Schleswig : Am Donnerstag steigt der Bahnhofs-Gipfel

Nur ein Plakat deutet darauf hin, was aus dem Schleswiger Bahnhof eines Tages werden soll.
Nur ein Plakat deutet darauf hin, was aus dem Schleswiger Bahnhof eines Tages werden soll.

Stadt, Eigentümer und Vertreter des Eisenbahn-Bundesamtes wollen im Rathaus nach einer Lösung im Streit um die Immobilie suchen.

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17. Januar 2018, 12:00 Uhr

Schleswig | Er gehört längst zu den größten Sorgenkindern der Stadt: der Schleswiger Bahnhof. Das wurde auch noch einmal deutlich, als beim Neujahrsempfang im Rathaus am Montagabend die verschiedenen Redner ans Pult traten. Sie alle kamen auf die großen Probleme zu sprechen, die Schleswig zu bewältigen habe. Und sie alle nannten dabei das Hertie-Kaufhaus, das marode Parkhaus, den Bau eines neuen Theaters – und den Bahnhof.

Bereits seit Jahren tobt ein Streit zwischen der Stadt und dem Eigentümer Hubert Herr, der das Gebäude 2013 gekauft hatte und es zu einem „Event-Bahnhof“ umbauen möchte. Es geht um ungeklärte Zuständigkeiten, fehlende oder falsche Dokumente, verschlafene Fristen, gegenseitige Anschuldigungen und längst auch um persönliche Eitelkeiten. Der bislang letzte Akt in der Tragödie: Ende Dezember bestätigte das Oberverwaltungsgericht den von der Stadt verhängten Baustopp am Bahnhof. Seitdem liegt die Baustelle brach. Das Gebäude und sein Umfeld bieten einen traurigen Anblick.

Am Donnerstag nun sollen all diese Probleme noch einmal auf den Tisch kommen. Denn: Im Rathaus steigt ein großer Bahnhofs-Gipfel. Neben Bürgermeister Arthur Christiansen und weiteren Mitarbeitern der Verwaltung werden auch Vertreter des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) und Hubert Herr dabei sein. Zudem wird jede Seite von Juristen beraten. „Alle Beteiligten wollen sich zusammensetzen und an einer Lösung arbeiten“, erklärt Rathaussprecher Eric Gehrke auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten. Es sei wichtig, dass das Gebäude auf Sicht wieder zugänglich gemacht werde. „Denn wir als Stadt möchten, dass die Bürger wieder etwas von ihrem Bahnhof haben“, so Gehrke.

Das wünscht sich natürlich auch Eigentümer Hubert Herr. Ganz so optimistisch wie der Rathaussprecher blickt er allerdings nicht auf das geplante Treffen im Rathaus. Er komme zwar extra aus Süddeutschland für einen Tag eingeflogen, „richtig große Erwartungen habe ich aber nicht an diesen Termin“. Vielmehr spricht Herr weiterhin von falschen Anschuldigungen gegen ihn und pocht darauf, dass er sämtliche notwendigen Dokumente für den Umbau des Bahnhofes zu einem Event-Tempel fristgerecht bei den zuständigen Behörden eingereicht habe.

Besonders der Vorwurf, es liege keine Statik für sein Bauvorhaben vor (dies hat schließlich zum Baustopp geführt), stößt ihm weiter sauer auf. „Fakt ist, dass ich im Mai 2015 einen Bauantrag bei der Stadt gestellt habe. Das wurde mir dann erst im September 2016 bestätigt, und ich wurde aufgefordert, Dokumente nachzureichen. Von einer Statik war damals gar nicht die Rede. Denn die lag da bereits lange vor – und all das kann und werde ich beweisen“, sagt Herr, der in diesem Punkt weiterhin auf eine juristische Auseinandersetzung vor dem Verwaltungsgericht setzt. „Darauf wird es wohl hinauslaufen“, sagt der Investor aus Baden-Württemberg. „Aber“, und auch das betont er, „eigentlich habe ich die Lust an meinem Schleswiger Projekt verloren. Ich hatte sehr viel Gefallen daran und tolle Pläne, aber durch dieses ganze Gezerre ist das Herzblut, mit dem ich da rangegangen bin, inzwischen weg.“ Gesprächsbereitschaft für den morgigen Termin signalisiert er allerdings schon. „Ich höre mir das alles an und werde auch meine Meinung darstellen. Mal sehen, was dann dabei ’rumkommt.“

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