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Trickdiebstahl in Schleswig : Angeblich Gehörloser bettelt Polizisten an

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das falsche Opfer ausgesucht: Ein 19-jähriger Trickbetrüger hat in Schleswig versucht, einen Zivilbeamten übers Ohr zu hauen.

Schleswig | Im wahrsten Sinne des Wortes an den Falschen geraten ist am Dienstagvormittag ein Trickdieb, als er in der Ladenstraße versuchte, einen Passanten zu bestehlen. Dieser entpuppte sich nämlich als Beamter der Schleswiger Kriminalpolizei – und sorgte schließlich dafür, dass der junge Mann in Gewahrsam genommen wurde.

Gegen 11.30 Uhr schallte plötzlich lautes Geschrei durch den Stadtweg. „Festhalten“, rief der Kripo-Beamte immer wieder den zahlreichen Passanten zu und forderte sie damit auf, den Richtung Hertie-Haus flüchtenden jungen Mann zu stellen. Zuvor hatte der den Polizisten, der „wegen einer anderen Sache dienstlich in der Innenstadt unterwegs war“, in Höhe der VR-Bank-Passage um eine Spende für Gehörlose gebeten – nachdem er sich per Zeichensprache selbst als taubstumm ausgegeben hatte. „Das ist eine bekannte Masche. Sie stehen mit einem Klemmbrett vor einem und bitten um Geld. Wenn man dann sein Portemonnaie öffnet, hat man verloren. Die umarmen und herzen dich, und dann wird man beklaut, ohne dass man es merkt. Das sind unheimlich gute Handwerker“, sagte der Beamte, der namentlich nicht genannt werden möchte, und fügte an: „Ich habe schnell gemerkt, was der vorhatte.“

Als er deshalb seinen Dienstausweis zückte und sich dadurch dem jungen Mann zu erkennen gab, „hat der Fersengeld gegeben. Er war sofort weg. Also habe ich laut um Mithilfe gerufen“, erklärte der in Zivil gekleidete Polizist – noch immer leicht außer Atem – nach getaner Arbeit.

Dass diese am Ende erfolgreich war, verdankt der Kripo-Beamte in erster Linie Tobias Kargoll. Der Verkäufer des Vodafone-Shops (unter der SN-Redaktion) stand gerade mit einem Kollegen vor der Ladentür, als er, wie viele andere Passanten auch, die lauten Rufe hörte. Wenige Sekunden später sah er den flüchtenden Mann auf sich zukommen. „Ich habe kurz überlegt: Soll ich? Man weiß ja nicht, zu was solche Leute imstande sind. Aber dann bin ich los und habe es einfach gemacht“, erzählte der 33-jährige Flensburger. Er stellte sich dem mutmaßlichen Dieb in den Weg, breitete die Arme aus und packte zu. Erst gelang es seinem Widersacher noch, sich loszureißen. Er kam aber nur fünf Meter weit. Dann hatte ihn Kargoll endgültig eingefangen. Wenige Augenblicke später war der Kriminalbeamte zur Stelle, die Handschellen klickten, etliche Schaulustige staunten.

Tobias Kargoll wollte seinen Einsatz am Ende nicht zu hoch hängen. Dass er Zivilcourage bewiesen hatte, sei für ihn ganz normal gewesen. „Aber es ist schon eine heftige Geschichte. Ich bin noch immer voller Adrenalin“, meinte er, als er schon wieder hinter dem Verkaufstresen stand.

Wie die Polizei später auf SN-Nachfrage mitteilte, handelt es sich bei dem Täter um einen 19-jährigen Rumänen. Auf der Wache habe der junge Mann, der eventuell noch einen Komplizen hatte, erklärt, dass er seine Behinderung nur vorgetäuscht habe. Ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges wurde eingeleitet. Der 19-Jährige wurde „nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen“ entlassen.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 18:21 Uhr

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