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Schleswig : Am Bahnhof gibt es wieder einen Schalter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein provisorisches Reisezentrum hat gestern den Betrieb aufgenommen. Aber die Kunden sind genervt vom Streit zwischen Stadt und Investor.

von
erstellt am 09.Mai.2017 | 00:25 Uhr

Irgendwie passt es ins Gesamtbild. In einem knapp zwei mal zwei Meter großen, schmucklosen Raum, versteckt hinter einer unscheinbaren Tür, an der mit einem kleinen Zettel die Öffnungszeiten angepinnt sind, verbirgt sich das neue Reisezentrum am Schleswiger Bahnhof. Drinnen, hinter einer Plexiglasscheibe, sitzt ein Mitarbeiter und wartet auf Kundschaft. „Bitte keine Fotos“, sagt er. Ansonsten möchte er sich nicht äußern. Fest steht aber: Gestern hat die Verkaufsstelle offiziell ihren Betrieb aufgenommen, nachdem die Bahnhofshalle kurz vor Ostern für die Öffentlichkeit gesperrt worden war. Seitdem mussten Reisende ihre Zugtickets entweder im Internet oder am Automaten kaufen. Ein Zustand, der bei vielen Bahnfahrern für Ärger sorgte.

Das ist mit dem Einzug des Reisezentrums in die provisorischen Räume nun vorbei. Der Streit um den Umbau des Bahnhofs (wir berichteten) schwelt indes weiter – und eine Einigung zwischen dem Investor, der das Gebäude 2013 gekauft hat, und der Stadt ist weiterhin nicht in Sicht. „Jeder, mit dem man über dieses Thema spricht, ist inzwischen genervt. Das ist doch einfach nur peinlich, dass sich beide Seiten nicht einigen können“, meint Mario Jensen, der regelmäßig zwischen Schleswig und Flensburg mit dem Zug fährt und gestern Mittag mal wieder vor verschlossenen Türen am Bahnhof wartet. Und natürlich kommt auch der junge Mann um den Zusatz nicht herum, den man nicht nur in diesem Zusammenhang immer wieder hört: „Typisch Schleswig.“

Das sieht auch Petra Thomsen so. Sie hat gestern Zugtickets für sich und ihre Tochter für eine Fahrt nach Dortmund gekauft – und zwar im neuen Reisezentrum. „Ich habe nur durch Zufall erfahren, dass man hier jetzt wieder Karten kaufen kann“, sagt die Ulsnisserin, die froh war über die freundliche und persönliche Beratung. „Am Automaten ist das alles ja doch ziemlich kompliziert“, sagt sie. Dass der Bahnhof weiterhin gesperrt ist und die Umbauarbeiten durch den verhängten Baustopp nicht vorankommen, bedauert auch sie. „Man hat leider immer das Gefühl, dass man sich in Schleswig selbst im Weg steht. Das ist echt schade.“

Eva Szolnoki hingegen beobachtet die Streitereien zwischen Stadt und Investor recht emotionslos. Sie macht es sich gestern in der Sonne gemütlich, während sie auf ihren Zug Richtung Husum wartet. „Die Bahnhofshalle fand ich immer sehr kalt und ungemütlich. Und die Toiletten waren ohnehin so dreckig, dass man gerne darauf verzichtet hat, sie zu benutzen“, meint die junge Frau, die fast täglich mit der Bahn nach Schleswig pendelt. „Trotzdem wäre es natürlich schöner, wenn das hier alles in Ordnung wäre.“

Das wünscht sich natürlich auch der Investor. Der Geschäftsmann aus Süddeutschland, der nicht namentlich genannt werden möchte, gibt sich weiterhin kämpferisch, dass es mit seinem „Eventbahnhof“ trotz der ganzen Querelen doch noch etwas wird. „Wenn’s sein muss, mit gerichtlicher Unterstützung“, sagt er auf SN-Nachfrage. Über die Umstände, die zur Sperrung des Bahnhofs führten, klagt er noch immer und versichert, dass die bereits vorgenommenen Umbauarbeiten in der Bahnhofshalle allen Anforderungen an die Statik genügten. Die Stadt indes zweifelt daran und hat deshalb in Absprache mit dem Eisenbahnbundesamt (EBA) auf die Sperrung gedrängt. Diese wiederum hat letztendlich allerdings die DB Station und Service AG, die das Reisezentrum betreibt, ausgesprochen. „Obwohl die eigentlich nur Mieter bei mir sind und gar nicht das Recht dazu haben“, wie der Investor betont. Dennoch wolle er gegen die Sperrung nicht vorgehen, vielmehr aber der DB Station und Service AG den Vertrag für die Nutzungsrechte aufkündigen. Denn die komme weder ihren Verpflichtungen nach, die Toiletten zu reinigen, noch zahle sie seit Jahren die Nebenkosten (Wasser, Strom, Heizung) dafür.

Dass es bald dennoch wieder Toiletten am Bahnhof geben wird, bestätigt gestern derweil eine Bahnsprecherin auf Anfrage. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und werden in den nächsten Tagen mobile WCs aufstellen“, sagt sie.

Ob aber ein gesperrter Bahnhof neben dem Dixi-Klos stehen, auf Dauer das ist, was sich Investor, Bahn und Stadt vorstellen, darf man in Frage stellen. Deshalb betont der Eigentümer auch, dass er weiterhin bereit sei, mit der Stadt zu sprechen – auch wenn die formal für seine Umbaupläne gar nicht zuständig sei. „Der Bahnhof gehört allein in den Zuständigkeitsbereich des Eisenbahnbundesamtes“, betont er. Im Rathaus hingegen ist man anderer Meinung. „Es gibt zwar öffentliche Bereiche am Bahnhof, für die das EBA zuständig ist. Für alles, was der Investor für privatwirtschaftliche Zwecke plant, sind aber wir der Ansprechpartner“, sagt Stadtsprecherin Antje Wendt. Wie so oft in diesem Fall steht also Aussage gegen Aussage. Fortsetzung folgt.

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