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Sörup : „Annahme verweigert“: Wie an einer Post-Schlamperei beinahe eine Freundschaft zerbrach

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Maria Eberhard aus Sörup hätte wegen eines nicht zugestellten Päckchens fast ihre langjährige Brieffreundin verloren.

von
erstellt am 05.Jan.2016 | 18:50 Uhr

Brieffreundschaften sind selten geworden in Zeiten von Facebook und WhatsApp. Doch wer am seitenlangen Schreiben festhält, weiß diese traditionelle Form der Kommunikation umso mehr zu schätzen. So wie Maria Eberhard aus Sörup. Seit 30 Jahren schreibt sie sich mit ihrer alten Freundin Evi aus Stuttgart. „Wir haben früher mal im selben Chor gesungen“, erzählt die gebürtige Heidelbergerin. Vier bis fünf Mal pro Jahr schickt sie Post Richtung Süden. „Ich habe einfach Spaß am Schreiben“, sagt die 61-Jährige. „Mit würde ohne die Briefe etwas fehlen.“

Doch jetzt wäre diese wertvolle Freundschaft beinahe in die Brüche gegangen. Und Schuld daran hätte die Deutsche Post gehabt. Aber der Reihe nach.

Kurz vor Weihnachten erhielt Maria Eberhard von ihrer Freundin einen Brief mit den besten Wünschen fürs Fest – als Geschenk hatte Evi einen Kalender mit eingepackt. Umgehend schickte die Söruperin ihrerseits ein Päckchen mit selbst gebackenen Plätzchen auf die Reise. Am 30. Dezember später kam die Sendung jedoch zurück – mit dem Vermerk „Annahme verweigert“. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt Maria Eberhard. „Für einen Moment war ich geneigt, mich zurückzuziehen.“ Doch dann sei für sie klar gewesen, dass da irgendwas nicht stimmen kann. „Die Evi schreibt mir doch nicht zwei Tage vor Weihnachten einen furchtbar netten Brief und verweigert kurz darauf die Annahme meines Päckchens.“

Maria Eberhard tat das, was sie sonst nie tut, wenn sie den Kontakt zu ihrer Freundin sucht. Sie griff zum Telefonhörer. Die Nummer hatte sie sich von der Auskunft besorgt. Und dann erklärte ihr Evi, was sie selbst schon geahnt hatte – das Päckchen ist gar nicht zugestellt worden. „Wenn ich das mit dem Vermerk Ernst genommen hätte, wäre unsere Freundschaft zerbrochen“, sagt Maria Eberhard.

Die studierte Gesangspädagogin vermutet, dass der betreffende Zusteller in der stressigen Weihnachtszeit keine Lust gehabt hat, sämtliche Post auszutragen – und das Päckchen ganz einfach mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ versehen hat.

Bei der Post hat sie sich umgehend beschwert. Doch der Mitarbeiter, den sie über die Servicehotline erreichte, habe den Fehler des Unternehmens nicht einräumen wollen. „Stattdessen ist er auch noch ausgesprochen unverschämt gewesen.“ Das Porto von 3,95 Euro habe die Post ihr auch nicht erstatten wollen, ärgert sich Maria Eberhard.

Post-Sprecher Martin Grundler räumt auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass in diesem Fall „offensichtlich etwas falsch gelaufen“ sei. Im Einzelfall sei das aber meist nicht mehr nachzuvollziehen. „Wir können nur um Entschuldigung bitten“, sagt er. Auch der Kundenservice sei offensichtlich nicht so gewesen, wie er eigentlich sein sollte. Dass sein Unternehmen häufiger mit Beschwerden über verweigerte Annahmen zu tun habe, will Grundler nicht bestätigen. Er könne allerdings nicht ausschließen, dass sich der eine oder andere Zusteller auf diese Weise eine eigenmächtige Arbeitserleichterung verschafft. Zumal im Dezember vermehrt saisonale Aushilfskräfte im Einsatz seien.

Ihre Plätzchen hat Maria Eberhard nochmal auf den Weg gebracht. Diesmal in einem Paket, frankiert mit 6,99 Euro. Dafür hat sie jetzt eine Paketmarke, anhand derer sie den Weg der Sendung genau nachvollziehen kann. Ein Kontrollanruf am Montag ergab, dass das Paket noch im Verteilzentrum in Neumünster lag.

Hat vielleicht doch nur der Zufall bei ihr und ihrem Plätzchen-Päckchen Regie geführt? Maria Eberhard mag daran nicht glauben – schon gar nicht, seit sie gestern ein Déjà-vu erlebte. Wieder erhielt sie eine solche Sendung mit dem Vermerk „Annahme verweigert“ zurück. Die Adressatin diesmal, eine Freundin aus Flensburg, konnte sie gestern nicht dazu befragen. Doch für Maria Eberhard, die treue Briefeschreiberin, steht fest: „Ich bin nur noch sauer. Das Vertrauen in die Post habe ich verloren.“

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