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Hochwasser-Schutz für Gelting : Am Polder führt kein Weg vorbei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kontroverse Diskussion über Lösung der Hochwasser-Problematik in Gelting – am Ende blieb es bei der kostengünstigeren Lösung.

Wie lässt sich eine Überschwemmung wie vor gut zwei Jahren in Gelting verhindern – Polder oder Umgehungs-Kanal? „Beide Varianten zum Hochwasserschutz sind gleichwertig und gut.“ Dieses Fazit zog Stefan Reese, Geschäftsführer der Elmshorner Ingenieurgemeinschaft Reese und Wulff, als er im überfüllten Saal des Gasthauses Gelting seine Ausführungen zur hydrologischen Untersuchung des von Überschwemmungen permanent bedrohten Ortskerns beendete. Es handelt sich dabei um eine Fläche von 19 Quadratkilometern, für deren Entwässerung und Sicherheit der Wasser- und Bodenverband Geltinger/Stenderuper Au verantwortlich ist. Ein Netz von Rohrleitungen sowie teilweise offene Gräben durchziehen dieses Areal.

In der fair ausgetragenen Informations- und Diskussionsveranstaltung am Montagabend wurde der Konflikt deutlich, der die Kommunalpolitiker, Verbandsvertreter und betroffenen Bürger auf der Suche nach der besseren Lösung spaltet. Über drei Stunden lang wurden die Klingen gekreuzt. Dass dennoch die Polder-Lösung – also eine 17 Hektar große eingedeichte Fläche zum Auffangen künftigen Starkregens – als wahrscheinlicher gilt, liegt an den niedrigeren Investitionskosten. Nach derzeitigen Schätzungen erfordert der Polder-Bau samt Grundstückserwerb 1,245 Millionen Euro, während für die Anlage eines Umleitungs-Grabens rund zwei Millionen Euro benötigt würden.

Thorsten Roos, Leiter des Umwelt-Fachbereichs im Kreis und zugleich Moderator des Abends, versicherte, dass der Erwerb der benötigten Überschwemmungsflächen – bei beiden Varianten – zu 100 Prozent durch Einnahmen „aus der Windkraft im Westen des Kreises“ finanziert werde. Allerdings seien damit Auflagen zum Naturschutz verknüpft, unter anderem mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen.

Der Polder-Bau, der sowohl beim WBV (intern mit sechs gegen zwei Stimmen der Ausschussmitglieder) als auch bei der Gemeindevertretung Gelting bereits beschlossene Sache ist, soll mit einer halben Million Euro aus EU-Mitteln als Projektförderung gewährt werden. Für die Kanal-Lösung hingegen gäbe es aus Brüssel keinen Cent. Geltings Bürgermeister Uwe Linde bestätigte, dass die Kommune das Polder-Vorhaben mit 300 000 Euro unterstützen werde.

Der Pferdefuß bei der Polder-Lösung: Die Bürger werden vom Wasser- und Bodenverband bei der Finanzierung des WBV-Anteils (und auch zur Pflege der künftigen Anlagen) mit zur Kasse gebeten, denn sie gehören zum Kreis der so genannten „Vorteilsnehmer“. Am stärksten werden nach Darlegung eines neutralen Schätzers jene 73 Hauseigentümer im Gefahrengebiet belastet, und zwar mit einer jährlichen Abgabe, die im Endeffekt mehrere hundert Euro betragen könnte. Für viele Betroffene ist dies ein Grund, den (beitragsfreien) Kanalbau zu favorisieren. Hinzu kommt die Sorge, der Polder könnte bei einer extremen Wetterlage überlaufen und die Dämme brechen lassen. „Das Wasser muss fließen – aber nicht weiter mitten durch Gelting“, hieß es von dieser Seite.

Seit der mehrtägigen Überschwemmung des Kneippkurortes sind gut zwei Jahre vergangen. Im kommenden Frühjahr soll das weitere Vorgehen der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Dagmar Struß, Vorsitzende des Nabu-Ortsvereins Ostangeln, vertrat die Auffassung, dass die jetzt wirtschaftlichste Lösung nicht unbedingt die sicherste sei. Dr. Peter Lüsebrink wunderte sich, dass es beim WBV keine Rücklagen für Maßnahmen zum Hochwasserschutz gebe, während Hans-Peter Buchholz, Sprecher der IG Überschwemmungsgebiet Gelting und Umgebung, sich einmal mehr für die „Umleitung“ stark machte. Er sei nicht bereit, sich als Vorteilsnehmer zur Kasse bitten zu lassen. Auch er vermisste Rücklagen beim Verband. Es sei ein Beschluss gefasst worden, obwohl selbst jetzt noch nicht alle Zahlen auf dem Tisch lägen.

Karsten Kretschmann sagte, dass seinen Berechnungen zufolge die Polder-Lösung locker ausreiche. Klaus Bösselmann wollte wissen, wer für die Haltbarkeit der Deiche garantiere und zahle, wenn sie brechen sollten. Dazu Bürgermeister Linde: „Wenn ich Angst hätte, dass ein Deich bricht, dürfte ich nicht in Schleswig-Holstein leben.“ Geltings Wehrführer Bernd Kraack-Petersen sprach mit Blick auf das September-Hochwasser vor zwei Jahren von einer Einmaligkeit. Die Böden waren bereits im August von Regen mehr als gesättigt. „Da brachten die September-Niederschläge das Fass zum Überlaufen.“

 

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erstellt am 23.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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