Wirtschaft im Unterricht : An der Börse gibt es keine Ferien

Tauschen Aktientipps aus: (von links) Christoph Janke, Martin Piepgras und Niklas Phieler aus der 12. Klasse der Domschule.
Tauschen Aktientipps aus: (von links) Christoph Janke, Martin Piepgras und Niklas Phieler aus der 12. Klasse der Domschule.

Wie weckt man das Interesse von Jugendlichen beim Thema Wirtschaft? Man entwirft ein Spiel im Stile eines sozialen Netzwerks und lässt sie mit Spielgeld hantieren. Schon hat man eine Gruppe von motivierten Nachwuchsbankern.

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09. Juli 2014, 07:45 Uhr

Mit Geld spielt man nicht. Und dennoch haben 90 Schüler der Dom- und der Lornsenschule am Online-Börsenspiel „Tradity“ teilgenommen, das vor einem Jahr von Moritz Funk aus Niebüll entwickelt wurde. Dabei handeln die Jugendlichen mit Aktien, wetten auf Fehler ihrer Mitspieler und heimsen Provisionen ein. Das Spiel wird bereits in über 100 Städten in ganz Deutschland gespielt und ist so konzipiert, dass jede Stadt einen eigenen Wettbewerb austrägt – an dem nun auch die Jugendlichen der beiden Gymnasien teilnahmen.

Aber warum sollten Schüler das Verschieben von großen Geldbeträgen üben, wenn sie selbst kaum eigenes Geld besitzen? „Eine gute Bildung im Finanzbereich kann in vielen anderen Bereichen eine Rolle spielen. Zum Beispiel wenn man einen Kredit aufnehmen möchte oder sich fürs Alter etwas zurücklegen will“, sagt der 18-jährige Ideengeber Moritz Funk. Das Problem sei nur das mangelnde Interesse der Schüler, da das Thema sonst nicht im Unterricht behandelt werde. „Deshalb wollten wir es so gestalten, dass Jugendliche sich davon angesprochen fühlen“, erklärt er.

Funk schwebte dabei ein Design im Stile eines sozialen Netzwerks vor. So können die Teilnehmer zum Beispiel die Startseiten anderer Spieler einsehen und deren Aktienkäufe sowie andere Transaktionen verfolgen. Für den Einkauf liegen am Anfang 100 000 Euro auf dem virtuellen Konten der Spieler parat. Damit kaufen die Schüler virtuelle Aktien von realen Firmen zu realen Preisen. „Die Aktienpreise wurden uns aktuell von der Frankfurter Börse zur Verfügung gestellt“, erklärt Christoph Janke. So seien die Zahlen sehr realistisch gewesen. Der Domschüler nutzt das Spiel, um sich über die Finanz- und Börsenwelt zu informieren: „Früher wusste ich nicht, wie ich wirtschaftliche Ereignisse einordnen sollte. Jetzt kann ich besser einschätzen, was diese Dinge bedeuten“, sagt der 18-Jährige.

Auch er meint, dass Wirtschaft zu selten Thema in der Schule ist. „Im Unterricht haben wir nur grob über Aktiengesellschaften gesprochen“, berichtet er. Das Interesse bei seinen Mitschülern sei aber durchaus vorhanden. Sein Mitspieler aus der zwölften Klasse Niklas Phieler war ebenfalls voll bei der Sache: „Ich fand die Börse schon immer interessant. Das Hin- und Herschieben von großen Geldbeträgen ist einfach spannend“, meint er.

Martin Piepgras ist der Einzige in Phielers Klasse, der ebenfalls bei „Tradity“ mitmacht. Er sei nur dazu gekommen, weil sein Vater echte Aktien besitzt. Wie er damit Geld mache, habe er vorher aber nicht verstanden. „Deswegen erfüllt dieses Spiel schon seinen Zweck“, meint der 17-Jährige, denn jetzt wisse er schon besser, welche Faktoren den Gewinn beeinflussen können. Reales Geld würde er aber noch nicht in Aktien stecken. „Dafür ist mir das Ganze zu kompliziert“, ist er sich mit Phieler einig. Auch Janke hat durch das Spiel erkannt, wie schwierig die Börsenwelt ist. „Oftmals ist es ein ziemliches Glücksspiel“, stellt er fest.

Gewinnen wollte Janke aber dennoch. Leider lagen er und seine Kameraden allerdings schon kurz nach Beginn im Hintertreffen. Da das Spiel aber ohne Wettbewerb weitergespielt werden kann, wollen alle drei ihr virtuelles Depot im Auge behalten. Immerhin gebe es an der Börse auch keine Ferien.

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