug nach mehr als einer Stunde vor, das Licht einzuschalten, um der Situation etwas von ihrer Skurrilität zu nehmen. Er wurde erhört, und im Schein der Kronleuchter waren die Frei.Wild-Liedtexte, die Welzer an die Wand projizierte, weiterhin gut lesbar.

Von nun an kamen die Besucher etwas mehr miteinander ins Gespräch. Man diskutierte, ob und wie man während des Baltic Open Air gegen das Festival protestieren solle. Man sprach über andere umstrittene Künstler, die dort auftreten, nämlich die Band „Kärbholz“ und den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell. Auch ging es um die Frage, ob es erfolgversprechend ist, parallel zum BOA ein Gegen-Festival in Flensburg zu veranstalten. In Flensburg, meinte Welzer, „wäre das Baltic Open Air in dieser Form nicht möglich gewesen“, dort wäre der Protest deutlich lauter ausgefallen als in Schleswig.

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erstellt am 11.Aug.2015 | 15:00 Uhr

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