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Überfälle : An den Tankstellen geht die Angst um

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Tankwarte sind in Sorge. Drei Überfälle hat es in den vergangenen Tagen in der Region gegeben. Ein Täter ist sogar schon wieder auf freiem Fuß., was nicht nur die Tankstellen-Mitarbeiter empört.

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erstellt am 26.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Sie sind spürbar beunruhigt – die Mitarbeiter der Tankstellen in der Stadt und den Nachbargemeinden. Drei Überfalle hat es in der vergangenen Woche gegeben (wir berichteten), einen davon im Gewerbegebiet in der St. Jürgener Straße. „Wir sind im negativen Sinne elektrisiert“, sagt die Stationsleiterin der betroffenen Team-Station, Melanie Bettin. Die anderen beiden Raubüberfälle ereigneten sich in Jagel und in Tolk. Alle drei Täter waren offenbar bewaffnet – auch wenn das die Polizei nicht bestätigen will. Dort spricht man zumindest aber von „waffenähnlichen Gegenständen“. Den Angestellten der Schleswiger Tankstellen ist die Bezeichnung derweil völlig egal. Viele von ihnen haben einfach nur Angst.

Auch die vorübergehende Freilassung des Täters, der die St. Jürgener Tankstelle überfallen hatte und vor wenigen Tagen von der Polizei gefasst wurde, sorgt für reichlich Unruhe. Auch Zeugen, die mit ihren Aussagen zur Festnahme des Täters beitrugen, sind entsetzt. „Bei solchen Entscheidungen platze ich fast vor Wut“, sagt Anja With. Sie steht seit über zehn Jahren an der Kasse der Star-Tankstelle in der Flensburger Straße. „Dass man diesen Menschen schon wieder auf freien Fuß gesetzt hat, ist eine absolute Frechheit“, empört sie sich. Natürlich könne man den Beamten dafür nicht die Schuld zuschieben, dem Gesetzgeber aber durchaus einen Vorwurf machen.

Renate Berelsmann kann diese Wut gut verstehen. Ihre Kollegin an der HEM-Tankstelle in Jagel wurde am 16. Januar Opfer eines Überfalls – zum zweiten Mal in einem Jahr. „Ich habe mich sehr über die Freilassung aufgeregt. Für die Betroffenen ist die Zeit nach dem Überfall sowieso schon schlimm genug“, sagt die 61-Jährige. Berelsmann weiß schon gar nicht mehr, wie sie sich vor Überfällen schützen soll. „Meine Kollegin konnte sich zum Glück im Büro verbarrikadieren, aber ich kann ja nicht einfach die Eingangstür abschließen“, erklärt die Tankwartin. Genau das macht jetzt aber Anja With, wenn sie die Abendschicht übernimmt. „Wenn mir eine Person nicht gefällt, mache ich gar nicht mehr die Tür auf. Unser Chef findet das in Ordnung“, sagt sie. Außerdem stehe jetzt regelmäßig ein Wachmann auf dem Gelände.

Auch andere Tankstellen haben ihre Sicherheitsmaßnahmen im Zuge der Überfälle deutlich erhöht. Bei Star am Husumer Baum wird die Kasse jetzt noch regelmäßiger geleert. Bei der Team-Tankstelle am Busdorfer Kreisel werden Mitarbeiter am Abend nur noch von Freunden oder Familienmitgliedern abgeholt. Pfefferspray findet sich mittlerweile hinter jedem Tankstellen-Tresen. All das sorgt aber noch nicht für Beruhigung – besonders mit Blick auf junge Aushilfen. „Die sind völlig verängstigt. Wenn du in den Lauf einer Waffe schaust, ist der Spaß vorbei“, erklärt With.

Es gibt allerdings auch Tankstellen-Mitarbeiter, die sich noch sicher fühlen. „Unsere Aushilfen sagen, dass sie keine Angst haben“, berichtet etwa Team-Mitarbeiterin Melanie Bettin. Wenn jemand zurzeit aber lieber zuhause bleiben wolle statt zu jobben, habe sie dafür aber allemal Verständnis. Immerhin wolle niemand für ein paar hundert Euro sein Leben riskieren. Reinhard Augustin sieht die Sache ganz anders: „Es wird immer nur wenig erbeutet und das hängt mit den guten Vorkehrungen zusammen“, sagt der Leiter der Esso-Tankstelle in der St. Jürgener Straße. Man solle das Thema auch nicht überbewerten, meint er.

Anja With gibt sich deutlich weniger gelassen. Sie will sich vor Überfällen schützen – jedoch nicht um jeden Preis. „Wenn ich selbst eine Waffe unter dem Tresen hätte, wäre ich nicht besser als einer der Täter.“

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