Schleswig : Ansturm auf die Fitness-Studios

Augen zu und durch: Heinz-Otto Chilko schwitzt im Vitalien.
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Augen zu und durch: Heinz-Otto Chilko schwitzt im Vitalien.

Eine ganze Branche profitiert davon, dass viele Schleswiger ihre guten Vorsätze fürs neue Jahr in die Tat umsetzen.

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05. Januar 2015, 17:58 Uhr

Neues Jahr neues Glück – das denkt sich nicht nur der ein oder andere Sportler, der sein Hobby in der Vorweihnachtszeit oder auch in den vergangenen Jahren ein wenig schleifen gelassen hat, sondern auch die Betreiber der Fitnesskette Well-You. Diese wollen, im ehemaligen „Spiel und Spaß“-Gebäude, den Fitnessmarkt in Schleswig ab Mitte Januar erweitern. Eine Mitarbeiterin bezeichnet die bisherige Nachfrage nach Verträgen als „gut“.

Doch wie sieht es zum Jahreswechsel mit den Anmeldungen in den Fitness-Studios der Stadt im Allgemeinen aus? Laut einer Umfrage einer Berliner Tageszeitung wollen dieses Jahr 55 Prozent der Befragten „mehr Sport treiben“ – Tendenz steigend. Zu diesen Menschen gehört auch Jane-Leander Ullrich. Der 14-Jährige hatte jetzt seinen ersten Trainingstag im „Fit for Life“ im Gewerbegebiet St. Jürgen. Seine Mutter sei die entscheidende Motivatorin gewesen, wieder mit dem Sport anzufangen, nachdem er vor einigen Jahren das Fußballspielen aufgegeben hatte, sagte er.

Maximilian Duus, Schüler der A.P.-Møller-Schule, besucht bereits seit zwei Jahren das „Vitalien“ am Stadtfeld. Hat er in der Vergangenheit zum Jahreswechsel einen „Run“ auf die auf die Geräte des Studios beobachtet? „An Neujahr ist es immer voll hier. Da wollen die Leute gleich Gas geben“, sagt er schmunzelnd, bevor er wieder zurück auf den Stepper steigt.

Diesen Eindruck kann Sven Hering, der Chef des „Vitalien“, statistisch unterfüttern:„Jedes Jahr aufs Neue. Rund 40 bis 50 Prozent mehr Anmeldungen haben wir in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Rest.“ Die guten Vorsätze, die sich viele zu Anfang des Jahres machen, seien aber nur ein Grund für dieses Phänomen: „Im Winter kann man draußen auch einfach weniger Sport machen und die Leute haben am Jahresanfang mehr Zeit als im November, Dezember, wenn sie im Vorweihnachtsstress sind.“ Im Laufe des Jahres ebbe dieses „Strohfeuer“ aber ab. Das gilt nicht nur für die Anmeldungen, sondern auch für die regelmäßige Nutzung der Fitness-Geräte.

Um der erhöhten Nachfrage zum Jahreswechsel gerecht zu werden, setzt etwa das „Fit for Life“ auf sogenannte „Weihnachtsbriefe“, die an ihre Mitglieder verschickt werden, um neue Kunden mit einem Gutschein für einen kostenlosen Trainingsmonat zu werben. Ähnliche Ambitionen hat das „Clever fit“ an der Berliner Straße mit seinem „Weihnachtsspezial“. Bleibt die Frage, wer außer Leuten wie Jane-Leander, für die ein „frohes Neues“ mit mehr körperlicher Ertüchtigung verbunden ist oder denjenigen, die schlicht und ergreifend abnehmen wollen, sonst noch ins Fitness-Studio gehen? Laut Hering sind es neben Menschen mit „medizinischen Leiden“ auch „die Älteren, die möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen wollen“ und sich deshalb körperlich fit halten wollen. Die kleinste Gruppe stellen die klassischen Bodybuilder dar.

Knapp acht Millionen Mitglieder besuchen die 7300 Fitness-Studios in Deutschland. Damit hat die Fitnessbranche selbst den traditionell mitgliederstärksten Sport hierzulande – den Fußball – zahlenmäßig überholt. Als Grund für den Erfolg dieser Branche in den letzten Jahrzehnten nennt der Unternehmer Sven Hering die Tatsache, dass „weniger körperlich gearbeitet werde als früher“, weshalb die Leute einen Ausgleich für ihren Berufs- oder Schulalltag suchen. Außerdem sei das Bewusstsein für einen gesünderen Lebensstil im Allgemeinen gestiegen.

So war es auch bei Heinz-Otto Chilko, der nicht nur ein selbstbestimmtes Leben im hohen Alter führen will, sondern auch erkannt hat, dass er sich dank des Sports „mit Sicherheit besser fühlt als früher.“ Während der Rentner eine Pause an der Zugmaschine einlegt, blickt er nachdenklich auf seine Vergangenheit zurück und murmelt: „Nee, früher habe ich gar keinen Sport gemacht, auch nicht als Jugendlicher.“ Das Vitalien haben ihm Bekannte empfohlen. Mit guten Neujahrsvorsätzen hat es bei ihm nichts zu tun gehabt, als er vor etlichen Jahren angefangen hat zu trainieren. Manchmal braucht es eben einen Anstoß, ob es nun Vorsätze sind oder nicht.

Einen Anstoß, um mehr Sport zu machen und um abzunehmen, brauchten auch die Teilnehmer des Städtewettbewerbs, an dem sich Kleingruppen aus acht Städte aus dem ganzen Land beteiligen. Ein Fitnessstudio benötigen sie für ihr Vorhaben nicht zwangsläufig - die Gruppen setzen auf ausgefeilte Trainingsprogramme ihrer jeweiligen Trainer und die Gruppendynamik.

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