zur Navigation springen

Ärger in Klein Bennebek : Angler kämpfen um ihre Stege

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bau- und Umweltverwaltung des Kreises fordert Abriss der Angelstellen an der Alten Sorge. Fischereiverein wehrt sich gegen diesen Beschluss.

Die Bennebeker Fischer sind ratlos. Seit fast einem Jahr wehren sie sich gegen die Forderung der Bau- und Umweltverwaltung des Kreises Schleswig-Flensburg, Angelstellen in ihrem Fischereirevier entlang der Alten Sorge zurückzubauen. Eine Anzeige hat das Verfahren ausgelöst. Der Schilfgürtel entlang der Alten Sorge sei einzigartig und dürfe nicht durch Überbauten zerstört werden, lautet der Vorwurf.

„Unser Fischerverein besteht seit 52 Jahren, und genauso lange gibt es diese Angelstege“, sagt der Vorsitzende des Fischereivereins Klein Bennebek, Hans-Detlef Gehrt. „Einer Genehmigung bedürfen nur Stege, die nach 1982 errichtet wurden. Außerdem bestehen sie vollständig aus Naturmaterialien und sie werden von uns instand gehalten, gerade damit die Natur keinen Schaden nimmt“, sagt er. Es sei doch wesentlich vorteilhafter, die rechtlich zulässige Fischerei über einen funktionierenden kleinen Verein naturverträglich zu lenken, als wilde Nutzungen zu riskieren – darin sind sich die Mitglieder einig. Und sie fragen sich: Wer übernimmt später die gesetzliche Hegepflicht, nimmt Fischereischeinprüfungen ab oder führt die Fischereiaufsicht durch, wenn dem Verein seine Existenzgrundlage genommen würde. Auch die Naturerlebnis-Aktionen mit Kindern und Jugendlichen oder andere Veranstaltungen des gemeindlichen Zusammenlebens kämen zum Erliegen, müsste sich der Verein auflösen.

Tatsächlich habe sich gezeigt, dass durch die Konzentration von Anglern auf wenige Plätze Störungen für (Brut-)Vögel minimiert und Uferbeeinträchtigungen vermieden worden seien. Doch auch dieses Argument lässt die Behörde nicht gelten. Solche Stege seien verboten. Ob sich später Angler jeden Tag einen anderen Platz wählen und dadurch großflächig die Natur betreten, sei nicht Gegenstand dieses Verfahrens, so die Behörde. Ebenso wenig gehe es hier um die soziale Funktion des Vereins für die Kinder und Jugendlichen in der Umgebung, heißt es weiter vom Kreis.

Die Mitglieder kritisieren: „Leider betrachtet die Behörde die Angelegenheit immer aus möglichst schlechter Sichtweise. Sie sagt, die auf 300 Meter Gewässerstrecke verteilten Anlagen würden die Vegetation zerstören. Man hätte auch vertreten können, dass mehrere tausend Meter Uferstrecke ohne jede Nutzung sind, so dass die Nutzung auf 1,5 Prozent der Fläche keine Auswirkungen auf die Natur hat. Die Behörde sagt, die Vegetation werde zerstört. Man könnte aber auch sehen, dass es bei Errichtung der Plätze vor Jahrzehnten dort keine Vegetation gegeben hat. Die Natur hat sich erst entwickelt, als der Verein das Gewässer gepachtet hat.“

Die Bennebeker Fischer haben rechtlichen Rat eingeholt. Bei einem zweiten Treffen mit einem Behördenmitarbeiter wurde ihnen ein Kompromiss angeboten: Rückbau der Angelstege im Zeitraum der nächsten zehn Jahre. „Und dann?“, fragen sich die Mitglieder des Fischervereins Klein Bennebek. Man könne doch keine Vereinbarung unterschreiben, die auf eine Zerschlagung des Vereins in spätestens zehn Jahren ausgerichtet sei. Mittlerweile sind auch Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und Landrat Wolfgang Buschmann eingeschaltet. Unterstützung leistet auch der Landessportfischerverband Schleswig-Holstein, der „zweitgrößte anerkannte Umweltverband des Landes“.

Die Bennebeker Fischer wollen um ihren Platz an der Alten Sorge kämpfen. „Man muss keine Angelvereine mögen, aber bei objektiver Betrachtung ist doch zu erkennen, dass wir im Einklang mit der Natur stehen“, sagen sie. „Weil es hier Menschen gibt, gibt es auch eine Nutzung der Natur. Wir sorgen dafür, dass diese naturverträglich geschieht.“ Die Behörde verweist auf die Rechtslage. Als nächstes steht ein Termin bei einem Fachanwalt im Kalender.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen