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Bürgermeisterkandidat Frank Neubauer : Anpacker mit Bereitschaft zum Risiko

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Er war jahrelang erster Stellvertreter von Thorsten Dahl, jetzt tritt der Polizeibeamte Frank Neubauer gegen den Amtsinhaber an – als Kandidat der CDU mit Unterstützung der FDP.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Der Kandidat bittet darum, den Gesprächstermin mit den SN um eine halbe Stunde nach vorne zu verschieben. Warum? „Sonst könnte es eine Kollision mit der nachfolgenden Verpflichtung im Rathaus geben.“ Als der Bürgermeister in spe dann am Tisch im Haddebyer Odins Platz nimmt, ist er pünktlich und bestens präpariert. Einer Mappe mit Gummizug entnimmt er sein 27-seitiges „Arbeitsprogramm für Schleswig“ und präsentiert es dem Journalisten. Frank Neubauer fühlt sich wohl, „wenn ein Termin ordentlich vor- und nachbereitet“ wird.

Und bei dieser Nachbereitung sind wir jetzt. Ob ordentlich? Das wird sich zeigen. Jedenfalls sind ja die Grunddaten Neubauers bekannt. Sie stehen auch in dem nach oben offenen „Arbeitsprogramm“, das er als einziger der Kandidaten als aufwendig gestaltete Broschüre vorhält, und er arbeitet im Wahlkampf durchaus offensiv damit.

Die Thematisierung seiner Familie wirkt ungewöhnlich, ist ihm aber ein Anliegen. Denn die Familie ist, so sagt er, „mein Kraftzentrum“, seine Burg. Das geht soweit, dass auch für seine Freunde und Unterstützer eine Einladung zu Neubauers, Paulihof 1, Seltenheitswert hat. Dort will er ungestört sein und „auch mal im Jogginganzug herumlaufen dürfen“.

Bald sind die Kinder aus dem Haus, der Sohn studiert bereits in Sonderburg. Dann werden Sabrina und Frank Neubauer noch mehr Zeit für ihr Hobby „Städtereisen“ haben, Frankfurt am Main stand letztens auf der Agenda, Las Vegas ist ein Wunschprogramm. Vielleicht aber muss das alles noch warten, falls … Das Einverständnis seiner Frau für den potenziellen Job als Verwaltungschef einzuholen, war für den Familienmenschen Neubauer selbstverständlich.

Bei solch einem Sozialverhalten liegt eine Prägung durch die Eltern nahe. Und tatsächlich betont Neubauer die Rolle seines Elternhauses. „Ich bin in einer gepflegten Gesprächskultur aufgewachsen“, erinnert er sich. Streit sei immer möglich gewesen, aber nach einer Stunde auch erledigt. Von seinem Vater, der „aus einer Hamburger Unternehmerfamilie“ stammte, hat er zudem eine ausgeprägte Risikobereitschaft mitbekommen. Neubauer gehört nicht zu den ewigen Bedenkenträgern und Zauderern. Er will gestalten, das ist zu Recht sein Ruf, und er wird einen Fehler dabei dem Gar-nichts-Tun vorziehen.

Sicherlich dürften diese Freude am Anpacken und die Fähigkeit dazu auch mit seinem Job als Polizeibeamter zusammenhängen. In den 31 Jahren seiner Laufbahn, bei der der zweite Bildungsweg eine wichtige Weichenstellung war, hat der früher so passionierte Wasserballspieler „alles erlebt“ und konnte sich doch nie in die Büsche schlagen. Auf meine Frage, wozu Polizei eigentlich gut sei, hat er schnell eine Antwort parat, und zwar in dieser Reihenfolge: „Hilfe leisten, wo es nötig ist, und darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden.“

Frank Neubauer ist ein so erfolgreicher wie untypischer Polizeibeamter. Auch als Bürgermeister würde der Diplom-Verwaltungswirt wohl bei allem Hang zur präzisen Vor- und Nachbereitung kein Paragraphenreiter sein. Ein Indiz: Als „Fremdsprachen“ gibt er auf seiner Website „Englisch, Behördendeutsch“ an. Da freuen sich bestimmt schon die künftigen Mitarbeiter im Rathaus.


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