Süderbrarup : Am Brückentag ohne Arzt

So oder ähnlich sah es gestern an den Türen der Arztpraxen aus.
So oder ähnlich sah es gestern an den Türen der Arztpraxen aus.

Am Freitag schauten die Süderbraruper in die Röhre, wenn sie zum Arzt wollten. Denn: Sämtliche Allgemeinmediziner hatten geschlossen. Offenbar ohne Absprache.

shz.de von
16. Mai 2015, 07:25 Uhr

Durch die kollektive Schließung aller allgemeinmedizinischer Praxen Süderbrarups war die ärztliche Versorgung in der Gemeinde und dem Amt Süderbrarup gestern auf dem Nullpunkt. Einige Ärzte wiesen mit Aushängen auf die Schließung hin. Andere verzichteten selbst auf diese Höflichkeit. Nach mehrmaligem Klingeln mussten Patienten ohne Erklärung und unverrichteter Dinge wieder abziehen.
In den beiden Apotheken des Ortes häuften sich Kranke, die rezeptpflichtige Medikamente brauchten. Aber sie hatten keinen Arzt, der ein Rezept ausstellen konnte. Besonders krass war der Fall einer Patientin, die am Mittwoch mit einem Tagessatz Tabletten aus dem Krankenhaus entlassen worden war. „Gehen Sie am Freitag zum Arzt und lassen Sie sich neue verschreiben“, hatte man ihr mit auf den Weg gegeben. „Uns bleibt keine andere Wahl, als die Menschen an die Anlaufpraxis zu verweisen“, erklärte eine Apothekenmitarbeiterin. Doch die sollte nach entsprechender Veröffentlichung in der Zeitung erst ab 17 Uhr im Helios Klinikum in Schleswig geöffnet haben. Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst klärte am Telefon darüber auf, dass die für Süderbrarup zuständige Anlaufpraxis in der Margarethenklinik in Kappeln auch von 10 bis 13 Uhr geöffnet habe. Das war nur nicht veröffentlicht worden. Später trafen von dort auch Rezepte in Süderbrarup ein.

„Das geht gar nicht“, erklärte Süderbrarups Amtsvorsteher Thomas Detlefsen unserer Zeitung, als er auf die Situation angesprochen wurde. Man werde sich mit den Ärzten zu einem Gespräch zusammenfinden, um eine ähnliche Situation in Zukunft zu vermeiden.

„Seine Öffnungszeiten regelt jeder Arzt selbst“, stellte Süderbrarups Bürgermeister Friedrich Bennetreu fest. Die Kommunalverwaltung habe darauf seit Einführung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes keinerlei Einfluss mehr. „Das wäre anders, wenn wir ein kommunal geführtes Ärztehaus hätten“, holte er eines der anderen dringenden Themen des Ortes hervor. Denn die Ärzteschaft von Süderbrarup ist überaltert und ein großer Teil der Mediziner hat in den nächsten fünf Jahren die Ruhestandsgrenze überschritten.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen