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Übergang Reesendamm in Busdorf : Anrufschranken in SH: Gefahr an den Bahnschienen?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anrufschranken werden nur nach Kontaktaufnahme über eine Gegensprechanlage geöffnet – zumindest in der Theorie.

Busdorf | Der Bahnübergang Reesendamm in Busdorf (Kreis Schleswig-Flensburg) ist Karl-Heinz Wolff vertraut. Er ist im Amt Haddeby für die Flüchtlingsunterkünfte zuständig – und zwei der Häuser liegen hinter diesem Bahnübergang. Der ist in den letzten Wochen durch einige gefährliche Vorfälle ins Gerede gekommen. Nachdem dort Personen beobachtet worden waren, die den Übergang trotz geschlossener Schranken überquert hatten, sprach die Polizei von Lebensgefahr durch die Züge, die mit bis zu 160 km/h unterwegs seien, und drohte mit 350 Euro Strafe.

Der Übergang ist mit so genannten Anrufschranken ausgestattet. Die gibt es nur noch relativ selten und nur dort, wo wenig Kreuzungsverkehr zu finden ist. „In Schleswig-Holstein haben wir noch sieben solcher Übergänge“, teilte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage mit. Die Anrufschranken werden von der Bahn mit Vollschranken gleichgesetzt – mit dem Unterschied, dass sie grundsätzlich geschlossen sind. Will jemand zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto passieren, muss er über eine Gegensprechanlage mit dem Fahrdienstleiter im Schleswiger Stellwerk Kontakt aufnehmen. Der öffnet die Schranken, wenn er sich vergewissert hat, dass die Strecke frei ist. Nach dem Überqueren der Bahnstrecke muss sich der Passant erneut melden, damit der Fahrdienstleiter weiß, dass sie Gleise wieder frei sind und er die Schranken wieder schließen kann.

So weit die Theorie. In der Praxis ist zumindest ein Fall belegt, in dem ein Güterzug bei geöffneter Schranke vorbeifuhr. „Hierzu fehlen uns die genauen Daten“, ließ die Bahn wissen. Grundsätzlich müsse ein Zug, wenn die Schranken nicht geschlossen werden können, vor dem Übergang stoppen, ein Hupsignal geben und dürfe dann nur im Schritttempo weiterfahren. Zudem der Hinweis: „Durch das Andreaskreuz ist die Vorfahrt für Schienenfahrzeuge klar geregelt.“

Das weiß auch Karl-Heinz Wolff – ebenso wie die Kinder, die in den Häusern hinter dem Bahnübergang wohnen und diesen auf ihrem Schulweg mehrfach täglich überqueren müssen. Einen anderen Weg gibt es für die nicht – hinter ihrem Wohnhaus endet der Weg zwischen Feldern und Wiesen.

Karl-Heinz Wolff weist auf die grundsätzliche Gefahr des einsam gelegenen Bahnübergangs hin – nicht nur, wenn ein Fehler des Bahn vorliegt, wie bei dem durchfahrenden Güterzug. „Ich selbst habe schon mehr als 20 Minuten vor dem Bahnübergang gewartet, obwohl ich den Knopf mehrfach gedrückt hatte. Und obwohl ich mir der Gefahr bewusst bin und ich mich für vernünftig halte, schoss mir doch die Frage durch den Kopf, ob ich nicht doch schnell rüberlaufen sollte.“ Wolff lief natürlich nicht. Aber er stellt die Frage, wie wohl ein 14 oder 15 Jahre alter Jugendlicher reagieren würde, der ohne Antwort vor dem Übergang warten und befürchten muss, den Schulbus zu verpassen. „Ich habe sogar schon einen älteren Herrn mit Hund durchschlüpfen sehen.“ Eine Patentlösung sieht auch Wolff nicht. Aber er weiß, dass der Bahnübergang eine Gefahr darstellt – und hofft, dass alle Passanten aufpassen und niemand mehr vergisst, die Schranken zu schließen.

(Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, ein Güterzug sei mit etwa 100 km/h an der geöffneten Schranke vorbeigerast. Das war nicht der Fall.)

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erstellt am 14.Feb.2017 | 07:04 Uhr

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